Blogdarstellung in voller LängeBlogdarstellung mit Anrisstexten
Berthold Seliger - Blog abonnieren
Blog Archiv - Jahr %1
06.04.2026

Der Neofeudalismus der staatlichen Kulturpreise vs. strukturelle, langfristige Kulturförderung

Unsereiner würde sich ja gerne mit vielen anderen Themen beschäftigen, aber man kommt gerade von der Kulturpolitik nicht los. 
„Windbeutel“ („FAZ“) Weimer sei Undank.
 
Jetzt also die Malaise rund um den Buchhandlungspreis. 
 
Da lässt der Kulturstaatsminister Buchhandlungen, die von einer unabhängigen und renommierten Jury einen staatlichen (und durchaus leider keinen stattlichen) Preis erhalten sollen, heimlich vom Verfassungsschutz überprüfen. Und über drei Buchhandlungen (darunter zwei, die sogar zu den fünf „besonders herausragenden Buchhandlungen“ gehörten) lagen „verfassungsschutzrelevante Informationen“ vor, weswegen sie vom Kulturstaatsminister kurzerhand ausgesondert und von der Liste der Jury gestrichen wurden.
 
Und dann belügt das BKM diese drei Buchhandlungen aus Berlin, Bremen und Göttingen in den Absageschreiben sogar noch, indem ihnen „leider“ mitgeteilt wird, „dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden“.
 
Vom konkreten Inhalt der „verfassungsschutzrelevanten Informationen“ will Weimer nichts gewusst haben - was war da also los in den drei Buchläden? Wurden dort Bomben gebaut? Wurde zum Umsturz aufgerufen? Haben die Buchhändler:innen Werke von Marx, Lenin und Rosa Luxemburg verkauft? Den Song „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ mit seinem Refrain „Deutschland verrecke“ der Band Slime mitgesummt? Heimlich die „Internationale“ gepfiffen?
 
Wenn es nicht so irre und so trostlos wäre, könnte man drüber lachen.
Aber dahinter steckt halt leider System. 
Im Statement der kulturpolitischen Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Ottilie Klein, auf „X“ werden aus nicht näher bezeichneten, angeblichen „verfassungsschutzrelevanten Informationen“ kurzerhand „verfassungsfeindliche Institutionen“:

Laut Recherchen der „SZ“ wirbt „das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) bei Ministerien und auch Behörden des Bundes dafür, es Wolfram Weimer gleichzutun. Die Rede ist von einem flächendeckenden Vorgehen: Staatliche Stellen, heißt es, müssten sicherstellen, dass Fördergeld nicht an Extremisten fließt. Personen oder Gruppen, über die dem Verfassungsschutz relevante Erkenntnisse vorliegen, sollte kein Geld gewährt werden.“ 
 
Es soll demnach eine Art Regelanfrage beim Verfassungsschutz geben: „Behörden müssten dann eigentlich bei jedem Antrag den Verfassungsschutz konsultieren, bevor sie Fördergeld an Bürgerinnen und Bürger herausgeben, in welcher Form auch immer.“
 
Auch Claudia Roth (Grüne), Weimers Amtsvorgängerin, soll sich laut „SZ“ in der Vorbereitung des Buchhandlungspreises einmal beim Verfassungsschutz abgesichert haben. Allerdings scheint die "SZ" in diesem Fall schlecht recherchiert zu haben. Claudia Roth stellte dazu jedenfalls laut "dpa" klar:

„Wenn Wolfram Weimer nun so tut, als hätte ich in meiner Amtszeit ähnlich gehandelt wie er jetzt beim Deutschen Buchhandlungspreis, ist das ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen – und der Versuch, sich reinzuwaschen, statt Verantwortung zu übernehmen“, teilte Roth mit. In einem Fall sei es damals um die nachträgliche Prüfung eines Fördervorgangs aus der Amtszeit ihrer Vorgängerin gegangen. Es habe der Verdacht im Raum gestanden, dass eine „bereits erschienene Publikation eines rechtsextremen Verlags gefördert worden sein könnte“, obwohl die Verlage ausdrücklich zugesichert hätten, keine verfassungsfeindlichen Inhalte zu produzieren. Deshalb sei im Nachhinein geprüft worden, ob gegen Förderbedingungen verstoßen worden sei und Fördermittel zurückgefordert werden könnten.
„Das hat mit dem jetzigen Vorgehen meines Nachfolgers nichts zu tun, der eine unabhängige Juryentscheidung beim Deutschen Buchhandlungspreis politisch übergangen hat“, teilte Roth mit. 

Jedenfalls: Die Rechtsgrundlage für dieses Verfahren gilt unter Verfassungsrechtlern als äußerst zweifelhaft. Aber die Bundesregierung setzt offensichtlich weiter darauf, ihre politischen Ziele systematisch mit den Mitteln des Geheimdiensts zu verfolgen.
In der großen Diskussion um den Buchhandelspreis geht allerdings ein Aspekt völlig unter, dem meiner Meinung nach eine große Bedeutung zukommt: Nämlich der neofeudale Charakter der Kulturauszeichnungen an sich.
 
