Social Media-Verbot für Jugendliche?
Aktuelles Aufreger-Thema: Social Media-Verbot für Jugendliche.
In Australien ist es bereit Gesetz und gilt für Jugendliche bis 16 Jahren.
Klar, dass deutsche Politiker:innen das nach dem Motto „wer bietet mehr?“ übernehmen würden. Auf dem CDU-Parteitag wurde ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren beschlossen; SPD-Politiker:innen finden das gut und begrüßten den CDU-Beschluss.
Doch mal abgesehen davon, dass kein Konzept bekannt ist, „wie ein solches Social-Media-Verbot funktionieren soll“, wie der Juso-Bundesvorsitzende Philipp Türmer (schöne Grüße an seinen Vater Rainer M. Türmer bei der Gelegenheit!) richtig festgestellt hat – das Konzept als solches ist grundfalsch.
Denn natürlich haben auch junge Menschen ein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, auf Teilhabe an den bestehenden Social-Media-Plattformen. Und bloß, weil es nicht gelingt, all die bekannten Missstände der sogenannten sozialen Medien zu beseitigen oder zumindest einzudämmen, ist es falsch, denjenigen die sozialen Medien wegzunehmen, die keine politische Vertretung haben.
„Es wäre, als würde man bei einem Auto mit defekter Bremse nicht die Technik reparieren, sondern bestimmten Altersgruppen das Fahren verbieten.“ (Henning Tillman)
Das Problem ist doch: Die Regierung traut sich nicht an die Wurzeln des Problems heran.
„Süchtig machende Designs und intransparente, polarisierende und letztlich demokratiezerstörende Algorithmen schaden nicht nur Jugendlichen, sondern auch Onkel Edgar, der mit YouTube politisch quer abgebogen ist, und Oma Gabi, die keine Freunde mehr trifft, weil sie nicht mehr von Instagram-Reels wegkommt. Wir alle kennen solche Leute, die älter als 16 sind, bei denen es ein Problem gibt.
Statt vorhandene Gesetze durchzusetzen, Regulierungen auszuschöpfen und intelligente neue Regeln zu überlegen, wählt man den einfachen Weg“, so der empfehlenswerte wöchentliche Rundbrief von Netzpolitik.org.
Und im Übrigen: Wie wäre es denn, die Regierung, die Politik würde dafür sorgen, dass es während der gesamten Schulkarriere der Kinder eine konsequente Medienschulung gibt? Ein kontinuierlicher Unterricht, in dem erklärt wird, wie Social Media, KI und das Internet funktionieren, welche Probleme, aber auch Chancen es gibt, und wie man mit all dem bewusst umgeht. Aufklärung über Gefahren und Möglichkeiten.
Sicher, das würde viel Geld kosten. Aber es bestand einmal Einigkeit darüber, dass Investitionen in Bildung Investitionen in die Zukunft der Gesellschaft sind. Verbote sind der bequeme, aber falsche und ineffektive Weg und bezeugen in ihrem billigen Populismus höchstens die Hilflosigkeit der Entscheidungsträger.


