21.05.2017

EsPeDe will öffentlich-rechtliches Nordkorea

Das Internet? Gibt es gar nicht.
Jedenfalls, wenn man den deutschen Sozialdemokraten folgen will. Für die EsPeDe ist das Netz nicht Neu-, sondern Altland, einfach eine Art öffentlich-rechtlicher Rundfunk, und entsprechend sollen, wenn es nach den Genoss*innen geht, Google, Facebook & Co. künftig gezwungen werden, ihre Algorithmen darauf zu trimmen, das deutsche Staatsfernsehen immer auf die ersten Plätze zu setzen. Denn dort sitzt man ja bekanntlich bei Bergdoktor, Sachsenklinik, Traumschiff und bei den ständigen Volksmusikshows immer in der ersten Reihe, mehr nolens als volens allerdings.
Wie das in der Praxis vonstatten gehen soll, wenn die Sozialdemokraten ihren Willen bekommen? Man sucht bei Google nach einem Text von Adorno und bekommt erstmal einen Hinweis auf den Bergdoktor? Man sucht bei YouTube nach einem Video von Jlin, Kendrick Lamar oder Teodor Currentzis, und stattdessen bekommt man erstmal Links zu Immer wieder sonntags mit Stefan Mross und zu Florian Silbereisens Fest der Volksmusik?
Meinungsfreiheit? Freies Netz? Nicht, wenn es nach der deutschen EsPeDe geht, sie will eine Art öffentlich-rechtliches Nordkorea. Um Himmels Willen!

21.05.2017

Pippa heiratet! Und das deutsche Staatsfernsehen ist nicht live dabei

Allerdings ist auf das deutsche Staatsfernsehen auch kein Verlaß mehr.
Normalerweise gehen ARD, ZDF und die Dritten keiner weltweiten Königshochzeit aus dem Weg, in aller Regel übertragen sie parallel auf allen Kanälen stundenlang die Hochzeitszeremonien aus Englands, Skandinaviens oder, nun ja, Preußens Königshäusern.
Nun aber, am Samstag, 21.Mai 2017? Nüschte. Dabei heiratet doch Pippa! Ich meine: Pippa! Middleton! Die Schwester von Kate! Der Herzogin von Windsor! Da können die erprobten Zwangsgebührenzahler*innen doch wohl erwarten, daß sie live dabei sein können und In aller Freundschaft, Dr. Sommerfeld – Alte Träume, neue Liebe, Father Brown und Rosamunde Pilcher: Gewißheit des Herzens, also das übliche höchstanspruchsvolle Samstags-Programm von ARD und ZDF, mal zurückstehen und den wahren alten Träumen, neuen Lieben und Gewißheiten des Herzens Platz machen. Aber Pustekuchen. Es blieb beim geschilderten ARD- und ZDF-Programm.
Traurig, traurig.
Aber Gottseidank machte das bekannte Nachrichtenmagazin auf seinem Online-Auftritt mit und brachte ausführliche Berichte, Fotos und sogar ein Quiz über Pippas Hochzeit. Ganz investigativer Qualitätsjournalismus eben. ARD & ZDF, nehmt euch gefälligst ein Beispiel an Spiegel Online!

11.05.2017

Skandal: Bei ARTE sollen Musiker*innen umsonst auftreten!

8,32 Milliarden Euro nehmen die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten hierzulande jährlich durch die Zwangsgebühren ein, die der Staat von den Bürger*innen einzieht, egal, ob sie über Fernseher oder Rundfunkgeräte verfügen, ob sie taub oder blind sind oder ob sie die Programme überhaupt anschauen wollen. Doch dieses Geld ist den Öffis nicht genug, nun wollen sie den Bürger*innen ein weiteres Mal in die Taschen greifen und die Gebühren weiter erhöhen. Die vielen teuren Sportsendungen (über 800 Millionen Euro geben ARD und ZDF jährlich allein für die Lizenzen ihrer Sportübertragungen aus!), die hohen Intendantengehälter (die meisten Intendanten verdienen mehr als die Bundeskanzlerin) und die über 150 Tochtergesellschaften von ARD und ZDF, die sich der öffentlichen Kontrolle entziehen, wollen schließlich finanziert sein.

Gemeinhin gelten ja Arte und 3sat als die positiven Ausnahmen unter all den drögen Sendern des deutschen Staatsfernsehens, und wann immer man gegen das Staatsfernsehen und die Zwangsgebühren argumentiert, hört man Stimmen, die sagen, du hast ja eigentlich Recht, aber ich schaue sowieso nur noch Arte und 3sat, und die machen doch so ein tolles Programm...
Betrachten wir also mal, wie Musiksendungen bei Arte entstehen. Vor ein paar Wochen erreichte mich die Mail einer Produktionsfirma, in der diese sich für eine Fernsehshow einer von mir vertretenen Band interessierte. Darin hieß es u.a. (Grammatik und Interpunktion im Original):

„Wir produzieren für’s ZDF / Arte unter anderem die Konzertreihe Berlin live. Aufgezeichnet wird die Show mit ca. 400 Fans (ca. 60 Min.) im SchwuZ in Neukölln. Der Eintritt ist kostenlos und erfolgt über eine Gästeliste. Die Liste der Künstler ist lang (...)
Wir würden sehr gerne xxx für eine Aufzeichnung gewinnen wollen. (...) Einen möglichen Ausstrahlungstermin könnten wir mit dir abstimmen um die nächsten Konzerte zu promoten und wenn wir dich unterstützen können oder du andere Ideen haben solltest, lass es mich gerne wissen.“

Interessant: Die Musiksendungen bei Arte werden also nicht von Arte produziert, sondern von kommerziellen Produktionsfirmen. „Öffentlich-rechtlich“? Pustekuchen!
Auf meine Nachfrage nach den Konditionen für einen derartigen Auftritt der Band erhielt ich diese Antwort:

„Die deutsche Fernsehlandschaft gibt auch leider an Musikformaten wenig her (...)
Wenn es aber ein Format gibt, dass xxx in jeglicher Form zusagen könnte, dann wäre das Berlin live. Die Venue (SchwuZ) mit all ihren wunderbaren Mitarbeitern, ein tolles Publikum und mit ARTE einen Kultursender der die richtigen Gesellschaftspolitischen Ansichten vertritt und unterstützt. Eine professionelle Produktion und eine enorme Reichweite.
Die Show wird natürlich auch in Frankreich zu sehen sein und in vielen anderen europäischen Märkten.
Wir können keine Gage zahlen, übernehmen aber die Produktionskosten, Reisekosten, Hotel usw. sofern diese sich in einem nachvollziehbarem Rahmen bewegen.
Darüberhinaus ist der Künstler an der Verwertung zu 50% beteiligt. Nachdem die Kosten recouped worden sind. Eventuell kann man an der Beteiligung noch etwas drehen.
Wir bekommen die Produktionskosten nur zu 2/3 vom ZDF bezahlt und mussten uns 1/3 am Markt besorgen. BMG übernimmt einen Großteil der Kosten und bekommt dafür die Verwertungsrechte Audio-Visuell an der Show.“

Das ist also die Realität für Musiksendungen im deutsch-französischen Kulturkanal: Die Künstler werden nicht bezahlt, sie sollen für umme auftreten, nicht mal eine popelige Mindestgage ist vorgesehen. Gleichzeitig aber zwingt das ZDF die Produktionsfirma dazu, sich ein Drittel der vermutlich sowieso nicht gigantischen Produktionskosten „am Markt“ zu besorgen. Und einer der Großkonzerne der Musikindustrie erhält gleichzeitig die audio-visuellen Verwertungsrechte an der Show, und die Künstler und Bands werden großzügigerweise mit 50% an der Verwertung beteiligt – aber auch erst, nachdem alle Kosten eingespielt wurden.
Ich weiß nicht, ob ich besonders altmodisch bin, aber ich finde derartige Konstruktionen ausgerechnet beim mit über acht Milliarden aus Zwangsgebühren finanziell üppigst ausgestatteten Staatsfernsehen nicht nur extrem skandalös, sondern ich bewerte die Tatsache, daß Musiker*innen ohne jegliche Bezahlung ein Konzert geben sollen, das im Fernsehen ausgestrahlt wird, als Ausbeutung.