Wir kennen das ja zu Genüge von den staatlichen Auszeichnungen in der Popkultur: Da gibt es den „Applaus-Award“ der Initiative Musik, mit dem der Kulturstaatsminister „herausragende Livemusikprogramme sowie das besondere Engagement von Clubbetreiber:innen und Veranstalter:innen“ würdigt. 
Im Jahr 2025 wurden 88 derartige Auszeichnungen mit einem Gesamtpreisgeld von rund 1,7 Mio. Euro vergeben. Dazu gibt es eine eigens organisierte und mit nicht geringen BKM-Mitteln finanzierte Veranstaltung, auf der sich der Staatsminister als großzügiger Förderer der Live-Kultur präsentieren kann.
 
Während die Clubs, Venues und Veranstalter:innen nach wie vor vergebens auf eine grundsätzliche strukturelle Förderung warten, ja, bisher nicht einmal als Kulturorte im Baurecht anerkannt wurden, sondern nur als Kulturorte zweiter Klasse.
 
Da gibt es eine Förderung für „ausgewählte Musikprojekte aus den Bereichen Pop, Jazz, Indie sowie weiteren Genres“ - in der jüngsten Förderrunde wurden 54 der 97 Projekte, also die Mehrheit der Musiker:innen, „ohne Partnerunternehmen“ unterstützt - diese Musikprojekte haben also nicht einmal eine Plattenfirma oder einen Tourneeveranstalter. Naiv zu glauben, das wären alles DIY-Projekte mit großer Zukunftsperspektive im Underground jenseits der Musikindustrie. Realistischer ist es wohl, dass die Initiative Musik hier mit Staatsknete die Hobbys von Musiker:innen finanziert - „Mit der Förderung will ich mein Debütalbum veröffentlichen und musikalisch wie visuell den nächsten Schritt gehen“, lässt man einen Musiker verlauten. Wie schön - „musikalisch und visuell den nächsten Schritt gehen“, und wir alle dürfen das finanzieren…
 
Den Strukturen der Popkultur wird kontinuierlich die Unterstützung verweigert, stattdessen bekommen paar Clubs Almosen. 
Die soziale Absicherung von Musiker:innen wird von der Politik ignoriert, stattdessen erhalten einige ausgewählte Musiker:innen (abgenickt vom Verfassungsschutz?) kleine Förderbeträge. 
 
Aber eine strukturelle Kulturförderung verlangt Knowhow (kann man von Herrn Weimer natürlich nicht erwarten), eine langfristige Perspektive und den unbedingten Willen, die Akteure der Kultur abzusichern - und das sind neben Institutionen wie Clubs, Venues, unabhängigen Veranstalter:innen, Buchhandlungen oder Galerien auch die etwa 2 Millionen Kulturarbeiter:innen hierzulande, die weitgehend ohne soziale Absicherung und zum Großteil als Selbständige prekär oder in Kleinstunternehmen arbeiten und die auf eine Art Kulturexistenzgeld vergebens hoffen.
 
Den Buchhandlungen wie den anderen Kulturorten würde ein gesetzlicher Kulturraumschutz helfen: Eine Absicherung der Orte als solcher. 
Alle Kulturorte, gleich ob Club, Venue, Kulturzentrum, Buchhandlung oder Galerie, müssen erhalten bleiben. Kündigungen seitens der Vermieter ohne wirkliche Begründung (z.B. Nichtzahlung der Miete) dürfen nicht erlaubt werden. Darüber hinaus muss es auch eine Art wirtschaftlichen Schutz für die Kulturorte geben (Vorschlag: Mieterhöhungen maximal in der Größenordnung der Inflationsrate).
Eines der größten Probleme der meisten Kulturorte sind die drastisch überhöhten Mieten, die Hand in Hand mit zeitlich begrenzten Mietverträgen eine langfristige Arbeit der Kulturorte verhindern. Es schwebt ein permanentes Damoklesschwert über den Kulturorten, zusätzlich erschwert durch die von staatlicher und kommunaler Politik vorangetriebene und unterstützte Gentrifizierung.
 
Die geringen Förderungen durch Preisgelder für Clubs, Venues, Buchhandlungen und andere Kulturorte sind keine Kulturförderung, sondern faktisch eine Immobilienförderung: Mit den paar tausend Euros können die Kulturorte - wenn überhaupt - gerade einmal die aktuellen Mietsteigerungen abfedern. Die staatlichen Preisgelder landen letztlich in den Kassen der Immobilienbesitzer (häufig sind das Immobilienkonzerne).
 
Klar, das alles würde Arbeit machen. Da kann man sich nicht alljährlich bei aufwendigen Preisverleihungen und Zeremonien als Kulturförderer feiern lassen, sondern da müsste man seinen Job machen. Stattdessen, seit Jahr und Tag und vom aktuellen Kulturstaatsminister noch verstärkt: strukturelle legislatorische Faulheit.
 
Statt wirklicher und wirksamer Kulturpolitik erleben wir barocke, neofeudale Preisverleihungen, die wenig Arbeit machen und den schönen Nebeneffekt haben, dass das Staatsministerium samt Minister und Kulturfunktionär:innen öffentlichkeitswirksame Auftritte absolvieren können. 
 
Solange sich die Kulturpolitik in neofeudalen Preisverleihungen erschöpft, dürfen wir uns nicht wundern, dass diese misslungene Kulturförderung von einschlägigen Kultursparminister:innen und von überforderten Amtsträgern mit einer reaktionären Agenda missbraucht wird. Es sind die Strukturen, die zu ihrem Missbrauch einladen. Es sind die neofeudalen Strukturen einer sich in Preisverleihungen ergehenden Kulturfördermaschinerie, die die Weimerschen Machtgesten erst ermöglichen.
 

06.04.2026

Popgipfelchen im Kanzleramt

Die Fortsetzung seines „Popgipfels“ nannte der Kulturstaatsminister dann nur noch eine „Gesprächsrunde mit Vertreter:innen von Musiklabels“ im Kanzleramt.
Das Gespräch fand natürlich hinter verschlossenen Türen statt, insofern konnte Weimer auf seiner täglichen Reise durch sämtliche bereitstehende Fettnäpfchen diesmal nicht verunglücken; jedenfalls konnte kein neuerliches Ungeschick verzeichnet werden.
 
Dafür gelang dem Kulturstaatsminister ein Bild mit hohem Symbolcharakter:

 (Foto: BKM, Photothek, Trutschel, via Musikwoche.de)
 
Der „Windbeutel“ als Strahlemann im Zentrum, eingerahmt vom Deutschland-Chef des weltgrößten Plattenkonzerns und vom obersten deutschen Musikindustrie-Funktionär.
An den beiden Rändern dann gedrängt die Vertreter der kleineren Plattenfirmen und einiger ausgewählter Indies. 
Das Foto spricht Bände über das, was Kulturstaatsminister Weimer repräsentiert.
 
Dazu die altbekannten Worthülsen, die so auch schon seine Vorgängerin abgesondert hat:
„Wir brauchen eine faire Vergütung und mehr Transparenz und im Musikstreaming."
Transparenz ist ja immer gut. Wie wäre es, die Tonträgerkonzerne würden als ersten Schritt veröffentlichen, welche Anteile ihrer Streamingeinnahmen sie an die Musiker:innen auszahlen?
 
Man kann den legendären Radiomann John Peel nicht oft genug zitieren, der klarsichtig die Rolle der Plattenfirmen beschrieben hat:
 
„Die großen Plattenfirmen haben nie so getan, als seien sie zu etwas anderem da, als möglichst viel Geld zu verdienen, von dem sie den Musikern möglichst wenig abgeben. Sie sind Investitionsapparate.“
 
Darüber, auf wessen Seite Wolfgang Weimer steht, braucht man sich jedenfalls keine Illusionen zu machen.
 

06.04.2026

DJ Hell erzählt von einem Major-Signing

Apropos Tonträgerkonzerne:
In der „Frankfurter Rundschau“ hat Helmut Geier alias DJ Hell im Dezember von seinen Erlebnissen als Förderer der Band Fischerspooner berichtet, und wie das Major-Signing deren Karriere behindert hat:
 
„Es war ein massiver Impact, eine Sensation. Dann kam schnell das Major-Label Ministry of Sound, die haben das Album noch mal released, das ich schon rausgebracht hatte – und wollten daraus einen Top-Ten-Act machen, was nicht funktioniert hat. Die haben viel Geld hingelegt, Fischerspooner eingeflogen – damals noch mit der Concorde von New York über Paris nach London, nur zur Unterzeichnung des Vertrags, abends zurück. So hat man das damals gemacht. Das war wahrscheinlich das überzeugendste Argument: „Kommt doch am Nachmittag vorbei zum Signing, abends seid ihr wieder zum Abendessen in New York.“ Ich wusste aber: Wenn die beim Major unterschreiben, ist das der Anfang vom Ende – und genauso ist es gekommen. Das habe ich ihnen auch gesagt: Die werden euch nicht so pushen und promoten und frei laufen lassen wie ich.“
 

06.04.2026

Und was macht Live Nation gerade so?

Und was macht Live Nation gerade so? Der weltgrößte Livemusik-Konzern?
 
