30.03.2022

Pandemie-Gewinner: CTS Eventim AG erhält 157 Millionen Euro Bundeshilfen!

In der Konzertbranche gibt es nicht nur Pandemie-Verlierer, es gibt auch Corona-Profiteure. Zu den größten Corona-Profiteuren gehört der deutsche Quasi-Konzert- und Ticketing-Monopolist, die CTS Eventim AG.
Vor Corona, im Geschäftsjahr 2019, konnte CTS Eventim bei einem Jahresumsatz von über 1,44 Milliarden Euro ein normalisiertes EBITDA (also einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von über 286 Millionen Euro verzeichnen. Ende März 2022 hat CTS Eventim nun seine Geschäftszahlen für das zweite Corona-Jahr 2021 veröffentlich, und man höre und staune: Bei einem Jahresumsatz von nur noch 407,8 Millionen Euro konnte der Großkonzern mitten in der Pandemie ein normalisiertes EBITDA von sage und schreibe 208 Millionen Euro verzeichnen – mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes als Gewinn!
Wie geschieht so etwas?
Ganz einfach: Der Bundesregierung sei Dank! Denn „darin sind als größter Block rund 157 Millionen Euro an Corona-Hilfen enthalten, die von der deutschen Bundesregierung beschlossen worden waren“, wie CTS Eventim in einer Pressemitteilung verlauten lässt.
Der größte Batzen sind 102 Millionen Euro an November- und Dezemberhilfen, bei denen Finanzminister Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) in ihrer unendlichen Weisheit eine Deckelung beziehungsweise eine Zweckbindung „vergessen“ hatten und pauschal 75 Prozent des Vor-Corona-Umsatzes in den Vergleichsmonaten ausgezahlt haben (zu den Details siehe mein Artikel auf „Zeit Online“).
Die Musiker:innen und Kulturarbeiter:innen mussten in die Röhre schauen und sich mit zu weiten Teilen unzureichenden Hilfen oder der Grundsicherung zufrieden geben.
Die Fans waren undank der unseligen „Gutschein“-Regelung gezwungen, den Veranstaltern mit ihren Ticketkäufen zinslose Kredite zu gewähren, und wenn ihre Tickets doch mal erstattet werden, dann behalten CTS Eventim (und auch andere Ticketingfirmen) ihre Vorverkaufs- und Bearbeitungsgebühren einfach ein.
Aber der größte deutsche Konzert- und Ticketingkonzern erhält allein in einem Geschäftsjahr 157 Millionen Hilfen von der Bundesregierung…

 

30.03.2022

Spice Girls go Lego

Die Spice Girls haben „Künstler-Koops“ mit McDonalds nicht mehr nötig.
Sie sind so bekannt, dass es sie nun sogar als Lego-Figuren gibt:

Am 1.März ist das „Lego BrickHeadz Spice Girls Tribute Set" mit Emma, Geri, Mel B, Mel C und Victoria zum Zusammenbauen erschienen, und am 5. März stieg laut „Musikwoche.de“ im Berliner Flagship-Store von Lego ein „Celebration Weekend“. Zu dumm, da hatte ich gerade keine Zeit, ich war noch mit dem Zusammenbauen der Lego-Figuren beschäftigt, denn es wollte sich einfach keine Ähnlichkeit mit Emma, Geri, Mel B, Mel C und Victoria einstellen…

 

30.03.2022

Musikphilosophie und Bachs verminderter Septakkord

Im Suhrkamp-Band „Perspektiven der Musikphilosophie“ sind ganz neue Erkenntnisse zu lesen:
„So ist es kein Zufall, dass Bach auf dem verminderten Septakkord, der stärksten Dissonanz seiner Zeit, abbricht, weil er die Auflösung verzögern möchte.“
Der verminderte Septakkord als „stärkste Dissonanz“ der Bach-Zeit? Really? Als nächstes wollen sie uns womöglich noch die kleine Terz als stärkste Dissonanz unserer Tage verkaufen… Musikphilosophie, aha!