Nun bin ich kein heuriger Hase – ich weiß, daß dies landauf landab auch und gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen gang und gäbe ist. Musiker*innen werden nur noch in Ausnahmefällen für ihre Auftritte in Funk und Fernsehen bezahlt. Aber ich will mich nicht damit abfinden. Es gehört sich einfach nicht, daß Musiker*innen eine Leistung erbringen, die nicht bezahlt wird. Die Zeiten des Feudalismus sollten vorbei sein. Musiker*innen müssen für ihre Konzerte ordentlich bezahlt werden, und das gilt erst recht fürs Staatsfernsehen, und es ist unakzeptabel, daß ein Kultursender wie Arte von Musiker*innen verlangt, daß sie ohne Bezahlung auftreten sollen.

Wo sind die Musiker*innen, die so gerne öffentlich über ihre angeblich so mauen Streaming-Einnahmen barmen, wenn es darum geht, daß mit über acht Milliarden Euro ausgestattete Rundfunkanstalten ihre Darbietungen nicht nur ordentlich, sondern überhaupt bezahlen?
Wo sind die Lobbyorganisationen der Musikindustrie, von Gornys BVMI bis zum VUT, die sonst gebetsmühlenartig kritisieren, daß die Internetkonzerne die Künstler nicht bezahlen würden? Oh, ich vergaß – die Plattenfirmen tragen ja selbst einen Großteil der Verantwortung für diese Ausbeutung der Künstler, denn für sie ist jeder TV- oder Radio-Auftritt ihrer Künstler „Promotion“, und sie haben in ihren Künstlerverträgen meistens entsprechende Regelungen getroffen, daß die Künstler unentgeltlich für alle Promotätigkeiten zur Verfügung stehen müssen.

Übrigens: der Anteil von „Musik“ am Programm der Öffentlich-Rechtlichen ist marginal. Laut ARD-eigener Fernsehstatistik betrug der Anteil von Musik am gesamten Fernsehprogramm der ARD z.B. im Jahr 2013 gerade einmal 0,1 Prozent (ganze 544 Minuten aller 530.217 Sendeminuten), beim ZDF waren es 2012 laut ZDF-Jahrbuch 0,5 Prozent, bei 3sat auch nur 3,5 Prozent. Laut Rundfunkstaatsvertrag haben die Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten „der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten.“ Diesem Gesetzesauftrag kommen die Sender längst nicht mehr nach, einzig der Unterhaltungsauftrag wird permanent übererfüllt.
Daß von all den Milliarden aber nicht einmal eine Handvoll Euros für Musik*innen übrig bleiben, die mit ihren Konzerten Stunden der Kulturprogramme der Öffis füllen, ist mehr als ein Bubenstück.

11.05.2017

Jimmy Chamberlin (Smashing Pumpkins) über Streaming und Plattenfirmen

Der Musiker Jimmy Chamberlin (Smashing Pumpkins) über Streaming:

„Streaming ist eine Riesenchance für Musiker. Wenn die Radiostationen früher einen Siong gespielt haben, wurde man einmal bezahlt. Auch wenn 100.000 Leute das Lied gehört haben. Heute wird man 100.000-mal bezahlt. Natürlich sind es kleinere Beträge, aber die Marktsättigung liegt auch erst bei zehn Prozent.“

...und über Plattenfirmen:

„...es war nie fair. Die Plattenfirmen waren noch nie die Freunde der Musiker.“

(Interview in „Der Tagesspiegel“, 8.5.2017)

11.05.2017

Urheberrecht in der Praxis - so werden Autoren um ihre Honorare beduppt!

