07.03.2026

Musiker:innen mit Rückgrat?

Wichtig ist mir, dass dieser Aufruf sich gegen die Ausrichtung des „GERMAN HOUSE“ richtet, nicht aber gegen die individuelle Teilnahme von Musiker:innen oder Messebesucher:innen an der SXSW. Die Entscheidung, ob sie angesichts der aktuellen Lage in den USA nach Austin fahren wollen, sollten alle individuell für sich beantworten.
Und auch, ob sie tatsächlich bereit sind, die extrem weitgehenden Einreiseformalitäten zu akzeptieren, die es so nicht einmal in Nordkorea gibt (u.a. Offenlegung aller Social-Media- und Email-Konten, aller Telefonnummern, detaillierte Informationen über alle Familienmitglieder).
 
Natürlich wünsche ich mir, dass möglichst viele Künstler:innen angesichts der aktuellen US-Politik Rückgrat bewahren und nicht in die USA reisen. Der BR-"Zündfunk" hat über das "German House" auf der SXSW und meinen Aufruf ausführlich berichtet. Die Initiative Musik war zu keiner Stellungnahme bereit, was Bände spricht.
Aber auch keine einzigen der 16 Musiker:innen und Bands, die von der Initiative Musik ins "German House" eingeladen wurden, waren gegenüber dem BR zu einer Stellungnahme bereit - sie hatten Angst, die Förderung der deutschen Initiative Musik zu verlieren, oder keine US-Einreisegenehmigung zu erhalten.

Ein Klima der Angst, gefördert von deutschen Regierungsinstitutionen und der deutschen Musikwirtschaft...

Mittlerweile hat allerdings die Rapperin Ikkimel ihren Auftritt bei der SXSW aus politischen Gründen abgesagt. Geht doch!
Hier im "Standard" vom 7.3.2026:

Es gibt eben noch Musiker:innen mit Rückgrat. "Haltung" muss auch für Musiker:innen keine Fremdwort sein.

Übrigens haben die US-amerikanischen Musiker:innen, mit denen ich über diesen SXSW-Boykott gesprochen habe, ausnahmslos geäußert, dass sie einen derartigen Schritt begrüßen, ja, dass sie im Grunde von uns ein entsprechendes Verhalten sogar erwarten.
 
Etliche US-amerikanische Musiker:innen haben übrigens zuletzt das „Trump Kennedy Center“ in Washington boykottiert und werden dort nicht mehr auftreten, solange Trump als dessen Vorsitzender agiert, unter anderem Renée Fleming, Ben Folds, Rhiannon Giddens, Philip Glass oder die Washington National Opera.
 
Die Wiener Philharmoniker und Andris Nelsons dagegen, in the meantime: