Ticketflaute und Gewerkschaftsgründung
Kollege Fabian Schütze hat dieser Tage in seinem wie immer lesenswerten Rundbrief „Low Budget High Spirit“ auf die „Ticketflaute“ in der Konzertszene hingewiesen. Also auf die deutlich verminderte Nachfrage nach Konzertkarten, „genreübergreifend und an allen Ecken der Landkarte“ (was ich ein wenig differenziertzer sehen würde: Die Einbußen sind ja weder „genreübergreifend“ noch „an allen Ecken der Landkarte“...). Er spricht von einem „grundlegenden Meta-Trend“ und führt einige leicht nachvollziehbare Gründe an: Nachholeffekte (und Euphorie) nach der Coronära, ein sich grundlegend veränderndes Ausgehverhalten („Zuhause ist auch schön“), (zu) hohe Ticketpreise, „Gier und Konzernkapitalismus, die sich komplett ins Musiksystem gefräst haben“, und das alles in einer Zeit, da viele Menschen einfach zu wenig Geld haben, von Massenentlassungen bedroht sind usw.
Zurecht weist Fab darauf hin, dass die Musikindustrie leider keine starke Interessenvertretung hat. Seit langem schlage ich Musiker:innen und Kulturabeiter:innen vor, eine Art Gewerkschaft zu gründen. Und natürlich ist es ein Manko, dass die Interessenverbände der Konzertindustrie eben nicht wirklich schlagkräftig, sondern eher zahnlos sind, solange darin neben Konzertagenten, Veranstalter:innen und Venue-Betreibern auch die drei weltweiten Großkonzerne der Live-Industrie Mitglied sind: Live Nation, CTS Eventim und AEG (ob mit ihren Tochtergesellschaften oder direkt).
Die kleinen und mittelständischen Firmen unserer Branche haben nun mal nicht die gleichen Interessen wie die milliardenschweren Großkonzerne. It’s that simple. Solange aber alle in einem Verband sind, werden dessen Forderungen eher verwässert als schlagkräftig.