Mit der Trump-Regierung hat man sich Anfang März auf einen „Deal“ geeinigt: Die Abspaltung des Ticketing-Bereichs, also Ticketmaster, vom Mutterkonzern ist jetzt plötzlich vom Tisch. Dafür hat Live Nation zugesichert, die eigenen Venues für alle Veranstalter zu öffnen und ihnen zu erlauben, 50 Prozent der Tickets über eine andere Plattform als Ticketmaster anzubieten.
Die Gebühren für den Ticketverkauf werden nun auf 15 Prozent begrenzt. Wohlgemerkt: das gilt nur in den USA. Im Rest der Welt kann der US-Konzern nach wie vor schalten und walten, wie er will. Die Biden-Regierung hatte Live Nation 2024 u.a. wegen der wettbewerbswidrigen Nutzung seiner marktbeherrschenden Stellung angeklagt. Das Justizministerium hat diese Klage unter Trump zunächst weiterverfolgt. Letzten Monat jedoch hat Trump den obersten Kartellrechtschützer, Gail Slater, entlassen, der etliche der Klagen gegen Monopole aus der Biden-Administration weiter vorangetrieben hatte. Wie die „Financial Times“ (FT) berichtet, könnte die Entlassung des obersten Kartellwächters eine Abkehr von einer strengen Durchsetzung des Kartellrechts nach sich ziehen.
 
Bei der „FT“ war auch zu lesen, dass Live Nation mittlerweile Trumps ehemalige Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway als Beraterin engagiert hat. Außerdem ist seit langem bekannt, dass führende Live Nation-Manager zu Trumps Unterstützern gehören; so hat Greg Maffei (seinerzeit Präsident von Liberty Media, dem Mehrheitsaktionär von Live Nation, und Vorsitzender des Board of Directors von Live Nation) schon 2017 bei der ersten Amtseinführung Donald Trumps 750.000 US-$ gespendet. Bei der zweiten Inauguration Trumps spendete Live Nation 500.000 US-$.
Im Mai 2025 berief Live Nation Richard „Ric" Grenell, einen engen Vertrauten Trumps, in seinen Aufsichtsrat — genau in dem Moment, als das Unternehmen sich auf den Kartellrechtsstreit mit dem Justizministerium vorbereitete. Grenell ist kein unbeschriebenes Blatt: Er diente als amtierender Director of National Intelligence (2020), als US-Botschafter in Deutschland (2018–2020) und bekleidet aktuell den Posten des Präsidenten des Kennedy Center for the Performing Arts, das Trump bekanntlich unter seine Kontrolle gebracht hat und das neuerdings im Trump-Sprech offiziell „Trump Kennedy Center“ heißt.
 
Unlängst hat Live Nation die Geschäftszahlen für 2025 veröffentlicht: Der Umsatz des Konzerns stieg auf 25,2 Milliarden US-$ (fast zehn Mal so viel wie der des deutschen CTS Eventim-Konzerns 2024), der Betriebsgewinn (Operating profit) belief sich auf 1,3 Mrd. US-$, der Nettogewinn (Net profit) betrug gerade einmal 0,7 Mrd. US-$, also 3 Prozent. „Live Nation’s profits remain surprsingly thin“, kommentieren Marktbeobachter wie App Economy Insights LLC.
Natürlich ist das die Folge der sehr geringen Rendite der Konzertveranstaltungen, wo die Superstars extrem hohe Gagen kassieren. Geld verdient Live Nation hauptsächlich durch Ticketing (37% Gewinnmarge) und Sponsorship (64% Gewinnmarge).
 
Klar ist: Die Marktposition als Dominator des Imperiengeschäfts verdankt Live Nation weniger seinen Geschäftszahlen als vielmehr der Kontrolle des gesamten Live-Ökosystems.
Dazu passt die Nachricht, dass Live Nation die La Défense Arena in Paris gekauft hat, die größte europäische Konzerthalle.
Und Andreas Gabalier ist gerade zu Live Nation gewechselt - so kommt zusammen, was zusammen gehört…
 

06.04.2026

"Woman fighting to save Berlin's nightclubs" vs. Xjazz-Festival vor Aus

Kaum hat die altehrwürdige „The Times“ Berlins angesichts der CDU-Fördergeldaffäre reichlich angeschlagener Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson eine Art Ritterschlag verpasst und sie zur „Woman fighting to save Berlin’s nightclubs“ hochgejazzt (eine Weisheit, die die konservative britische Zeitung für sich allein hat), da wird sie aus dem Londoner Himmel aufs Berliner Pflaster zurückgeholt: Das renommierte Xjazz-Festival steht vor dem Aus.
 
Ursprünglich hätte die 12. Ausgabe von Xjazz - 2022 mit dem Deutschen Jazzpreis als „Festival des Jahres“ ausgezeichnet und seit Jahren ein kulturelles Highlight - im Mai 2026 stattfinden sollen. Nun musste das Festival abgesagt werden, weil die Berliner Kulturverwaltung laut „Tagesspiegel“ „bis zuletzt die Förderzusage verweigert und auch auf Nachfragen nicht reagiert hat“. Ein Armutszeugnis für die Berliner Kulturverwaltung unter Sarah Wedl-Wilson: „Der Ruf Berlins als Kultur-Metropole könnte durch die Absage ernsthaft beschädigt werden.“
 
Peinlich, peinlich.
 
