31.10.2018

Grünen-Habeck dagegen, daß man die Unterschicht Unterschicht nennt

Der deutsche Lieblingsschwiegersohn, der Grünen-Politiker Robert Habeck, versucht, uns in einem „Spiegel“-Interview die Welt zu erklären:

„Wenn man von Unterschicht redet, sagt man, daß das keine vollwertigen Bürger sind, sondern irgendwie minderwertige.“

Das Problem ist also nicht, daß es Arme gibt, also das, was die Soziologen als Unterschicht bezeichnen, sondern, daß man die Unterschicht Unterschicht nennt. Dadurch macht man sie zu „minderwertigen Bürgern“. Interessant. Lassen Sie uns also bitte künftig nicht mehr von „Unterschicht“ reden – und, schwupps, gibt es keine Armen mehr hierzulande! Danke, Robert Habeck!

31.10.2018

Grüne mal für, mal gegen Rodung im Hambacher Forst

Habecks Co-Vorsitzende, Annalena Baerbock, war Anfang Oktober zur Großdemo zum Hambacher Forst geeilt und rief der Menge zu: „Das ist die größte Anti-Braunkohle-Demo, die es je gegeben hat. Das ist ein historischer Tag!“ Und die Anordnung des Oberlandesgerichts Münster, die Rodung des Hambacher Forsts zu stoppen, bejubelte Frau Baerbock mit den Worten, diese Entscheidung sei „Gold wert“. Die Grünen also nicht nur auf der Seite der Insekten („die Bienen würden grün wählen“, meint Frau Baerbock), sondern auch unverbrüchlich auf Seiten der Abholzungsgegner und Waldschützer.

Gut, daß die ein kurzes Gedächtnis zu haben scheinen. 2016 nämlich, als die Grünen in NRW noch zusammen mit der SPD regierten, stimmten sie einem Kompromiss zu, der vorsah, daß der Tagebau Inden und der Tagebau Hambach unverändert bleiben solle (dafür sollte im Tagebau Garzweiler etwas weniger Braunkohle abgebaggert werden als zuvor genehmigt). Die Grünen und die SPD hatten damit „RWE das Recht eingeräumt, in Hambach wie gehabt bis 2045 Braunkohle zu fördern und also auch weitere Teile des Hambacher Forsts zu roden“ („FAZ“).

31.10.2018

Fehlende Zähne, fehlendes Hirn

Es soll ja Menschen geben, die wegen fehlender Zähne nicht gerne den Mund aufmachen.
Was man von Menschen mit fehlendem Hirn leider nicht sagen kann...

31.10.2018

Revolverhelden und Condor: Liebe auf Distanz!

Liebe auf Distanz?

„Jeder achte Deutsche führt nach einer aktuellen Studie eine Fernbeziehung. Auch Johannes Strate, der Frontmann von REVOLVERHELD hat vier Jahre eine Fernbeziehung geführt.
Über die Schwierigkeiten einer solchen Beziehung handelt auch die neue Single Liebe auf Distanz, die die Band zusammen mit Antje Schomaker aufgenommen hat.“

Wenn man die deutsche Sprache beherrschen würde, könnte man vielleicht auch sagen, daß ein Lied von, nicht über die Schwierigkeiten handelt, und noch ein Komma herschenken, aber wollen wir nicht kleinlich sein, wenn die Sony Music Entertainment Germany GmbH ein Gewinnspiel ausrichtet, bei dem die Condor Flugdienst GmbH, die am Condor Platz in Frankfurt zuhause ist, Kooperationspartner ist.

Echte Revolverhelden eben.

31.10.2018

Wer liest deutsche Bücher im Ausland? Und wie sehr sind deutsche Verlage an chinesichen Büchern interessiert?

