Musikfestivals & Monopoly: Vom Imperiengeschäft Folge 2085
Die Musikindustrie spielt seit vielen Jahren Monopoly. Und egal ob die Konzerne, die man einstmals als Plattenfirmen bezeichnet hat, ob Konzert- und Tourneeveranstalter, ob Festivals, ob Musikverlage, die den Handel mit Copyrights Hand in Hand mit den größten Beteiligungsgesellschaften betreiben – alle haben das Konzept des „Imperiengeschäfts“ gemeinsam.
Festivals werden gecancelt, verschoben und beerdigt
Laut “IQ Magazin” wurden dieses Jahr bereits mehr als 40 Festivals in Großbritannien gecancelt, verschoben oder komplett beerdigt. Und in den letzten fünf Jahren sind in Großbritannien bereits 172 komplett verschwunden.
"We are witnessing the steady erosion of one of the UK’s most successful and culturally significant industries", sagte John Rostron, der Präsident der Association of Independent Festivals (AIF).
Einige Anmerkungen zur deutschen Festivallandschaft im Sommer 2023
Was ist los im Festival-Business?
Es hagelt Absagen, manche Festivals greifen zu Verzweiflungstaten und bieten ihre Tickets mit bis zu 30% Rabatt an, andere gehen pleite, und von vielen Festivals hört man atemberaubend schlechte Zuschauer:innen-Zahlen.
Beispiel Tempelhof Festival in Berlin, das FKP Scorpio im Jahr 2022 gewissermaßen als das Gegenstück zum Berliner Lollapalooza (mittlerweile zu Live Nation gehörend) gegründet hatte und das mit 30.000 Zuschauer:innen pro Tag durchaus erfolgreich war.
Best for Britain...
Die Lobbygruppe „Best for Britain“ weist laut „Musikwoche“ in einer Studie darauf hin, dass im Vergleich zu den Vor-Brexit-Jahren die Zahl britischer Bands auf europäischen Festivals im Jahr 2022 um 45 Prozent gesunken sei.
Na, da hatte der Brexit doch noch etwas Gutes…
Senatspopfestival, Subventionen, Transparenz...
Ach ja, und das Berliner Senatspop-Festival, die sogenannte „Pop-Kultur“?
Sonny Terry & Brownie McGee spielen nur im Ghetto
Der Musiker Penny Rimbaud erzählt in „The Wire“ von einem großen Folk-Festival, das 1972 in Washington stattgefunden hat. Dort waren auch Sonny Terry und Brownie McGee gebucht (wer mehr über diese beiden Ausnahmemusiker erfahren bzw. von ihnen hören will, sei auf die großartige CD „Conversation with The River“ aus der 49-CD-„World Network“-Reihe hingewiesen, die einen WDR-Mitschnitt von 1980 enthält). Doch Sonny Terry und Brownie McGee weigerten sich, auf dem Festival vorm Weißen Haus aufzutreten, sie würden in Washington ausschließlich im Ghetto spielen.
Festivals go Private Equity
Es ist ein armselig Ding um das – Festivalgeschäft!
Zwei Fragen an das Berliner Pop-Kultur-Festival
Und dann, liebes Berliner Pop-Kultur-Festival, habe ich noch zwei Fragen:
Live Nation sitzt im Glashaus und geht auf Frauensuche
Eine der absurdesten Meldungen des Jahres kommt vom weltweiten Branchenführer der Konzertindustrie, dem umstrittenen US-amerikanischen Großkonzern Live Nation. Laut „Musikwoche“ hat Live Nation unter der Bezeichnung „Women Nation Fund“ eine Initiative eingerichtet, „mit der der Live-Entertainment-Konzern von Frauen geführte Festivals, Events oder Veranstaltungsfirmen finden und fördern will. Auf diese Weise wolle man die Zahl der weiblichen Führungskräfte in der Livebranche signifikant erhöhen.“