Andrerseits hätte ich da einen Tipp für die Festivalmacher:innen: Einfach mal mit Berlins Polit-zzz Christian Goiny (CDU), dem haushaltspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, in einen Griechenlandurlaub fahren. Dann läuft das schon. Und die Kohle kann sogar ohne fachliche Prüfung vergeben werden.
Falls es dennoch haken sollte, wird Goiny die Kultursenatorin schon angemessen unter Druck zu setzen wissen, so in der Art: „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo jeder Tag Deiner Nicht-Entscheidungen anfängt, öffentlich nicht mehr zu verbergenden politischen Schaden anzurichten.“
Notfalls kann man immer noch einen Mitarbeiter Goinys oder eine seiner Parteifreund:innen in den Vorstand des Festivals berufen, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen…

06.04.2026

Ballett-Sturm in Piccolo-Gläschen

Niedlich, wie eine nebenher gemachte Bemerkung Timothée Chalamets im Jahr 2026 immer noch die Feuilletonisten unterschiedlichster Couleur aufregt.
Er würde „niemals in der per oder im Ballett arbeiten“, so der Schauspieler, weil das einfach „keinen interessiert“.
Und schon kam es zum erwartbaren Sturm in allen Piccolo-Gläschen und Mate-Flaschen.
 
Was waren das noch Zeiten, als Pierre Boulez im „Spiegel“-Interview 1967 gefordert hatte: „Sprengt die Opernhäuser in die Luft!“
Sowohl, was die Forderung und Intention angeht, als auch die Reaktion.
Tempora mutantur.
 

06.04.2026

Praktika in Sternerestaurants und in der Musikindustrie

Das Kopenhagener Sternerestaurant Noma gilt als eines der besten Restaurants der Welt.
Nun hat der Chef des Gastrotempels für einen Skandal gesorgt. Er habe seine Angestellten drangsaliert und bedroht, teilweise sogar physischer Gewalt ausgesetzt.
 
Und: Im Noma waren unbezahlte Praktika wohl die Regel. Wie übrigens auch in der Musikindustrie, und da auch bei etlichen der großen Konzerne.
 
In bewundernswerter Offenheit hat der Berliner Sternekoch und Betreiber des Restaurants „Noibelhart & Schmnutzig“ zu dem Skandal Stellung genommen:
„Ausbeutung ist in der Regel Teil des Geschäftsmodells“, schreibt Wagner. „Schon die ‚normale‘ Gastronomie kalkuliert häufig mit unbezahlten Überstunden. Die Hochküche tut dies ebenfalls und ergänzt dieses Modell dann noch durch etliche unbezahlte Praktikant:innen. (…) Warum sich gerade junge Menschen dennoch für unbezahlte Praktika in entsprechenden Sternerestaurants entscheiden? Anerkennung, Leidenschaft, Ambition, die Station auf dem CV… Aber eben auch die Tatsache, dass sich derartige Missstände moralisch erstaunlich elegant als Charaktertest umdeuten lassen. Die harten, entbehrungsreichen Lehrjahre, die eigene, famose Arbeitsethik gelten als Eintrittskarte in die Riege der großen Meister (…) Wer nicht unbezahlt arbeiten will oder kann, meine es nur nicht ernst genug.“
 
Das Nobelhart & Schmutzig hat auf diese untragbare Situation schon vor Jahren mit einem „Guide of Conduct“ reagiert. 
Wie gesagt, auch in der Musikindustrie, ob bei Plattenfirmen oder Veranstaltern, sind unbezahlte Praktika eher die Regel als die Ausnahme. 
Höchste Zeit, dass sich auch die Firmen der Musikindustrie einen „Guide of Conduct“ auferlegen und für faire Arbeitsbedingungen sorgen.
 

06.04.2026

Künstlerin nimmt sich selbst unter Vertrag

Lustig:
Mit ihrer eigenen Booking-Agentur All Excess Agency will eine DJ und Produzentin laut „Musikwoche.de“ „patriarchale Strukturen in der Technoszene aufbrechen“. 
„Als erste Künstlerinnen nimmt sie sich selbst (…) unter Vertrag.“ 
Hübsche Idee eigentlich. Vielleicht nehme ich mich auch irgendwann selbst unter Vertrag, allein schon, um die Strukturen in der Konzertszene aufzubrechen.
Genre? Noch offen.
 

06.04.2026

„Meisterdenker": Wolfram Weimer will alles richtig machen...

