"German House" auf der SXSW absagen!
Presseerklärung
Ich fordere die Initiative Musik (die laut Eigenaussage „zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft“) sowie die anderen Organisationen und Institutionen, die am „GERMAN HOUSE“ bei der SXSW Austin vom 12. bis 16. März 2026 beteiligt sind, auf, das „GERMAN HOUSE“ auf der diesjährigen SXSW aus politischen Gründen abzusagen.
Die politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Situation in den USA hat sich seit Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps dramatisch verschlechtert.
Die „ICE“, eine Art persönliche und sich nicht an Recht und Gesetz haltende SA des Präsidenten, spürt mit allen Mitteln aktueller Überwachungstechnologie massenhaft Migrant:innen auf, steckt sie samt ihren Kindern in Internierungslager oder schiebt sie direkt in angebliche „Herkunftsländer“ ab, die diese Abgeschobenen häufig seit Jahrzehnten, mitunter sogar noch nie gesehen haben (siehe beispielsweise diese Geschichte im „Economist“).
„ICE is the American Gestapo“, erklärt der Schriftsteller Stephen King.
Und der Schriftsteller T.C. Boyle nennt die USA zurecht einen „Polizeistaat“.
Die aktuelle Entwicklung in den USA mit all ihrem Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit, der Rechtlosigkeit von Minderheiten und der Unterschicht, aber auch von Oppositionellen, die sich Trump und seiner MAGA-Bewegung entgegensetzen (der Todesschütze von Minneapolis läuft frei herum und erhält vom Vizepräsidenten Immunität), erinnert gerade auch in ihrer Willkür fatal an Deutschland in den Jahren vor 1933. In den USA unter ihrem Präsidenten Trump entwickelt sich eine neue Form von Faschismus.
Ich bin generell vorsichtig beim Verwenden dieses Begriffs, und natürlich wissen wir, dass sich Geschichte nicht wiederholt – aber es ist beileibe keine „Farce“, was sich in den USA gerade abspielt, sondern bittere Realität.
Hinzu kommt die skandalöse US-amerikanische Außenpolitik mit massiven Angriffen auf die Souveränität anderer Staaten (Venezuela! Grönland! Iran!), mit willkürlich erhobenen Zöllen gegenüber dem Rest der Welt, mit der Ignoranz gegenüber internationalen Organisationen und Institutionen und nicht zuletzt mit der Zerstörung des Klimaschutzes, indem Trump zuletzt CO2 für ungefährlich erklärt hat.
Die aktuelle Politik der USA ist nicht nur die Rückkehr zu einem von ihnen seit jeher gepflegten Imperialismus (selbst die konservative „Financial Times“ nennt Trumps Politik „Resource Imperialism“), sondern sie ist eine Politik, die aufgehört hat, den Nationalstaat oder einen internationalen Grundkonsens wie das Völkerrecht überhaupt noch als maßgeblichen Ordnungsrahmen zu akzeptieren.
Es ist an der Zeit, gegen die menschenfeindliche Politik der USA unter Donald Trump Haltung zu zeigen, statt die Entwicklung des „land of the free“ hin zu Polizeistaat und Faschismus weiter zu ignorieren.
Natürlich wäre die Absage des „GERMAN HOUSE“ bei der SXSW nur eine symbolische Aktion – aber eine symbolische Aktion von großem Wert.
Es geht hierbei nicht darum, dass einzelne Musiker:innen oder Messe-Teilnehmer:innen ihre Teilnahme an der texanischen Messe absagen – dies soll allen Einzelnen überlassen bleiben. Aber es geht darum, dass das weitgehend vom deutschen Staat – vor allem vom BKM und vom BMWE – geförderte GERMAN HOUSE nicht stattfindet. Damit würden die deutschen Musiker:innen und die deutsche Kreativwirtschaft ein starkes Zeichen der Solidarität setzen mit all denen, die aktuell in den USA gegen die reaktionäre Politik der Regierung kämpfen.
Damit würde das „GERMAN HOUSE“, um die Worte der Geschäftsführerin der Initiative Musik zu paraphrasieren, „eindrucksvoll zeigen, wie Musik, Innovation und Haltung zusammenkommen“ und ein entschiedenes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und polizeistaatliche Entwicklungen in der Welt setzen.
Übrigens hat Kanada letztes Jahr, bei der SXSW 2025, die Ausrichtung seines „Canada House“, das seit jeher einer der meistbesuchten Länderpavillons ist, aufgrund der politischen „Spannungen“ zwischen den USA und Kanada abgesagt. Und die grönländische Musikerin Nive Nielsen hatte aus Protest gegen Trumps Politik ebenfalls bereits 2025 kurzfristig ihren Auftritt bei der SXSW gecancelt. „Sag mir, wo du stehst, welchen Weg du gehst…“
Wollen deutsche Musiker:innen und Menschen aus der Kreativwirtschaft wirklich im „GERMAN HOUSE“ Parties feiern, „Export the Rave“ zelebrieren, „tanzbare Beats“ performen und eine „Berlin Music Night“ veranstalten, während die ICE auf den texanischen Straßen Migrant:innen jagt, während Eltern vor den Schulen Wache stehen, um ihre Kinder vor Trumps ICE-Maskenmännern zu beschützen, und während Demonstrant:innen ihr Leben aufs Spiel setzen, um gegen Trumps Politik zu protestieren (siehe Minneapolis)?
„One World? Rethinking Cosmopolitanism“ lautet der Titel einer Veranstaltung im „GERMAN HOUSE“ auf der SXSW, Untertitel „Symbolische Praktiken für globale Zugehörigkeit“.
Mit der Absage des „GERMAN HOUSE“ könnte eine wirkliche symbolische Praxis demonstriert werden, statt nur davon zu labern.
Für die Absage des „GERMAN HOUSE“ auf der SXSW 2026 jetzt!
(Disclaimer:
Ich habe seit 1995 ca. 12-mal an der SXSW in Austin teilgenommen, die in den 90er, aber auch in den frühen 2000er Jahren eine der wichtigsten Musikmessen weltweit war; mittlerweile steht der später hinzugekommene „Tech“-Teil im Mittelpunkt der Messe. Die „Musik“ ist noch hinter dem „Film“ an den Rand gerückt.
Ich war 2025 auf der SXSW. Auch für dieses Jahr habe ich einen „Platinum Pass“ erworben, den ich aus den oben geschilderten politischen Gründen jedoch verfallen lassen werde.)