Eine interessante Statistik namens „Buchwerte – Wie geht es der deutschen Buchbranche wirklich?“ hat die „FAZ“ am 13.10.2018 veröffentlicht.
Darunter zum Beispiel: Wer liest deutsche Bücher im Ausland? Also: in welche Länder wurden 2017 wieviele Übersetzungslizenzen vergeben?
Auf Platz 1, mit gigantischem Vorsprung: China! 1.261 Lizenzen wurden nach China vergeben, weit mehr als doppelt so viele wie an die zweitplatzierte Türkei und fast dreimal so viele wie an Spanien und Rußland auf den Plätzen 3 und 4.
Die Chines*innen sind also extrem interessiert an deutscher Literatur, an deutschen Sach-, Kinder- oder Wissenschaftsbüchern (die Genres werden jeweils einzeln aufgeführt).

Und im Umkehrschluß – wie sehr sind deutsche Leser*innen und Verlage an China interessiert? Schlicht gar nicht. Übersetzungen aus dem Chinesischen sind so marginal, daß sie in der „FAZ“-Statistik gar nicht auftauchen (also geringer als die 0,7% aus dem Dänischen).
Das bedeutet im Klartext: Hierzulande ist man am vermutlich wichtigsten und ziemlich sicher spannendsten und interessantesten Land des 21.Jahrhunderts und an den dortigen Entwicklungen und Diskussionen schlicht nicht interessiert. Und wir werden die Bücher zum Beispiel von Wang Hui, laut „Time“ einer der 100 wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit, weiter auf englisch lesen müssen. Sie erscheinen bei Harvard Press, nicht aber bei irgendeinem deutschen Verlag. Hierzulande ist man sich selbst und seiner saturierten, selbstgefälligen Blase genug...

31.10.2018

Marx über Seehofer und Söder

Karl Marx übrigens schrieb bereits im Jahr 1853 hellsichtig über Herrn Söder und Herrn Seehofer, jeweils CSU (nämlich in seiner Artikelserie „Lord Palmerston“ in der „New York Daily Tribune“):

„Ist er auch als Staatsmann nicht jeder Aufgabe gewachsen, so doch als Schauspieler jeder Rolle. Das komische wie das heroische Fach, das Pathos und der familiäre Ton, die Tragödie wie die Farce liegen ihm gleich gut; die letztere mag seinem Gefühl allerdings besser entsprechen. (...) Er besitzt große Erfahrung, feinsten Takt, nie versagende Présence d'esprit, vornehme Schmiegsamkeit und ist der genaueste Kenner aller parlamentarischen Tricks, Intrigen, Parteien und Männer, so dass er die schwierigsten Fälle auf höchst elegante Art mit angenehmer Nonchalance zu behandeln versteht, indem er dabei auf die Vorurteile und die Empfänglichkeit seines Publikums spekuliert.

Seine zynische Frechheit schützt ihn vor jeder Überrumplung, seine selbstsüchtige Geschicklichkeit vor jedem Selbstverrat, seine große Frivolität, seine vollkommene Gleichgültigkeit, seine aristokratische Geringschätzung vor der Gefahr, jemals heftig zu werden. (...) Wenn er einen Gegenstand nicht beherrscht, so versteht er doch, mit ihm zu spielen. Und wenn ihm allgemeine Gesichtspunkte fehlen, so besitzt er dafür die nie versagende Fertigkeit, ein ganzes Gewebe aus eleganten Gemeinplätzen herzustellen.

Er ist nicht der Mann für großangelegte Pläne, weitschauende Entwürfe, er verfolgt keine großen Ziele, sondern verwickelt sich nur in Schwierigkeiten, um sich effektvoll wieder aus ihnen herauswinden zu können. Er braucht Komplikationen, um nicht untätig zu sein, und findet er sie nicht vor, so schafft er sie sich künstlich. Er schwelgt in Scheinkonflikten, in Scheinkämpfen mit Scheingegnern, in diplomatischen Notenwechseln, (...) bis sich endlich das ganze Getriebe in heftige Parlamentsdebatten auflöst, die ihm einen Eintagsruhm einbringen, der für ihn das ständige und einzige Ziel seiner Bestrebungen bildet.“

02.10.2018

Dynamo Dresden - finden Sie den Fehler!

