CTS Eventim und ihr "independent spirit"
Passend dazu diese lustige Anzeige von CTS Eventim in aktuellen Ausgaben des englischsprachigen Branchendienstes „decibel news“:

CTS Eventim und „independent spirit“ – was haben wir gelacht!
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CTS Eventim und „independent spirit“ – was haben wir gelacht!
Der Nvidia-Konzern, eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt, finanziert neuerdings seine eigene Kunden, indem er mehr als 500 Milliarden US$ über einen „Computer-Finanzierungs-Plattform“ für Nvidia-Kunden zur Verfügung stellt, damit diese Nvidia-AI-Produkte zu attraktiven Konditionen erwerben können. Nvidia wird also zur „bank of AI“, wie die „Financial Times“ titelte.
In Hamburg haben Kulturinstitutionen wie Kampnagel, das Deutsche Schauspielhaus und das Thalia Theater nach einer Ausschreibung eine Ticketing-Zusammenarbeit mit dem isländischen Ticketinganbieter Tixly vereinbart. Dadurch gibt es jetzt günstige und vor allem pauschale Ticketinggebühren. Tortoise-Fans zahlen bei Kampnagel zum Beispiel eine Ticketgebühr von € 2,50 brutto (wobei Tixly sogar nur einen Bruchteil dieses Betrags erhält, der Rest geht in die Abwicklung bei den Veranstaltern).
Warum ist das ein guter und wichtiger Schritt?
Und was macht Deutschlands größter Ticketingkonzern mit all seinen Profiten?
CTS Eventim goes Kosmetik:

Erinnert sich noch wer an die Corona-Hilfen? An die sogenannten November-Hilfen? An Scholzens Bazooka? Ein kleiner Long-Read.
Zum 31.10.2023, nach Antrag auf Fristverlängerung bis spätestens 31.3.2024 bzw. 15.10.2024 mussten die Unternehmen ihre Schlussabrechnungen für die erhaltenen Corona-Hilfen einreichen, also für die Überbrückungshilfen I bis IV sowie die November- und Dezemberhilfen.
Ihr kennt ja alle das klassische Musikindustrie-Sprech, das Hand in Hand mit der der Musikindustrie eigenen, unausgesprochenen Omerta geht:
Alles läuft immer und grundsätzlich super! Alles ist prima! Jedes Konzert ist quasi ausverkauft, ständig bekommen die Superstars und Sternchen „Sold Out-Awards“ verliehen, und falls ein Konzert oder eine Tournee dann doch mal abgesagt werden muss, dann hat das schlicht „produktionstechnische“ Gründe und ganz sicher überhaupt nicht und null mit mangelhaftem Ticketverkauf zu tun.
Und CTS Eventim?
Speaking of Open Airs:
Nicht nur in Berlin, auch in München gibt es eine Kulturförderung der ganz speziellen Art, und auch in München ist die Union, in dem Fall natürlich die CSU, beteiligt.
Im April hat der deutsche Quasi-Monopolist CTS Eventim das Festival- sowie das internationale Ticketinggeschäft vom französischen Medienkonzern Vivendi erworben.
Zu dem Deal gehören See Tickets, das zweitgrößte Ticketingunternehmen in Großbritannien, das auch in anderen europäischen Ländern und den USA erfolgreich ist, sowie die Festival-Division „Vivendi Villages“ (u.a. Junction 2/UK und Garorock/F).
Was ist los im Festival-Business?
Es hagelt Absagen, manche Festivals greifen zu Verzweiflungstaten und bieten ihre Tickets mit bis zu 30% Rabatt an, andere gehen pleite, und von vielen Festivals hört man atemberaubend schlechte Zuschauer:innen-Zahlen.
Beispiel Tempelhof Festival in Berlin, das FKP Scorpio im Jahr 2022 gewissermaßen als das Gegenstück zum Berliner Lollapalooza (mittlerweile zu Live Nation gehörend) gegründet hatte und das mit 30.000 Zuschauer:innen pro Tag durchaus erfolgreich war.
Merkwürdiges Aktiengeschäft, wieder einmal:
Ausgerechnet in der Woche, als der CTS Eventim-Konzern einen Verlust von etlichen Millionen Euro durch seine Rock am Ring/Rock im Park-Festivals hinnehmen musste, war die CTS Eventim-Aktie einer der großen Gewinner im DAX: Die Aktie stieg um 8,16% und lag auf Platz der Gewinner der Börsenwoche.
Dann aber, als ein gewisser Jan Böhmermann in seinem „ZDF Magazin Royale“ beißende Kritik an der Marktstellung und der Gebührenpolitik von CTS Eventim übt, rauscht die Aktie in den Keller und hat binnen weniger Tage 17% verloren…