Einmal wollte Wolfram Weimer alles richtig machen, und er würdigte den verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas als „Meisterdenker“.
Allein: Markus Joch, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Keio-Universität Tokio, musste dem Kulturstaatsminister auf „X“ erklären:
 
„Meisterdenker‘ ist bekanntlich ein Begriff, den A. Glucksmann ironisch prägte, um hegelianischen Theoretikern Größenwahn nachzusagen. ‚Würdigt‘ Weimer Habermas als ‚Meisterdenker‘, weiß er mal wieder nicht, was er redet.“
 
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
 

07.03.2026

"German House" auf der SXSW absagen!

Presseerklärung

Ich fordere die Initiative Musik (die laut Eigenaussage „zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft“) sowie die anderen Organisationen und Institutionen, die am „GERMAN HOUSE“ bei der SXSW Austin vom 12. bis 16. März 2026 beteiligt sind, auf, das „GERMAN HOUSE“ auf der diesjährigen SXSW aus politischen Gründen abzusagen.
 
Die politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Situation in den USA hat sich seit Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps dramatisch verschlechtert. 
Die „ICE“, eine Art persönliche und sich nicht an Recht und Gesetz haltende SA des Präsidenten, spürt mit allen Mitteln aktueller Überwachungstechnologie massenhaft Migrant:innen auf, steckt sie samt ihren Kindern in Internierungslager oder schiebt sie direkt in angebliche „Herkunftsländer“ ab, die diese Abgeschobenen häufig seit Jahrzehnten, mitunter sogar noch nie gesehen haben (siehe beispielsweise diese Geschichte im „Economist“).
 
„ICE is the American Gestapo“, erklärt der Schriftsteller Stephen King. 
Und der Schriftsteller T.C. Boyle nennt die USA zurecht einen „Polizeistaat“.
 
Die aktuelle Entwicklung in den USA mit all ihrem Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit, der Rechtlosigkeit von Minderheiten und der Unterschicht, aber auch von Oppositionellen, die sich Trump und seiner MAGA-Bewegung entgegensetzen (der Todesschütze von Minneapolis läuft frei herum und erhält vom Vizepräsidenten Immunität), erinnert gerade auch in ihrer Willkür fatal an Deutschland in den Jahren vor 1933. In den USA unter ihrem Präsidenten Trump entwickelt sich eine neue Form von Faschismus. 
Ich bin generell vorsichtig beim Verwenden dieses Begriffs, und natürlich wissen wir, dass sich Geschichte nicht wiederholt – aber es ist beileibe keine „Farce“, was sich in den USA gerade abspielt, sondern bittere Realität.
 
Hinzu kommt die skandalöse US-amerikanische Außenpolitik mit massiven Angriffen auf die Souveränität anderer Staaten (Venezuela! Grönland! Iran!), mit willkürlich erhobenen Zöllen gegenüber dem Rest der Welt, mit der Ignoranz gegenüber internationalen Organisationen und Institutionen und nicht zuletzt mit der Zerstörung des Klimaschutzes, indem Trump zuletzt CO2 für ungefährlich erklärt hat.
 
Die aktuelle Politik der USA ist nicht nur die Rückkehr zu einem von ihnen seit jeher gepflegten Imperialismus (selbst die konservative „Financial Times“ nennt Trumps Politik „Resource Imperialism“), sondern sie ist eine Politik, die aufgehört hat, den Nationalstaat oder einen internationalen Grundkonsens wie das Völkerrecht überhaupt noch als maßgeblichen Ordnungsrahmen zu akzeptieren. 
 
Es ist an der Zeit, gegen die menschenfeindliche Politik der USA unter Donald Trump Haltung zu zeigen, statt die Entwicklung des „land of the free“ hin zu Polizeistaat und Faschismus weiter zu ignorieren.
 
Natürlich wäre die Absage des „GERMAN HOUSE“ bei der SXSW nur eine symbolische Aktion – aber eine symbolische Aktion von großem Wert. 
Es geht hierbei nicht darum, dass einzelne Musiker:innen oder Messe-Teilnehmer:innen ihre Teilnahme an der texanischen Messe absagen – dies soll allen Einzelnen überlassen bleiben. Aber es geht darum, dass das weitgehend vom deutschen Staat – vor allem vom BKM und vom BMWE – geförderte GERMAN HOUSE nicht stattfindet. Damit würden die deutschen Musiker:innen und die deutsche Kreativwirtschaft ein starkes Zeichen der Solidarität setzen mit all denen, die aktuell in den USA gegen die reaktionäre Politik der Regierung kämpfen.
Damit würde das „GERMAN HOUSE“, um die Worte der Geschäftsführerin der Initiative Musik zu paraphrasieren, „eindrucksvoll zeigen, wie Musik, Innovation und Haltung zusammenkommen“ und ein entschiedenes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und polizeistaatliche Entwicklungen in der Welt setzen.
 