Vor kurzem erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ ein großartiger, langer Artikel meines Freundes Wiglaf Droste unter der Überschrift „Des Lebens Saftigkeit“:
„Am Anfang kochte Gott Himmel und Erde. Dann wurde aus Essen Kunst. Eine Reise zu den Sensationen des Kulinarischen und zu einer Gesellschaft, die sich auf unappetitliche Weise vom bodenständigen Genuß entfremdet.“
Ich las den Artikel in China, via „Blendle“ (warum müssen diese Internetdinger eigentlich immer schwäbisch-verniedlichende Namen tragen? Blendle? Kindle?...), und gratulierte Wiglaf zu dem schönen Text und zur Veröffentlichung.
Seine Antwort ist interessant und darf ich mit seinem Einverständnis hier zitieren:

„Lieber Berthold,
(...) klingt prima, war zwar bloß so einigermaßen honoriert (aber dem hatte ich zugestimmt, also stimmt bis dahin alles.)

Perplex war ich allerdings, als Freund Vincent mich aus Stuttgart anrief und mir gratulierte; er hatte den Text in der Sonntagsausgabe der 'Stuttgarter Zeitung' gelesen. Weder hatte die 'SZ'-Redakteurin mündlich oder schriftlich ein Wort darüber verloren, es gab auch keinen Vertrag, noch hatte die 'Stuttgarter Zeitung' gefragt. Da beide Blätter denselben Verleger haben, können Texte weitergegeben werden, ohne Nachfrage, Autorisierung und ohne einen Cent zusätzliches Honorar.
Die Zürcher 'SonntagsZeitung' fragte, ob sie den Text ebenfalls drucken dürfe, ein Honorar werde allerdings nicht gezahlt, da es eine "Verlagskooperation" gebe. Da die Redaktorin mir angenehm war, sagte ich zu und schickte ihr sogar die ganze Version; die 'SZ' hatte aus Platzgründen kürzen müssen (völlig in Ordnung, obwohl die Kürzungen nicht mit mir besprochen wurden.)
So kommt der Text also auch in der 'Sonntagszeitung'. Die hatten ja wenigstens gefragt :-)
Einen guten 1. Mai -
Herzlich
Dein Wiglaf“

So ist das heutzutage in der bundesdeutschen Verlagslandschaft, die sich so gerne öffentlich um die Interessen der „Kreativen“ zu tun macht und in Wahrheit bei Leistungsschutz- und Urheberrechtsreformen nur an die eigenen Profite denkt: Die Autoren bekommen ihre ohnedies nicht sehr üppigen Honorare nur noch einmal bezahlt, dann gehören die Texte den Verlagskonsortien und dürfen ohne weitere Bezahlung, ja sogar ohne weitere Mitteilung allüberall abgedruckt werden. Der Verleger erwirbt mit einer geringen Einmalzahlung Inhalte für all seine Publikationen – ein fürwahr profitables Modell. Nur leider nicht für diejenigen, die die Texte herstellen, also für die Autor*innen, die vielzitierten „Kreativen“ – die schauen bei dieser Mehrfachausbeutung ihrer Werke in die Röhre.

11.05.2017

Egon Bahr sagte...

