Praktika in Sternerestaurants und in der Musikindustrie
Das Kopenhagener Sternerestaurant Noma gilt als eines der besten Restaurants der Welt.
Nun hat der Chef des Gastrotempels für einen Skandal gesorgt. Er habe seine Angestellten drangsaliert und bedroht, teilweise sogar physischer Gewalt ausgesetzt.
Und: Im Noma waren unbezahlte Praktika wohl die Regel. Wie übrigens auch in der Musikindustrie, und da auch bei etlichen der großen Konzerne.
In bewundernswerter Offenheit hat der Berliner Sternekoch und Betreiber des Restaurants „Noibelhart & Schmnutzig“ zu dem Skandal Stellung genommen:
„Ausbeutung ist in der Regel Teil des Geschäftsmodells“, schreibt Wagner. „Schon die ‚normale‘ Gastronomie kalkuliert häufig mit unbezahlten Überstunden. Die Hochküche tut dies ebenfalls und ergänzt dieses Modell dann noch durch etliche unbezahlte Praktikant:innen. (…) Warum sich gerade junge Menschen dennoch für unbezahlte Praktika in entsprechenden Sternerestaurants entscheiden? Anerkennung, Leidenschaft, Ambition, die Station auf dem CV… Aber eben auch die Tatsache, dass sich derartige Missstände moralisch erstaunlich elegant als Charaktertest umdeuten lassen. Die harten, entbehrungsreichen Lehrjahre, die eigene, famose Arbeitsethik gelten als Eintrittskarte in die Riege der großen Meister (…) Wer nicht unbezahlt arbeiten will oder kann, meine es nur nicht ernst genug.“
Das Nobelhart & Schmutzig hat auf diese untragbare Situation schon vor Jahren mit einem „Guide of Conduct“ reagiert.
Wie gesagt, auch in der Musikindustrie, ob bei Plattenfirmen oder Veranstaltern, sind unbezahlte Praktika eher die Regel als die Ausnahme.
Höchste Zeit, dass sich auch die Firmen der Musikindustrie einen „Guide of Conduct“ auferlegen und für faire Arbeitsbedingungen sorgen.