Finden Sie den Fehler in der Unter-Überschrift der „Jungle World“:

„Seit dem 18- September heißt die Spielstätte von Dynamo Dresden wieder Rudolf-Harbig-Stadion. Die Mehrheit der Fans wollte es so, obwohl Harbig Mitglied von NSDAP und SA gewesen war.“

Genau, dieser Satz ist zweifelsohne wishful thinking – es muß „weil“ heißen, nicht „obwohl“...

29.09.2018

Wie viele Kuratoren werden fürs schnarchnasige Einheitskonzert benötigt?

Kennen Sie den? Wie viele Ostfriesen benötigt man, um eine Glühbirne in eine Deckenlampe einzusetzen? Genau.

Aber wie viele (übrigens ausschließlich männliche) Kuratoren benötigt die Senats-eigene Kulturprojekte Berlin GmbH für das Buchen eines an bräsiger Schnarchnasigkeit nur schwerlich zu unterbietenden Konzerts zum Tag der Deutschen Einheit „#1heit“ vor dem Brandenburger Tor mit Nena, Samy Deluxe, Patrice, Philipp Poisel, Namika u.a.?

Es sind, wie bei den Ostfriesen: ganze drei.

29.09.2018

Wenn dieser Herr Dr. Markus Söder Recht haben sollte...

Wenn, also wenn dieser Herr Dr. Markus Söder Recht haben sollte und „Bayern das Rückgrat Deutschlands ist“, dann ist Deutschland ein Land aus lauter Weichteilen.
Wie gesagt: wenn...

29.09.2018

Helmut-Schmidt-Journalistenpreis: "Das hier ist eine PR-Veranstaltung!"

Es ist kein Naturgesetz, daß man sich als Künstler*in, als Musiker*in oder beispielsweise als Mensch aus dem Mediengeschäft den Konsumkonzernen und Banken und Versicherungen und Autokonzernen und wie sie alle heißen bedingungslos unterwirft.

Nehmen wir beispielsweise die junge Autorin des „Süddeutsche Zeitung-Magazins“, Laura Meschede, die beim von der ING-Diba-Bank ausgerichteten und finanzierten „Helmut Schmidt Journalistenpreis“ für ihre Geschichte „Die Mensch-Maschine“ ausgezeichnet wurde. Dafür hatte sie mehrere Wochen bei „Amazon Mechanical Turk“ gearbeitet und die schlechte Bezahlung, den hohen Druck und die Einsamkeit der dort Beschäftigen aufgedeckt.
Mechanical Turk ist eine Crowdsourcing-Plattform und ein Tochterunternehmen des Tech-Konzerns, bei dem Menschen kleinteiligste Aufgaben übernehmen, die für Maschinen zu kompliziert sind. Es ist eine Geschichte, die die Zukunft der Arbeit skizziert und vor den negativen Seiten der zunehmenden Digitalisierung und künstlicher Intelligenz warnt – ein Thema, das Meschede intensiv verfolgt.“ („Meedia“)

Diese Recherche war der Jury des Schmidt-Preises eine Auszeichnung wert. Doch statt den Preis dankend anzunehmen, lehnte ihn die Journalistin ab. Aus Gründen der Glaubwürdigkeit: „Das hier ist eine PR-Veranstaltung, so viel ist klar”, stellte Meschede in ihrer „Dankes“-Rede fest. „Und deswegen stehe ich auch hier, um PR zu machen. Aber nicht für die ING Diba. Sondern für den Gedanken, dass es eine Alternative gibt, dazu, wie die Welt jetzt ist.”
„Wenn ich darüber schreibe, dass die Zukunft der Arbeit für tausende Menschen bedeuten wird, dass ihr Leben noch schlechter werden wird, als es sowieso schon ist, wenn wir dieses Wirtschaftssystem erhalten, dann kann ich nicht danach auf einer Veranstaltung mit den Vertretern ebendieser Politik und ebendieses Systems nett darüber plauschen. Sonst spiele ich genau dieses Spiel mit”,
so Meschede. Und: „Wenn ich das glaubwürdig tun will, dann kann ich mich nicht auf einer solchen Veranstaltung gemein machen mit der Politik und dann kann ich auch keinen Preis annehmen von einer Bank.”