 

30.03.2022

Stadt plant Musikfestival, will Musiker:innen aber keine Gagen bezahlen

Eine ganz spezielle Auffassung von Musiker:innen-Förderung hat die Stadt Meerbusch.
Am 11.Juni 2022 plant die Stadt unter dem sinnigen Titel „MeerMusik – Es werde Licht“ ein „für die Stadt bislang einmaliges Musikfestival“ mit rund 50 Open-Air-Konzerten.
„Menschen aus Meerbusch und Umgebung, mit Meerbuscher Wurzeln oder Kontakten, die sich professionell oder halbprofessionell mit Musik befassen, sind eingeladen, teilzunehmen und ihre Musik - ganz gleich ob Klassik, Rock, oder Pop - einem bunten Publikum zu präsentieren", heißt es in einem Aufruf der Stadt, wie Knut Schlinger auf „Musikwoche.de“ schreibt.
Einziger kleiner Haken dieser tollen Idee: „Gagen für die Künstler:innen sind in dem Konzept und bei einem Budget, das bei 11.000 Euro liegt, indes nicht vorgesehen.“ Die allermeisten der Auftritte seien für das Publikum kostenlos, „die Musikerinnen und Musiker sammeln lediglich Spenden im Publikum". Wohlgemerkt: Die Stadt Meerbusch, in der Nähe von Düsseldorf gelegen, kann laut Wikipedia das höchste durchschnittliche Jahreseinkommen aller Städte in NRW verzeichnen und gilt als „Stadt der Millionäre“.
Auf die heftige Kritik an der Gagenverweigerung reagierte die Stadtverwaltung: „Für die Kritik der Musikerinnen und Musiker, die seit zwei Jahren keine Auftritts- und Einnahmemöglichkeiten hatten, haben wir im Grundsatz natürlich Verständnis", heißt es in einer Erwiderung. „Den Grundgedanken des Konzerttages, der ehrenamtlich organisiert wird, deshalb in Frage zu stellen, wäre aber falsch." Schließlich habe die Veranstaltung „keinen kommerziellen Anspruch", vielmehr solle sie auch Musizierenden eine Chance geben, „die ansonsten wenige oder keine Auftrittsmöglichkeiten haben".
Tolle Message: Musiker:innen, ihr habt gefälligst für umme aufzutreten! Wenn euch das nicht passen sollte – wir haben für eure Lage „im Grundsatz“ und „natürlich“ Verständnis, aber seid gefälligst froh, dass ihr überhaupt eine Auftrittsmöglichkeit habt. Künstler:innen haben gefälligst arm zu sein und arm zu bleiben – am Ende wollt ihr noch eine Mindestgage, oder wie, oder was?!?

 

30.03.2022

Big Mac-Pop

Die Werbeagentur Scholz & Friends hat laut „Musikwoche.de“ die 19-jährige Mannheimer Musikerin Loi für einen Weihnachtsspot von McDonals engagiert:
„Loi passt mit ihrer kraftvollen Attitüde, ihrer Authentizität und dieser einzigartigen Stimme genau zur Story des Spots - aber auch zur Marke McDonald's", sagt Julian Krohn, Director Music & Audio Scholz & Friends Sounds: „Zusammen mit Felix Volk und dem starken Team von Sony Music Publishing Deutschland konnten wir diese Künstler-Koop im engen kreativen und vertrauensvollen Austausch umsetzen."
Auch Thomas Graumann, Director Licencing & Marketing GSA, Sony Music Publishing, freut sich, dass „die grossartige Künstlerin Loi den Song 'I Follow' für die emotionale Weihnachtskampagne von McDonalds in einer exklusiven weihnachtlichen Version aufgenommen hat."
Bei soviel Emotionen, kraftvoller Attitüde, Authentizität und engem kreativen und vertrauensvollem Austausch sage ich Loi eine ganz große Karriere voraus! Ob es zu mehr als einem Big Mac-Brötchen reicht, wird allerdings die Zukunft zeigen müssen…
 

