Kulturabgabe im Münchner Kommunalwahlkampf
Und das gilt ebenso für Musiker:innen, Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen.
Jüngstes Beispiel: Das sogenannte Aktivrentengesetz, das CDU, CSU und SPD im Bundestag beschlossen haben.
Dieses Gesetz fördert Erwerbstätigkeit im Rentenalter durch steuerliche Anreize. Personen, die nach Erreichen der Regelaltersgrenze (also aktuell 67 Jahre) weiterarbeiten, können bis zu 2.000 Euro monatlich aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung steuerfrei hinzuverdienen.
Dies gilt also wohlgemerkt für Angestellte und Arbeiter:innen, also Arbeitskräfte, die von Industrie und Handel so dringend benötigt werden. Selbständige werden ausdrücklich von dieser Regelung ausgenommen, sie erhalten keinerlei Steuervergünstigungen.
Nicht einmal die in der Künstlersozialkasse pflichtversicherten selbständigen Künstler:innen, Publizist:innen oder Lehrer:innen können von der Regelung Gebrauch machen, ganz zu schweigen von den Hunderttausenden selbständigen Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen, die nicht in der KSK versichert sind.
In der Coronära bekamen die Kultur-Selbständigen viele warme Worte zu hören.
In der Realität des Jahres 2026 sind sie wieder das, was sie letztlich immer waren: Kultur-Arbeiter:innen zweiter Klasse. Viele von ihnen sind aus finanziellen Gründen gezwungen, nach Rentenbeginn weiterzuarbeiten, um überhaupt über die Runden zu kommen. Aber steuerliche Vergünstigungen wie die Aktivrente bleiben ihnen verschlossen. Ein skandalöser Zustand.
In Bayern finden im März Kommunalwahlen statt. In München versucht der CSU-Politiker und Wirtschaftsanwalt Clemens Baumgärtner, bis 2024 städtischer Wirtschaftsreferent und ausgewiesener Freund von Live Nation und deren Großkonzerten (Adele!), Kalif zu werden anstelle des Kalifen, also SPD-OB Reiter das Amt des Oberbürgermeisters abzuluchsen.
In der „Abendzeitung“ hat Baumgärtner, auf den Vorschlag einer Kulturabgabe auf den Vorverkaufsanteil der Konzerttickets angesprochen, bewiesen, dass er nicht nur von Kulturpolitik wenig versteht, sondern als ehemaliger Wirtschaftsreferent nicht einmal den Unterschied zwischen Steuern (gehen in den allgemeinen Haushalt) und Abgaben (werden zweckgebunden verwendet) kennt:

Aber auch die SPD-Kulturpolitikerin Julia Schönfeld-Knor hat von der Kulturabgabe, wie sie unter anderem von der „Bundesstiftung LiveKultur“ gefordert wird, wenig Ahnung. An gleicher Stelle postuliert sie, auf die Kulturabgabe bei Großveranstaltungen angesprochen: „Derartige Abgaben gelten als eierlegende Wollmilchsau. Aber ich fürchte: wenn man auf die ohnehin schon teuren Tickets für Konzerte im Olympiapark noch zwei Euro draufschlägt, werden die Karten irgendwann sozial ungerecht.“
Oha. Als ob die Eintrittskarten für Großkonzerte nicht längst „sozial ungerecht“ wären und zu einer Segregation innerhalb der Fans führen würden, da ein beträchtlicher Teil der Fans sich die skandalös überhöhten Tickets schon lange nicht mehr leisten kann und somit von der Möglichkeit der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen ist.
(und wie gesagt: der Vorschlag der Kulturabgabe gilt ja den Ticketkonzernen, die von ihren astronomischen Gebühren einen Teil abgeben müssten; die Ticketpreise als solche bleiben gleich)
Und was haben Sozialdemokrat:innen denn bisher dafür getan, dass die Tickets nicht „sozial ungerecht“ sind? Und was haben all die anderen Parteien dafür getan? Genau: nichts. Niente.
Dabei gäbe es ja durchaus Möglichkeiten, gerade bei Großkonzerten eine gewisse soziale Staffelung der Ticketpreise politisch durchzusetzen.
Eines ist klar: Die Musikfans haben von der Politik nichts zu erwarten.