Respekt, Laura Meschede!
Weniger kleinlich dürfte Peer „hätte hätte Fahrradkette“ Steinbrück (SPD) gewesen sein, der bei dieser Veranstaltung der ING-Diba eine vermutlich wie üblich üppig honorierte Rede hielt.
Die eine weiß, wie man das Wörtchen „Haltung“ buchstabiert, der andere hat davon noch nie etwas gehört.

21.09.2018

Wie gewinnt man die Indieaxt des VUT?

Und wie qualifiziert man sich zum Gewinn der „VIA Indieaxt“ des VUT, des Verbandes der unabhängigen deutschen Musikfirmen, für „besondere Verdienste für die unabhängige Musikbranche“?

Es geht so:

Nehmen wir an, Sie sind Religionspädagogin und sitzen für die Grünen im Europaparlament. Sie sind wegen homophober Äußerungen gegenüber einem CDU-Politiker unangenehm aufgefallen und müssen daher ihre Parteimitgliedschaft ruhen lassen. Aber so etwas stört den VUT nicht, die sind da nicht kleinlich.

Nun schreiben Sie in der „FAZ“ einen leidenschaftlichen Artikel zugunsten der Freiheit des Axel-Springer-Konzerns, zulasten der Journalist*innen und der Internet-Nutzer*innen möglichst große Profite machen zu können. In diesem Beitrag bezichtigen Sie die Gegner des EU-Urheberrechts eines „falschen Freiheitsbegriffs“. Denn Freiheit ist immer die Freiheit der Großkonzerne, so ungefähr haben Sie das von Rosa Luxemburg in Erinnerung.

Dann geben Sie der „taz“ ein Interview, aus dem deutlich wird, daß Sie vom Urheberrecht keine, aber auch wirklich gar keine Ahnung haben. Sie behaupten frank und frei, „daß rund die Hälfte der Europäer die Nachrichten des Tages bei Google News liest, also dort durch die Textanrisse scrollt, aber nicht auf die Links klickt. Dann ist doch klar, daß Anzeigenkunden eher bei Google werben, als auf Verlagsseiten.“ Unklar bleibt, ob Sie wissen, daß auf Google News gar keine Werbung geschaltet werden kann, oder ob Sie einfach lustige Fake News in die Welt setzen.

Damit der Eindruck der Ahnungslosigkeit vertieft wird, twittern Sie ein Foto Ihres FAZ-Gastbeitrags – denn daß so etwas illegal ist, falls das von Ihnen propagierte EU-Urheberrechtsgesetz Realität wird, weil Sie selbst als Autorin nicht die Leistungsschutzrechte an diesem Inhalt und Twitter wiederum diese Rechte nicht geklärt haben, das können Sie ja nicht wissen, Sie sind ja komplett ahnungslos.

Und schließlich stimmen Sie im EU-Parlament Hand in Hand mit der CDU, mit dem Front National-Nachfolger und einigen versprengten Abgeordneten von SPD und einigen anderen Alt-Grünen für die EU-Urheberrechtsreform.

Und schwupps, schon wird Ihnen in Anerkennung Ihrer nachweislichen Inkompetenz die „Indieaxt“ des VUT verliehen, Teil des „ersten und einzigen Kritikerpreis der unabhängigen Musikbranche“.

So einfach ist das.

Und was ist der Unterschied zwischen dem VUT, dem Lobbyverband der sogenannten unabhängigen Musikfirmen, und dem BVMI, dem Lobbyverband der deutschen Musikindustrie, also der Großkonzerne der Branche?
Es gibt natürlich keinen. Alle pfeifen sie munter das nämliche Liedchen.
Es ist nur profitabler und wirkungsvoller, getrennt zu marschieren, wenn man vereint siegen will.