 

30.03.2022

Kartoffelmusik

Alle Jahre wieder: die trostlosen Jahresbestenlisten hierzulande. Kaum artists of colour, praktisch kein US-HipHop (also die interessanteste und wichtigste Musik unserer Zeit souverän ignoriert), keine afrikanischen Acts (Ausnahme Jens Balzer), viel weißer Mittelschichtsrock und, damit einem ein bisschen ein wohliger Schauer über den Rücken laufen und man sich als aufgeschlossen präsentieren kann, auch paar Deutschrap-Acts, von Hafti bis Hayiti.
Kartoffelmusik. Macht doch mal die Fenster auf!

 

30.03.2022

Was Herbert Achternbusch sagt...

„…auch die Bretter vor dem Kopf können die Welt bedeuten!“
(Herbert Achternbusch, R.I.P.!)

 

02.01.2022

Was Herr Schwarz am 1.1.2022 um 00:01 Uhr 11 Sekunden verdient hat

Es war am 1.Januar 2022 um 00:01 Uhr und 11 Sekunden, als Dieter „Lidl“ Schwarz bereits so viel Geld eingenommen hatte, wie eine Arbeitnehmerin in Deutschland im Schnitt am Ende des Jahres 2022 verdient haben wird.
(aber das wird so schon seine tiefe Richtigkeit haben, denn der Markt regelt bekanntlich alles, und wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft, und da kann man davon ausgehen, dass Herr Schwarz eben in den ersten 71 Sekunden des Jahres schon so viel geleistet haben wird wie eine Arbeitnehmerin im ganzen Jahr…)
 

21.10.2021

Regenbogen

Aber wo bleibt das Positive?
Hier: Regenbogen über Berlin (21.10.2021)

21.10.2021

Gendern & Wohnungsbau

Aber durchs Gendern wird auch keine einzige Wohnung gebaut!

21.10.2021

Anstieg von Longstupid-Fällen

In der Coronära ist ein bemerkenswerter Anstieg von Longstupid-Fällen unter nicht mehr ganz so frischen Pop- und Rockstars sowie Schlagersternchen zu verzeichnen: Mal jenseits des notorischen Herrn Naidoo unter anderem Van Morrisson, Nena, Wendler oder der sowieso seit jeher rechtsradikalen und rassistischen Gedanken zuneigende Eric Clapton.
„99 Maskengegna / jeder war ein Fan von Nena…“ (geliehen von Anatol Stefanowitsch)
Während Til Schweiger darauf setzt, „lieber das Immunsystem zu optimieren“, hat „der Wendler“ im August eine „Letzte Warnung“ veröffentlicht: „Dr. Coldwell sicher: Im September sind fast alle Geimpften tot!“

Nun gibt es ja einige Schlaumeier, die denken, der Wendler habe Quatsch erzählt, denn es ist ja Oktober, und wir leben noch! Aber hallo, mal nachsehen: Steht da etwa eine Jahreszahl?!?
Seht ihr – der Wendler wird Recht behalten…

21.10.2021

Rettet dem Genitiv!

Rettet dem Genitiv!
Die Qualitätsmedien so:
„Die Welt ist wärmer dank seinen Songs.“ (NZZ)
„Mehr als tausend Corona-Tote binnen einem Tag.“ (Der Spiegel)
„Russland gedenkt Sieg über Nazideutschland mit großer Parade“ (Der Spiegel)
Oder Slavoj Žižek: „Trotz seinen gelegentlichen Fehltritten verdient Descartes also, dass man ihn feiert.“ (NZZ)
„Man kann nicht oft genug den Mann preisen, der sich Hölderlin annahm.“ (FAZ, in der „Frankfurter Anthologie“)
„Hass im Kommentarbereich – und wie Medien versuchen, dem Herr zu werden.“ (Meedia)
„ARTE gedenkt dem kürzlich verstorbenen Opernstar Christa Ludwig…“
Oder auch, bei den Münchner Kammerspielen: „Den Kammerspielen ist es ein Anliegen, den Mitarbeiter*innen des Hauses, die während der NS-Zeit ermordet wurden zu gedenken.“
Das Anliegen ist ehrenvoll, jetzt müsste das Theater nur noch eine Sprache beherrschen, um sein Anliegen zu kommunizieren… Da spende ich dann gerne auch noch ein Komma.

