90 Prozent aller Konzerte in Deutschland finden in Clubs und kleinen Venues statt!
Die GEMA hat unlängst die Anzahl der Konzerte und Besucher:innen aufgrund ihrer Geschäftszahlen im Tarif U-K („Unterhaltungsmusik“) ausgewertet und veröffentlicht.
Dies führte bei weniger seriösen Medien zu Schlagzeilen wie „Zuschauer- und Konzertezahl übertrifft Vor-Corona-Lage“ oder, wie GEMA-Direktor Seitz postuliert: „Die Konzertbranche ist nach den tiefen Einschnitten der Pandemie wieder auf Wachstumskurs“.
Wachstum, immer Wachstum, wir steigern das Bruttosozialprodukt…
Wenn man sich die Zahlen jedoch genauer anschaut, sieht die Lage komplizierter aus; die „FAZ“ hat das Konzertgeschäft auf einer halben Druckseite genau aufgedröselt:
Dort ist der Konzernumsatz der beiden weltweiten Branchenriesen aufgeführt: Live Nation erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 25,2 Milliarden Dollar (Marktkapitalisierung zum 24.7.26: 41,74 Mrd. $!), CTS Eventim immerhin 3,08 Milliarden Euro (Marktkapitalisierung zum 24.7.26: 5,80 Mrd. €).
Klar ist: „Der Umsatz der Live-Branche steigt in Deutschland und global.“
In Deutschland haben sich im Jahr 2025 insgesamt 74,32 Millionen Fans auf 267.006 Konzerte verteilt – tatsächlich mehr als im letzten Jahr vor der Coronära (2019: 69,21 Mio. Fans auf 263.008 Konzerten).
Die wirklich spannenden Zahlen ergeben sich jedoch aus der Statistik der Konzerte und Besucher:innen nach Veranstaltungsgröße:

Quelle: FAZ vom 27.7.2026, nach GEMA-Zahlen; Grafik: jbel.
Sage und schreibe rund 90 Prozent aller Konzerte in Deutschland finden in Clubs und kleineren Venues bis zu 500 Besucher:innen statt. Und immerhin fast 30 Millionen Fans haben diese Konzerte letztes Jahr besucht.
Vor allem aber – und das wissen alle Veranstalter:innen und Club-, Venue- und Kulturzentrums-Betreiber:innen: Die Zahl der Besucher:innen in Spielstätten unter 500 Fans ist gegenüber der Vor-Pandemie-Zahl um 5,7 Prozent zurückgegangen.
Die Clubs, Venues und unabhängigen Veranstalter:innen bemühen sich also nach wie vor intensiv darum, die Vielfalt von Konzerten zu erhalten – der Preis allerdings ist hoch. Für viele zu hoch, besonders angesichts deutlich gestiegener Kosten bei gleichbleibend eher niedrigen Ticketpreisen in diesem Sektor.
Die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft und die kulturelle Teilhabe wird in den Clubs, den kleinen Venues und Kulturzentren gelebt. Die Großkonzerte bilden nicht die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft ab – sie stellen höchstens ein Problem für die kulturelle Teilhabe dar, weil sich viele Menschen die immens teuren Tickets gar nicht mehr leisten können.
In einem Vortrag auf der Zürcher m4music-Konferenz habe ich 2012, also vor über 14 Jahren, bereits auf diese Diskrepanz hingewiesen:
„Auf der einen Seite: Die Umsatzexplosion der Konzertindustrie betrifft hauptsächlich die großen Namen – die Stadionkonzerte, die Konzerte in den großen Hallen. (...)
Denn auf der anderen Seite kann man festhalten: Es gibt, neben vielen Erfolgen, auch eine gewisse Stagnation gerade bei den kleineren Konzerten. (...) Der Realeinkommensverlust kleiner Bands bedeutet im Klartext, dass Musiker in der Anfangsphase ihrer Karriere heute mehr denn je in ihre Tourneen investieren müssen, und dass Künstler, Tournee- und örtliche Veranstalter häufiger als früher bei Clubtourneen Geld verlieren, zumal gleichzeitig auch die Eintrittspreise im Clubsegment stagnieren.“
Wir können es nicht oft genug fordern:
Wir benötigen eine strukturelle Förderung der Clubkultur! Wir benötigen einen gesetzlichen Kulturraumschutz! Und wir benötigen eine Ticketabgabe, die von den Superprofiten der Ticketing-Konzerne solidarisch zugunsten der kleineren Spielstätten finanziert wird!