21.09.2018

Autoren werden ausgebeutet und Verlage ruiniert, und um das zu ändern, werden Autoren noch mehr ausgebeutet

Mit einer besonders dreisten und frechen Lüge in Sachen Urheberrecht machte das „FAZ“-Feuilleton am 11.9.2018 auf:

„Woher der Hass auf geistiges Eigentum? Das EU-Parlament darf nicht zulassen, dass Autoren ausgebeutet und Verlage ruiniert werden.“

Und damit Autoren nicht ausgebeutet werden sollen, möge das EU-Parlament bitte ein Gesetz beschließen, in dessen Artikel 12 den Autoren nennenswerte Teile ihrer Tantiemen weggenommen und den Verlagen zugeschustert werden.

Sie geben vor, Ausbeutung zu bekämpfen, und das vorgeschlagene bzw. geforderte Mittel lautet: Ausbeutung! Verquere Logik

19.09.2018

Künstler für Red Bull! "Ain't singing for Pepsi..."

Sevdaliza. Dixon. Janelle Monáe. Jlin. DJ Hell. Gudrun Gut. Miss Kittin. Jeff Mills. Nina Kraviz. Westbam. FM Einheit. Robot Koch. Peaches. Und deprimierenderweise sogar Peter Brötzmann oder Tony Allen.

Das sind nur einige der Künstler*innen und Bands, die am „Red Bull Music Festival Berlin“ teilnehmen und für die Haltung ein Fremdwort zu sein scheint. Man nimmt gerne die Kohle, die ein dem Rechtspopulismus zuneigender Großunternehmer mit seiner klebrigen braunen Limonade verdient hat, und tut so, als ob das ja alles „Musikförderung“ sei – und das Programm ist ja ach so hip... Klar ist das Festival-Programm einigermaßen interessant, weil die Marketingprofis von Red Bull natürlich längst wissen, wie Marketing in diesen Zeiten geht – und Geld haben sie sowieso genug.

Und „Arte“ bringt die Red Bull-Nacht „30 Jahre Techno in Berlin“ ins Fernsehen, alles geht Hand in Hand, Red Bull, Arte, coole Locations, hippe Allesmitmach-Musiker*innen.

It’s not bout culture anymore, it’s bout Red Bull capitalism, stupid!
Die teilnehmenden Künstler*innen und Bands aber haben ihren Namen beschmutzt, er ist künftig von brauner Limonade verklebt.
„Keep your name clean!“ (Patti Smith)
Wie war das noch gleich bei Neil Young?
„Ain’t singing for Pepsi, ain’t singing for Red Bull“ – es wird höchste Zeit, Red Bull Festivals und die Red Bull Academy zu boykottieren!

* * *

Nachtrag 14.10.2018:
Einer der milderen und eher verständnisvollen Texte über die Red Bull Music Academy (RBMA) und ihr Red Bull Music Festival fand sich am 14.10.2018 in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Ein Schlaraffenland für Musikfans“ sei die RBMA, lesen wir da, es gebe dort den von Habermas postulierten „herrschaftsfreier Diskurs“, mit lauter „Menschen, die gut gelaunt und respektvoll miteinander arbeiten“, und letztlich sei die RBMA „einer der Strohhalme für alle, die im Pop etwas erreichen wollen“.

Wahrscheinlich ist es reiner Zufall, daß sich in der nämlichen Ausgabe der „FAS“ vom 14.10.2018 als bezahlte Beilage das „Red Bulletin“ von Red Bull fand, das Kampfblatt neoliberaler Selbstoptimierung. Titelstory: „Das kannst du auch! Extremsportler verraten, wie du in jeder Lage gelassen bleibst.“ Und zwar: „Lote Grenzen aus wie ein Kletter-Profi!“ „Durchhalten wie eine Welt-Umradlerin.“ „Finde inneren Frieden wie ein Ultrarunner.“ „Organisiere das Chaos wie ein Polarforscher.“ „Überwinde deine Angst wie eine Drachenfliegerin.“ „Blende negative Gedanken aus wie ein Abenteurer.“ „Meistere harte Zeiten wie eine Einzelkämpferin.“ Aber sicher doch.