Übrigens hat Kanada letztes Jahr, bei der SXSW 2025, die Ausrichtung seines „Canada House“, das seit jeher einer der meistbesuchten Länderpavillons ist, aufgrund der politischen „Spannungen“ zwischen den USA und Kanada abgesagt. Und die grönländische Musikerin Nive Nielsen hatte aus Protest gegen Trumps Politik ebenfalls bereits 2025 kurzfristig ihren Auftritt bei der SXSW gecancelt. „Sag mir, wo du stehst, welchen Weg du gehst…“
 
Wollen deutsche Musiker:innen und Menschen aus der Kreativwirtschaft wirklich im „GERMAN HOUSE“ Parties feiern, „Export the Rave“ zelebrieren, „tanzbare Beats“ performen und eine „Berlin Music Night“ veranstalten, während die ICE auf den texanischen Straßen Migrant:innen jagt, während Eltern vor den Schulen Wache stehen, um ihre Kinder vor Trumps ICE-Maskenmännern zu beschützen, und während Demonstrant:innen ihr Leben aufs Spiel setzen, um gegen Trumps Politik zu protestieren (siehe Minneapolis)?
 
„One World? Rethinking Cosmopolitanism“ lautet der Titel einer Veranstaltung im „GERMAN HOUSE“ auf der SXSW, Untertitel „Symbolische Praktiken für globale Zugehörigkeit“.
Mit der Absage des „GERMAN HOUSE“ könnte eine wirkliche symbolische Praxis demonstriert werden, statt nur davon zu labern.
 
Für die Absage des „GERMAN HOUSE“ auf der SXSW 2026 jetzt!
 
(Disclaimer:
Ich habe seit 1995 ca. 12-mal an der SXSW in Austin teilgenommen, die in den 90er, aber auch in den frühen 2000er Jahren eine der wichtigsten Musikmessen weltweit war; mittlerweile steht der später hinzugekommene „Tech“-Teil im Mittelpunkt der Messe. Die „Musik“ ist noch hinter dem „Film“ an den Rand gerückt.
Ich war 2025 auf der SXSW. Auch für dieses Jahr habe ich einen „Platinum Pass“ erworben, den ich aus den oben geschilderten politischen Gründen jedoch verfallen lassen werde.)
 

07.03.2026

Musiker:innen mit Rückgrat?

Wichtig ist mir, dass dieser Aufruf sich gegen die Ausrichtung des „GERMAN HOUSE“ richtet, nicht aber gegen die individuelle Teilnahme von Musiker:innen oder Messebesucher:innen an der SXSW. Die Entscheidung, ob sie angesichts der aktuellen Lage in den USA nach Austin fahren wollen, sollten alle individuell für sich beantworten.
Und auch, ob sie tatsächlich bereit sind, die extrem weitgehenden Einreiseformalitäten zu akzeptieren, die es so nicht einmal in Nordkorea gibt (u.a. Offenlegung aller Social-Media- und Email-Konten, aller Telefonnummern, detaillierte Informationen über alle Familienmitglieder).
 
Natürlich wünsche ich mir, dass möglichst viele Künstler:innen angesichts der aktuellen US-Politik Rückgrat bewahren und nicht in die USA reisen. Der BR-"Zündfunk" hat über das "German House" auf der SXSW und meinen Aufruf ausführlich berichtet. Die Initiative Musik war zu keiner Stellungnahme bereit, was Bände spricht.
Aber auch keine einzigen der 16 Musiker:innen und Bands, die von der Initiative Musik ins "German House" eingeladen wurden, waren gegenüber dem BR zu einer Stellungnahme bereit - sie hatten Angst, die Förderung der deutschen Initiative Musik zu verlieren, oder keine US-Einreisegenehmigung zu erhalten.

Ein Klima der Angst, gefördert von deutschen Regierungsinstitutionen und der deutschen Musikwirtschaft...

Mittlerweile hat allerdings die Rapperin Ikkimel ihren Auftritt bei der SXSW aus politischen Gründen abgesagt. Geht doch!
Hier im "Standard" vom 7.3.2026:

Es gibt eben noch Musiker:innen mit Rückgrat. "Haltung" muss auch für Musiker:innen keine Fremdwort sein.

Übrigens haben die US-amerikanischen Musiker:innen, mit denen ich über diesen SXSW-Boykott gesprochen habe, ausnahmslos geäußert, dass sie einen derartigen Schritt begrüßen, ja, dass sie im Grunde von uns ein entsprechendes Verhalten sogar erwarten.
 
Etliche US-amerikanische Musiker:innen haben übrigens zuletzt das „Trump Kennedy Center“ in Washington boykottiert und werden dort nicht mehr auftreten, solange Trump als dessen Vorsitzender agiert, unter anderem Renée Fleming, Ben Folds, Rhiannon Giddens, Philip Glass oder die Washington National Opera.
 
Die Wiener Philharmoniker und Andris Nelsons dagegen, in the meantime:

 

07.03.2026

No one is illegal on stolen land!