 

21.10.2021

It's a jungle...

„It’s like a jungle sometimes it makes me wonder how I keep from going under…”
(Duke Bootee/Grandmaster Flash & The Furious Five)

21.10.2021

Aber es ist nicht alles schlecht... Hilfsangebote & Golgotha Grüße

Aber es ist nicht alles schlecht.
Was wäre ich ohne all die Hilfsangebote aus allen möglichen Ländern, die mich die letzten Monate per Email erreicht haben:
„Hallo, Sie wurden ausgewählt, um eine Spende von 2.800.000,00 € von der Callum Foundation zu erhalten“ (aus den USA)
„Sie haben eine Spende von 2.000.000,00 €“ (aus Nigeria) „Hallo Meine Humantarian Stiftung hat sich entschieden, Ihnen 2,8 Millionen Euro zu spenden“ (aus den USA)
„Bin Herr Tom Christ. Ich spende einen Zuschuss von 10.500.000 USD an dich.“ (ich mag es, wenn die Leute gleich auf den Punkt kommen…)
Aber auch Hilfe zur Selbsthilfe, zum Beispiel:
„Verdienen Sie bis zu 75.000 in 7 Tagen“ (daran allerdings irritierend, dass die Währung fehlt – also, darauf falle ich natürlich nicht rein, am Ende geht’s um Türkische Lira…)
„Schneller Kredit ohne Gebühren“ (aus Frankreich)
Und sieh an: Auch Frau Maria Elisabeth Schaeffler, „Geschäftsführerin der Schaeffler Group“, ist an meinem Wohlergehen interessiert: Sie bietet mir „2.500.000.00 €“ an.
Nur mit dieser Mail kam ich nicht so richtig klar: „Gott segne dich, wie du dringend antwortest Liebes Kind Gottes Golgatha Grüße im Namen des Allmächtigen“ sendet mir eine Frau Ivan Thomas, die offensichtlich mit dem Allmächtigen in ziemlich direktem Kontakt steht. Aber mehr als Gottes Segen und Golgatha Grüße sind da nicht enthalten, von einem Spendenbeitrag steht da nichts. Wo, Frau Ivan Thomas, bleibt die Kohle?

07.10.2021

Auszeichnungen, Goldene Schallplatten...

Diviam Hoffmann und Klaus Walter haben dieses Jahr den „International Music Journal Award“ des Reeperban-Festivals in der Kategorie „Radio“ bekommen – gute Wahl, würde ich sagen! Aber ich kann sehr gut nachfühlen, wie Klaus Walter kommentiert: „Ausgerechnet für ein WDR-Feature zum 80. Geburtstag von Bob Dylan, such is life.“
Kommt mir bekannt vor: Die einzige „Goldene Schallplatte“, die ich jemals bekommen habe (Tourveranstalter und Konzertagenten erhalten meistens auch so’n Ding, wenn sie zur erfolgreichen „Kampagne“ beigetragen haben, so geht das Musikindustrie-Spiel…), war nicht für wirkliche Verdienste, also zum Beispiel dafür, als Europaagent Bands wie Tortoise, Lambchop oder Calexico mit groß gemacht zu haben, sondern ausgerechnet für Yann Tiersens „Amelie“-Soundtrack (weil ich die ersten Konzerte von Tiersen in D überhaupt veranstaltet habe) – „such is life“…
(diese goldene Schallplatte, hübsch eingerahmt, hing in meinem alten Büro aufm Klo und verstaubt im jetzigen Büro irgendwo unaufgehängt vor sich hin – wer sie haben will, kann sie gegen eine Spende von mindestens 100 Euro an medico international bekommen, I mean it!).
 

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