China zieht am deutschen Musikmarkt vorbei! Und Superprofite in Mexiko...
Wenn das Vereinsblättchen der deutschen Musikindustrie, die „Musikwoche“, über den alljährlichen „Global Music Report“ des IFPI-Dachverbands schreibt, dann ist jedes Mal vom „Musikmarkt“ die Rede; gemeint ist die Plattenindustrie. Allerdings fällt der seit etlichen Jahren wesentlich größere Teil des „Musikmarkts“, nämlich die „Live-Industrie“, dabei völlig unter den Tisch, ganz so, als ob sie nicht existieren würde.
Die seriöse Berichterstattung, etwa von „Music Business Worldwide“, schreibt dagegen korrekt von der „Global Recorded Music“, denn genau davon handelt der Bericht der IFPI, der Organisation, die die weltweite Tonträger-Industrie vertritt.
Wichtigste Fakten der englischsprachigen Berichterstattung: Die Tonträgerindustrie setzt weltweit 31,7 Milliarden US-$ um. Und mittlerweile gibt es 837 Millionen Menschen, die ein bezahltes Abonnement eines Musik-Streamingdiensts halten.
Wichtigster Fakt der deutschen Berichterstattung: „China zieht am deutschen Musikmarkt vorbei“! China „verdrängte dank starker Zuwächse Deutschland vom vierten Platz“ (Musikwoche.de).
Das ist natürlich bitter und beweist den unaufhaltbaren Abstieg Deutschlands.
Interessant ist jedoch auch der Aufstieg der „Recorded Music“ in Ländern wie Brasilien und Mexiko auf den Plätzen 8 und 10, der mit dem Aufstieg des Live-Markts in diesen Ländern einhergeht.
Live Nation-CEO Michael Rapino hatte bereits vor einigen Monaten anlässlich der Erhöhung der Live Nation-Anteile am größten mexikanischen Konzertveranstalter OCESA auf nunmehr 75 Prozent darauf verwiesen, dass Mexiko „mittlerweile der drittgrößte Musikmarkt in der Welt“ sei, womit Rapino wiederum den Konzert- und nicht den gesamten Musikmarkt gemeint haben dürfte. Seit 2019 haben sich die Zahlen der Konzertbesucher:innen in Mexiko verdreifacht. Angetrieben wird diese Entwicklung vor allem durch die Auftritte von Superstars in den Stadien. Dabei werden auch in Mexiko extrem hohe Eintrittspreise aufgerufen.
Mexikanische Musiker:innen berichteten mir letzten Sommer, dass diese Ticketpreise von vielen Fans nur durch das Aufnehmen von Krediten zu bezahlen seien. Das durchschnittliche monatliche Einkommen beträgt in Mexiko laut OECD 989 Euro (in D: 4.241 €). Das mexikanische Wirtschaftsministerium nannte letztes Jahr einen Monatslohn von 418 US-$ für angelernte Fachkräfte.
Die Ticketpreise für die Stadionkonzerte von Superstars in Mexiko lagen im Jahr 2025 zwischen 55 und 560 Euro. Shakira spielte 2025 allein in der Hauptstadt Mexiko City zwölf ausverkaufte Konzerte mit insgesamt 845.000 Zuschauer:innen.
Bad Bunny spielte im Dezember 2025 acht ausverkaufte Konzerte im Estadio GNP Seguros. Diese Shows generierten einen Umsatz von 86,7 Millionen US-Dollar – die zweithöchste Einnahme einer Konzertserie an einem einzigen Veranstaltungsort weltweit in 2025, nur getoppt von den zehn Coldplay-Shows im Londoner Wembley Stadium.
Ratet mal, welcher Konzern all diese Stadion-Konzerte veranstaltet hat…
Tolle Superstar-Geschäfte in Mexiko, mit Superprofiten für Musiker:innen und Entertainment-Konzerne – dummerweise auf dem Rücken der Fans, die sich zum Teil sogar überschulden, um die hohen Ticketpreise bezahlen zu können…


