09.04.2020

Künstler! Macht euch zur Marke!

Die bedauerlicherweise wegen COVID-19 verschobene c/o pop Convention kündigt eine ganz besondere Veranstaltung an: Ein Josh Greenberg referiert zum Thema „Artists as brands“.
„Wie schafft man es als Künstler*in, aus der Masse herauszustechen und auf die eigene Musik aufmerksam zu machen? Indem man sich selbst zur Marke macht und konsequent ‚on brand‘ bleibt.“
Wirklich?
Interessantere und bessere Musik zu machen, ist offenbar keine Option…
Nur Egoselling, Selbstinszenierung und Marketing scheinen noch zu helfen. Und dann, in nicht allzu ferner Zukunft, wenn alle nur noch Marken und Brands sind, werden wir vielleicht auch wieder über ästhetische Fragen debattieren können und Konferenzen erleben, auf denen wichtige inhaltliche Themen im Mittelpunkt stehen.

 

09.04.2020

Zukunftsforscherei

Auch der sogenannte „Zukunftsforscher“ Matthias Horx hat sich zu Corona geäußert… ach, das wollen Sie jetzt gar nicht wissen, was der für seine präzisen Vorhersagen („Das Internet wird kein Massenmedium“, 2.3.2001, oder „Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden“, 9.7.2010) berüchtigte Horx so daherredet…

 

09.04.2020

Pflegekräfte sollen intensiv nachdenken!

In Springers „Welt“ gibt ein Schriftsteller namens Alain de Botton all den Pflegekräften, Supermarktkassierer*innen und Paketzusteller*innen einen guten Ratschlag:
Sie sollen doch „die Zeit der Isolation mit intensivem Nachdenken verbringen, um sich zu sortieren und zu begreifen (…) Die Welt wird wieder uns gehören, wir werden sie frei bereisen können.“
(zitiert laut „Perlentaucher“).
Ja, eigentlich bin ich auch der Meinung, daß die Pflegekräfte, Supermarktkassierer*innen und Paketzusteller*innen solange, bis sie endlich angemessen bezahlt werden, streiken und die gewonnene Zeit „mit intensivem Nachdenken verbringen“ sollten…

 

09.04.2020

Social distancing, Systemrelevanz

Laßt uns bitte nicht von „social distancing“ sprechen, das ist sprachlich wie inhaltlich furchtbar.
In diesen Zeiten kommt es im Gegenteil auf social solidarity an, bei gleichzeitigem physical distancing…
Und bei der Gelegenheit: „Systemrelevant“ sind wir alle. Jeder einzelne von uns!

 

09.04.2020

Immobilienentwickler? Pinguinmetzger!

Will man eigentlich Freunde haben, die sich „Immobilienentwickler“ nennen?
Dann doch lieber, um mit Martin Eimermacher zu sprechen, Leute, die „als Waffenhändler arbeiten oder in der Pinguinmetzgerei“…

09.04.2020

Nochmal zur Bon-Pflicht

Und nochmal zur Bon-Pflicht, diesmal durch den 2005 verstorbenen Komiker Mitch Hedberg:
“I bought a doughnut and they gave me a receipt for the doughtnut... I don't need a receipt for the doughnut. I give you money and you give me the doughnut, end of transaction. We don't need to bring ink and paper into this.”

09.04.2020

Wiglaf Droste sagt...

Mein letztes Jahr viel zu früh verstorbener Freund Wiglaf Droste hat mir immer wieder großzügig erlaubt, meist noch unveröffentlichte große kleine Texte, die er mir geschickt hatte, in diesem Rundbrief zu veröffentlichen. In seinem soeben erschienenen Gedichtband „Tisch und Bett“ stehen in Erinnerung an alte Zeiten, die ja auch einiges Gutes hatten, und in der Hoffnung auf neue Zeiten, die möglicherweise auch einiges Gutes haben werden, diese schönen Zeilen:

Behalten wir's im Auge, 
dass die Welt was tauge, 
dass aus der schönen, alten Erde 
wo möglich eine werde.