Ein sehr kluges Wort eines großen und glaubwürdigen Politikers, das nicht nur für Politiker Gültigkeit hat:
„Wenn ein Politiker anfängt, über ‚Werte‘ zu schwadronieren, anstatt seine Interessen zu benennen, wird es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.“
(Egon Bahr)

11.05.2017

EsPeDe: Der Mann, der über Wasser gehen kann, kann weder Wahlen gewinnen noch rechnen

Und die EsPeDe?
Ach…
Der Mann, der, wenn man den Parteifunktionären und einigen Medien Glauben schenken darf, über Wasser gehen kann, kann allerdings, wie man jetzt schon zum zweiten Mal feststellen konnte, keine Wahlen gewinnen.
Und Rechnen kann er auch nicht, wie sein Diktum beweist, daß er niemals nicht eine Regierung mit den „Linken“ (also den eigentlichen Sozialdemokraten) bilden werde. Wie denn sonst? Die SPD liegt bundesweit aktuell bei den Umfragen zwischen 27 und 29 Prozent. Die Grünen (die längst eher der Merkel-CDU zuneigen) liegen bei 7 bis 8 Prozent. Macht zusammen zwischen 34 und 37 Prozent. Nur zur Info an den Mann, der über Wasser gehen kann: Mit ca.  35 Prozent der Wählerstimmen kann man nicht Kanzler werden…

11.05.2017

Migranten gründen Firmen!

Interessanter Artikel im „Economist“ (vom 4.2.2017) über „Startup-Kultur“:
„Almost half the new businesses in Germany are launched by immigrants.“

11.05.2017

Bundesregierung betreibt Verbot von Adblockern

Die Bundesregierung betreibt – nicht zuletzt auf Druck der Medienindustrie - ein Verbot von Adblockern.
Wenn es um „Freiheit“ geht, ist eben immer nur die Freiheit der Konzerne gemeint, möglichst ungehindert Profite zu machen, und nie die Freiheit der sogenannten Konsumenten, selbst zu entscheiden, von welcher Werbung sie behelligt werden wollen oder eben nicht.
Dabei ist die Sachlage doch ganz einfach: Die Medienangebote können ja gegen Adblocker geschützt werden. So macht es beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“: „Vielen Dank, daß Sie SZ.de besuchen! ...aber bitte deaktivieren Sie Ihren Adblocker für unsere Seite, damit Sie weiterlesen können“, heißt es, wenn man deren Internetauftritt besucht. Und man entscheidet sich dann dagegen, den Adblocker zu deaktivieren, und verzichtet künftig eben aus freien Stücken auf SZ.de...
Warum diese Entscheidung den User*innen durch ein staatliches Gesetz abgenommen werden soll, ist einer Demokratie, in der Bürger*innen frei entscheiden können, jedenfalls einiger,aßen unwürdig. Denn diese Bürger*innen sind mündig und können sehr gut selbst entscheiden, welche Inhalte sie zu welchen Bedingungen nutzen wollen.
Ich überweise zum Beispiel lieber eine Spende an den Guardian oder an den Perlentaucher (und verzichte u.a. auf SZ.de oder Sport1.de), statt mich von nutzloser Werbung belästigen zu lassen. Andere mögen sich anders entscheiden. Aber ich möchte selbstbestimmt im Netz agieren können. Ein „freies Spiel“ der Kräfte sozusagen – die Regierung ist doch sonst so marktgläubig, warum eigentlich nie, wenn es um die sogenannten Medien geht?
(das war jetzt eine rhetorische Frage...)

11.05.2017

Geschichte wird geschrieben...

Was zunehmend nervt in den Medien, ist das ständige Gerede davon, daß wieder einmal Geschichte geschrieben wurde. Aber meistens wurde die Geschichte auf äußerst banale Art und Weise geschrieben:
etwa dadurch, daß das erste Mal seit ein paar Jahren kein deutscher Handballverein am Final Four des Europacups teilnimmt,
oder wenn der erste Liechtensteiner in der Fußball-Bundesliga spielt,
oder wenn ein Enriko Kehl sich als erster Deutscher den K-1 World-Titel sichert im Rückkampf gegen einen Buakaw Banchamek,
oder wenn die langsamste Rundenzeit seit Anbeginn des Auto-Rennspoprts gefahren wurde.
Oder im Dörfchen Oberschwillach im Landkreis Erding am 28.4.2017 um 16:26 Uhr: Da wurde nämlich laut „Merkur.de“ Geschichte geschrieben, weil die Oberschwillacher Maiburschen das erste Mal einen Maibaum aufgestellt haben. Die Geschichtsbücher werden aktualisiert werden müssen, das steht fest!

