06.04.2026

Und was macht Live Nation gerade so?

Und was macht Live Nation gerade so? Der weltgrößte Livemusik-Konzern?
 
Mit der Trump-Regierung hat man sich Anfang März auf einen „Deal“ geeinigt: Die Abspaltung des Ticketing-Bereichs, also Ticketmaster, vom Mutterkonzern ist jetzt plötzlich vom Tisch. Dafür hat Live Nation zugesichert, die eigenen Venues für alle Veranstalter zu öffnen und ihnen zu erlauben, 50 Prozent der Tickets über eine andere Plattform als Ticketmaster anzubieten.
Die Gebühren für den Ticketverkauf werden nun auf 15 Prozent begrenzt. Wohlgemerkt: das gilt nur in den USA. Im Rest der Welt kann der US-Konzern nach wie vor schalten und walten, wie er will. Die Biden-Regierung hatte Live Nation 2024 u.a. wegen der wettbewerbswidrigen Nutzung seiner marktbeherrschenden Stellung angeklagt. Das Justizministerium hat diese Klage unter Trump zunächst weiterverfolgt. Letzten Monat jedoch hat Trump den obersten Kartellrechtschützer, Gail Slater, entlassen, der etliche der Klagen gegen Monopole aus der Biden-Administration weiter vorangetrieben hatte. Wie die „Financial Times“ (FT) berichtet, könnte die Entlassung des obersten Kartellwächters eine Abkehr von einer strengen Durchsetzung des Kartellrechts nach sich ziehen.
 
Bei der „FT“ war auch zu lesen, dass Live Nation mittlerweile Trumps ehemalige Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway als Beraterin engagiert hat. Außerdem ist seit langem bekannt, dass führende Live Nation-Manager zu Trumps Unterstützern gehören; so hat Greg Maffei (seinerzeit Präsident von Liberty Media, dem Mehrheitsaktionär von Live Nation, und Vorsitzender des Board of Directors von Live Nation) schon 2017 bei der ersten Amtseinführung Donald Trumps 750.000 US-$ gespendet. Bei der zweiten Inauguration Trumps spendete Live Nation 500.000 US-$.
Im Mai 2025 berief Live Nation Richard „Ric" Grenell, einen engen Vertrauten Trumps, in seinen Aufsichtsrat — genau in dem Moment, als das Unternehmen sich auf den Kartellrechtsstreit mit dem Justizministerium vorbereitete. Grenell ist kein unbeschriebenes Blatt: Er diente als amtierender Director of National Intelligence (2020), als US-Botschafter in Deutschland (2018–2020) und bekleidet aktuell den Posten des Präsidenten des Kennedy Center for the Performing Arts, das Trump bekanntlich unter seine Kontrolle gebracht hat und das neuerdings im Trump-Sprech offiziell „Trump Kennedy Center“ heißt.
 
Unlängst hat Live Nation die Geschäftszahlen für 2025 veröffentlicht: Der Umsatz des Konzerns stieg auf 25,2 Milliarden US-$ (fast zehn Mal so viel wie der des deutschen CTS Eventim-Konzerns 2024), der Betriebsgewinn (Operating profit) belief sich auf 1,3 Mrd. US-$, der Nettogewinn (Net profit) betrug gerade einmal 0,7 Mrd. US-$, also 3 Prozent. „Live Nation’s profits remain surprsingly thin“, kommentieren Marktbeobachter wie App Economy Insights LLC.
Natürlich ist das die Folge der sehr geringen Rendite der Konzertveranstaltungen, wo die Superstars extrem hohe Gagen kassieren. Geld verdient Live Nation hauptsächlich durch Ticketing (37% Gewinnmarge) und Sponsorship (64% Gewinnmarge).
 
Klar ist: Die Marktposition als Dominator des Imperiengeschäfts verdankt Live Nation weniger seinen Geschäftszahlen als vielmehr der Kontrolle des gesamten Live-Ökosystems.
Dazu passt die Nachricht, dass Live Nation die La Défense Arena in Paris gekauft hat, die größte europäische Konzerthalle.
Und Andreas Gabalier ist gerade zu Live Nation gewechselt - so kommt zusammen, was zusammen gehört…