Und denkt dran: Es reicht nicht aus, auf den Balkonen oder im Bundestag rumzustehen und wahlweise für das dramatisch unterbezahlte medizinische und Pflegepersonal oder für die ebenso dramatisch unterbezahlten Supermarktkassiererinnen auf Töpfe zu klopfen oder Liedchen zu singen oder zu klatschen! Verbesserungen müssen erkämpft werden! Wenn das alles hier vorbei ist, müssen wir dafür sorgen, daß alle, die’s verdienen, faire Löhne und Gehälter bekommen. Und wir sollten nicht vergessen, wer (und welche Parteien) dafür gesorgt haben, daß es bisher und seit Jahrzehnten unseres Missfallens eben keine fairen Löhne und Gehälter gibt. Auf daß aus der schönen, alten Erde womöglich und wo möglich eine bessere, eben: eine werde!

30.03.2020

Klasse Satz in Zeiten von COVID-19

„Wenn Corona eines lehren sollte, dann das: Wir leben in einer unentrinnbar verflochtenen Welt und können uns durch Abschottung weder schützen noch der Verantwortung füreinander entledigen.“
Ramona Lenz auf „Medico.de“

30.03.2020

Adidas: Neues Geschäftsmodell in Zeiten der Coronära

Adidas verkauft in Coronära-Zeiten neuerdings Assiletten.

30.03.2020

Demo für Impffreiheit

Das „Netzwerk Impfentscheid“ hat Mitte März seine „Demo für die Impffreiheit“ abgesagt, weil sich „die Welt momentan im Coronahype“ befinde – diese erbärmlichen Feiglinge, um eine Ausrede nie verlegen!

30.03.2020

Immer gut & ausführlich die Hände waschen!

Und nicht vergessen: Immer gut und ausführlich die Hände waschen!

(Sowjetisches Poster, 1933)

30.03.2020

Julia Klöckner hat Humor

„Herrlich witzig, intelligenter Humor – auch wenn’s vielen nicht passt, ich find ihn gut: Dieter Nuhr gerade im Ersten.“
Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, über ein Thema, von dem sie offensichtlich auch nichts verste

25.03.2020

Corona-Impfstoff, Dietmar Hopp und medizinische Patente

Und wo dieser Tage alle plötzlich den tapferen Dietmar Hopp bejubelt haben, dessen Tübinger Firma Curevac (spricht man das eigentlich: „Cure? Fuck!“ aus?), die an Corona-Impfungen forscht, so tapfer den unmoralischen Trump-Millionen widerstand („Jetzt liegt es an Visionären wie Hopp, die nach Impfstoffen forschen lassen…“, Süddeutsche Zeitung, 17.3.2020) – es ist an Zynismus kaum zu überbieten, wenn Exklusivrechte an potentiell lebensrettenden Medikamenten durchgesetzt werden sollen! „Patente auf Medikamente sind leider kein neues Phänomen, aber bekommen im Kontext von COVID-19 nochmal besondere Brisanz“ (Julia Reda).
Die Regierung Costa Ricas hat die WHO aufgefordert, einen Rechte-Pool für mögliche Patente bei pharmazeutischen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu schaffen. Mögliche Medikamente müssen allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen!
 

25.03.2020

Tagebücher übers Homeoffice in Zeiten der Coronära sind auch keine Lösung!

Daß jetzt alle Schriftsteller*innen und Journalist*innen mit Tagebüchern über ihr Homeoffice-Dasein in der Coronära die Seiten der Tageszeitungen und Magazine vollschreiben, kann auch keine Lösung sein!
(mal ganz abgesehen davon, daß die meisten dieser Texte furchtbar banal und langweilig sind)

25.03.2020

Apollo Brown "Sincerely, Detroit" is best!

Liebe Musikjournalist*innen: Mir ein absolutes Rätsel, warum ihr Apollo Brown bei euren Jahresbestenlisten und Jahrescharts komplett ignoriert habt. Für mich ist „Sincerely, Detroit“ eines der allerbesten Alben des Jahres 2019 (neben Dina Ugorskajas Schubert-Einspielung).
Oder besprecht ihr grundsätzlich nur noch Alben, die euch von der Musikindustrie zugeschickt werden? Just asking – das ist keine Polemik, sondern eine Verständnisfrage.
(Antworten werden ggfs. auch unter Wahrung der Vertraulichkeit entgegengenommen)
 

 

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