04.05.2017

Sigmar Gabriel und die ersten Opfer des Holocausts

History according to Siggi Pop:
„Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocaustes“, schrieb Sigmar Gabriel, deutscher Außenminister und gescheiterter SPD-Vorsitzender, in der „Berliner Zeitung“ (der gescheiterte Versuch, die deutsche Sprache zu verwenden, steht so im Original).
Damit hat sich Gabriel endgültig disqualifiziert. Ich will jedenfalls nicht, daß jemand, der so denkt und so daherquasselt wie Gabriel, noch irgendwo in der Welt im Namen des komischen Landes auftritt, dessen Bürger ich bin.
Das Außenministerium schob laut „Perlentaucher“ übrigens nach: es hätte statt „des Holocaustes“ in Wirklichkeit „der Nationalsozialisten“ heißen müssen. Sowas kann ein sozialdemokratischer deutscher Außenminister ja wohl mal verwechseln...

07.04.2017

Plisch und Plum, diese beiden, kämpfen für die Profite der Kulturindustrie...

Plum hat einen neuen Plisch gefunden.
Nachdem ihm der ehemalige VUT-Chef Chung weggelaufen ist, stand Gorny mit seiner Inkontinenz-Allianz eine Weile allein da, nun aber, Gottseidank, hat er einen neuen Verbündeten gefunden, und das ist naheliegenderweise der Chef des Axel Springer-Konzerns, Mathias Döpfner.
Und so plischen und plummen die beiden Granden der Bewußtseinsindustrie durch einen riesigen Raum, der den Herren kostenlos von der „FAZ“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Und wenn Plisch und Plum von den „Kreativen“ reden, meinen sie wie gewohnt natürlich nicht die Künstler*innen, sondern die Kulturindustrie, also diejenigen, die mit den Werken Profit machen.
So geht Lobbyismus. Und die Qualitätspresse macht Dienerchen. Alles wie immer, nur schlimmer.

06.04.2017

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten... außer Heiko Maas!

Die Bundesregierung hat das von Justizminister Heiko Maas (SPD) entworfene Gesetz gegen „Hate Speech“ im Internet verabschiedet. Was hat es mit dem Gesetz auf sich? Ist es blanker Populismus, oder wird eine private „Meinungspolizei“ eingeführt? Ich würde sagen: beides.
Klar ist: ein derartiges Gesetz ist im Grunde völlig überflüssig. Es gibt einschlägige gesetzliche Regelungen zu Beleidigungen, Volksverhetzung und alles, was dazu gehört. Diese gesetzlichen Regelungen gelten natürlich auch für das Netz und reichen mithin völlig aus.
Wenn die Regierung unter Führung ihres sozialdemokratischen Justizministers also eigens ein Gesetz gegen Hate Speech im Netz verabschiedet, hat es rein populistische Gründe – oder es geht um mehr: Denn eigentlich will die Bundesregierung hier ein Exempel statuieren, es geht darum, die Justiz zu privatisieren. Nicht mehr die Justiz soll etwaige Gesetzesverstöße verfolgen, wie es eigentlich die Grundlage unserer Verfassung ist – nein, Maas und die Regierung wünschen sich, daß die Internetkonzerne selbst Polizei spielen. Es geht hier um die staatliche Einsetzung einer privaten Gesinnungspolizei, jenseits aller rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeiten.
Man kann sich schon vorstellen, wie das genau abläuft: Facebook, Google & Co. werden nämlich Vorsicht walten lassen und alles, was auch nur im Entferntesten „gefährlich“ klingt, im Vorfeld löschen. Die Zensur wird von Algorithmen ausgeübt, die freie Meinungsäußerung massiv eingeschränkt, und diese Zensur findet bereits bei den privaten Konzernen statt.
Wo kann man so etwas heute bereits erleben? In China beispielsweise, wo die berühmte „great Firewall“ existiert (und von praktisch allen Menschen, die das Web nutzen, per VPN umgangen wird...). Niemand beabsichtigt, eine Mauer zu bauen? Nun, Heiko Maas macht den Ulbricht und läßt eine neue Mauer errichten. Eine „Berlin Firewall“ sozusagen.