(Maggie Thompson and other artists holding signs in MInneapolis that spell out “no one is illegal on stolen land” on January 23, 2026)
Image courtesy Maggie Thompson and Makwa Studio)
 
Es ist vermutlich an der Zeit, wieder einmal den Song „Big Drill“ der großartigen Bedlam Rovers zu hören…
 

07.03.2026

ICE, Neil Young & Musikrechte-Monopoly

Natürlich, es ist wirklich nicht einfach, im kapitalistischen Realismus unserer Tage Haltung zu zeigen. 
Unlängst war zu hören, dass der große Neil Young seinen Songkatalog von Amazons Musik-Streamingdienst abgezogen hat, aus Protest gegen dessen Besitzer Jeff Bezos und seine unaufhörliche Unterstützung der Politik Donald Trumps:
“The president’s international policies and his support of ICE make it impossible for me to ignore [Bezos’] actions.“
 
Gut gebrüllt, Neil Young!
 
Allein, wenn von seinem „Songkatalog“ die Rede ist – was ist denn da genau gemeint?
Die 50 Prozent, die dem Künstler noch gehören? Denn die anderen 50 Prozent, also die Rechte an Texten und Kompositionen von 1.180 Songs, hat Neil Young ja Anfang 2021 für geschätzte rund 150 Millionen Dollar an den britischen Fonds Hipgnosis verkauft.
 
Nach einem heftigen Einbruch des Börsenwerts wurde Hipgnosis 2024 von Blackstone aufgekauft, einem umstrittenen Private-Equity-Riesenkonzern, in dessen Unternehmen „Packers Sanitation Services Inc“ es zu systematischer Kinderarbeit gekommen ist, wie die „Washington Post“ aufdeckte. 
Im Mai 2025 wiederum hat Blackstone sein komplettes Song-Publishing- und Verwaltungsgeschäft, inklusive der Neil Young-Songs als Kernbestand dieses Portfolios, an Sony Music Publishing verkauft. Musikrechte-Monopoly…
 

07.03.2026

Boykottaufrufe und Moral

Nicht so einfach, wenn man heutzutage Boykottaufrufe starten will.
Ich denke auch an den wohlfeilen Aufruf zum Spotify-Boykott (wieder mal…), den die US-Graswurzelbewegung „Indivisible Project“ initiiert hat und der von Bands wie Massive Attack, Sylvan Esso oder auch dem Label Epitaph Records unterstützt wird.
Grund ist, dass das US-Heimatschutzministerium im Jahr 2025 rund 74.000 Dollar für ICE-Rekrutierungsanzeigen auf Spotify ausgegeben hat – Werbung, die auf den kostenlosen Spotify-Benutzerkonten in den USA ausgespielt wurde.
 
Ist ja auch wirklich scheußlich.
Man würde die Proteste allerdings etwas ernster nehmen können, wenn sich der Boykottaufruf auch gegen YouTube und Facebook richten würde, die für derartige ICE-Anzeigen wesentlich mehr Geld von der US-Regierung erhalten haben.
 
Aber welche Musiker:innen wollen schon freiwillig auf ihre hübschen YouTube-Videos verzichten? Genug der Haltung, wenn man gegen den All-time-Devil Spotify agitiert – und seine eigenen YouTube-Videos weiter von ICE-Rekrutierungsanzeigen einleiten lässt…
 
„Moral: das ist, wenn man moralisch ist (…)
Es ist ein gutes Wort.“
(aus: Alban Berg, Wozzeck, nach Georg Büchner)
 

07.03.2026

Hard Times

Bei seinen gefeierten Konzerten der Tournee im Januar und Februar 2026 hat Daniel Kahn den Song „Daless (Hard Times)“ mit der Bemerkung eingeleitet, er würde das Lied „Hard Times Come Again No More“ für den vermutlich traurigsten amerikanischen Song überhaupt halten.
 
Dieser Parlor-Song („Salonlied“) „Hard Times Come Again No More“ wurde von Stephen Foster geschrieben und 1854 veröffentlicht; 1905 wurde er für die Edison Manufacturing Company erstmals auf Wachs aufgenommen. Bis heute wurde er unzählige Male eingespielt, u.a. von Jennifer Warnes, Dolly Parton, Emmylou Harris, Bob Dylan, Nancy Griffith , Bruce Springsteen, Johnny Cash (auf „Redemption Songs“, Teil der „Unearthed“ Box) – und eben von Daniel Kahn und seinen Gefährten Jake Shulman-Ment und Christian Dawid.
 
Auf meiner unendlichen Spotify-Playlist „BS Open“ habe ich etliche Versionen des Songs zusammengestellt – hier klicken und dann fast ganz nach unten scrollen!
Ich bitte zu berücksichtigen, dass ich nicht alle dieser Versionen für gleich gelungen halte; mir kam es hier auf einen möglichst vollständigen Querschnitt an. 
Daniel Kahns Version allerdings ist unbestritten einer meiner Favoriten.
 

Seiten