Und weiter hinten im Red Bulletin erfahren wir dann auch, welches Auto die „Abenteurer“ im „Großstadtdschungel“ fahren: Den „ikonischen“ Jeep Wrangler nämlich. So ist das alles, ganz herrschaftsfrei und gut gelaunt im Schlaraffenland konsumieren. Die RBMA und das Red Bulletin schulen euch und zeigen, wie’s geht. „Für alle Abenteurer!“

19.09.2018

Berlins Regierender (SPD) sagt Denkmalschutz und meint Unterwerfung unter die Interessen eines Großkonzerns

Was wohl der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), im Gespräch mit der „FAZ“ über den möglichen „Innovationscampus“ in der Spandauer Siemensstadt meint, wenn er feststellt:

„Siemens erwartet, daß Berlin künftig konstruktiv und flexibel mit dem Thema Denkmalschutz umgeht. Das stellen wir sicher.“

Wahrscheinlich bedeutet „konstruktiv“, daß man natürlich gewillt ist, all das zu machen, was Siemens fordert. Und „flexibel“ dürfte wohl heißen, daß man „sicherstellt“, daß die depperten Denkmalschützer sich nicht ständig querstellen – SPD-Müller hat eben wirklich alles im Griff, wenn er sich vor Industriekonzernen auf den Boden wirft...

19.09.2018

Urheberrecht: Wie denken seriöse deutschsprachige Zeitungen im Ausland darüber?

Nochmal zu der sogenannten EU-Urheberrechts-„Reform“:
Interessant ist, wie im deutschsprachigen Ausland, also jenseits der Einflußzone des Axel-Springer-Konzerns, von Holtzbrinck & Co. und ihrer einschlägigen Propaganda- und Lobby-Organisationen, über diese Reform debattiert wird.

Im österreichischen „Standard“ beispielsweise eine eindeutige Ablehnung:
„So wird das Internet zerschlagen. Die EU-Urheberrechtsreform fördert Zensur und bedroht innovative Start-ups. Es sei ein guter Tag für Kreative, wird von denen herausposaunt, die sich für das neue EU-Urheberrecht starkgemacht haben. Doch der Etappensieg traditioneller Medienkonzerne im Europaparlament bedeutet vor allem eines: das Ende des Internets, wie wir es kennen.
Entgegen aller Kritik, trotz Protestaktionen und fast einer Million Unterschriften von skeptischen Bürgern stimmte die konservative Mehrheit im Parlament für Uploadfilter und ein Leistungsschutzrecht. (...) Die katastrophale Folge ist das Ende für Memes, Zusammenschnitte von Sportveranstaltungen und kleinste Textausschnitte von Medien. (...) Eine Zensurmaschine also, die den wichtigsten Kommunikationskanal des 21.Jahrhunderts vorab prüft, soll nun verpflichtend werden.“

Aber was sind schon eine Million besorgter Bürger*innen gegen die Millionen Euros von Axel Springer, Bertelsmann und Holtzbrinck?

Und die aller linksradikalen Sympathien völlig unverdächtige konservative „Neue Zürcher Zeitung“ kommentierte:
Zombie-Gesetz für Zeitungsverlage.
Das deutsche Leistungsschutzrecht ist ein Rohrkrepierer – trotzdem droht in der EU ein ähnliches Gesetz (...)

Die deutschen Verleger argumentieren, sie würden viel in ihr Digitalgeschäft investieren. Doch es kann nicht die Aufgabe der Allgemeinheit sein, mit einer Verschärfung des Urheberschutzes dafür zu sorgen, dass die Verlage diese Investitionen amortisieren können. Die Politik muss vielmehr bedenken, dass ein restriktives Verlegerrecht den Nachrichtenfluss behindert. (...) Stimmt diese Diagnose, ist das Leistungsschutzrecht letztlich ein Instrument zur Umverteilung zu den Verlegern. Es ist deshalb schwer nachvollziehbar, dass es nun auf europäischer Ebene ein Pendant zum deutschen Leistungsschutzrecht geben soll.“

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