04.04.2017

"Soldaten sind Mörder" (Kurt Tucholsky)

Im syrischen Dorf Al-Mansura haben US-Kampfbomber am 20.März 2017 eine Schule bombardiert und mindestens 33 Zivilisten getötet, darunter 30 Frauen und Kinder.
Involviert in den „verheerenden Luftschlag“ („FAZ“) ist die deutsche Bundeswehr: Deutsche Tornado-Jets haben das Ziel vor dem Angriff ausgespäht und die Fotos an die von den USA geführte „Anti-IS-Koalition“ geliefert.
„Soldaten sind Mörder“, schrieb Kurt Tucholsky 1931. Und dieser Satz ist so gültig und so aktuell wie eh und je. Und er gilt nicht nur für diejenigen, die mit einer Waffe an irgendeiner Front stehen, sondern auch für all diejenigen, die Bomben auf Schulen werfen, und für all diejenigen, die irgendwelche Knöpfe betätigen, mit denen ferngelenkte Waffen abgeschossen werden, und auch für all diejenigen, die mit ihren Tornado-Jets Ziele ausspähen, damit diese dann mit Bomben zerstört werden können. Und der Satz gilt vor allem auch für all diejenigen, die die dazugehörigen Befehle erteilen: Also für die Offiziere und Generäle wie für die Politiker*innen, die die entsprechenden Einsätze ermöglichen. Im Fall des syrischen Dorfes Al-Mansura also für CDU/CSU und SPD sowie drei Abgeordnete der Grünen, die im Dezember 2015 den Einsatz der Bundeswehr-Tornados in Syrien beschlossen haben.

01.04.2017

Aktuelle weibliche Beiträge zur deutschen Popkultur

Es fällt auf, daß einige der interessanteren Beispiele zur aktuellen deutschen Popkultur, die gleichzeitig zu den wenigen dieser Beiträge zählen, die sich mit der Gesellschaft und ihrer möglichen Veränderung beschäftigen, von Frauen stammen: Christiane Rösingers tolles neues Album etwa (mit dem doppelbödigen Song „Eigentumswohnung“, bitte das Video beachten!), oder die ästhetisch ganz anders daherkommenden Doctorella, oder auch die ästhetisch wiederum völlig andere, famose Gruppe „Gewalt“ (deren andere Bandmitglieder neben Patrick Wagner ja Frauen sind, und das hat gute Gründe, wie Wagner gerade in einem taz-Interview berichtet hat), oder, um nicht nur Berliner Bands zu nennen, die Münchner Gruppe Candelilla. All das macht Hoffnung.

Von Christiane Rösinger ist dieser Tage auch ein neues Buch erschienen, in dem sie von ihrer Arbeit als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Geflüchtete berichtet. Ganz ehrlich: ich mag diesen alternativ-plauderigen Sound des Buches nicht so richtig, inhaltlich ist es aber Klasse, und dann entstehen just aus diesem Sound immer wieder auch Formulierungen, die man sich anstreicht und unbedingt weitergeben will. Zum Beispiel diese feine, kleine Beobachtung angesichts der von den Medien besorgt herbeigeschriebenen „Flüchtlingskrise“ und des befürchteten Untergang des Abendlands:
Seit die Neuköllner Sonnenallee noch ein bißchen „morgenländischer“ geworden ist, „will alle Welt hier wohnen. Im Gegensatz zu den Gegenden, in denen die AfD ihre besten Ergebnisse erzielt.“

 

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