07.04.2017

Plisch und Plum, diese beiden, kämpfen für die Profite der Kulturindustrie...

Plum hat einen neuen Plisch gefunden.
Nachdem ihm der ehemalige VUT-Chef Chung weggelaufen ist, stand Gorny mit seiner Inkontinenz-Allianz eine Weile allein da, nun aber, Gottseidank, hat er einen neuen Verbündeten gefunden, und das ist naheliegenderweise der Chef des Axel Springer-Konzerns, Mathias Döpfner.
Und so plischen und plummen die beiden Granden der Bewußtseinsindustrie durch einen riesigen Raum, der den Herren kostenlos von der „FAZ“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Und wenn Plisch und Plum von den „Kreativen“ reden, meinen sie wie gewohnt natürlich nicht die Künstler*innen, sondern die Kulturindustrie, also diejenigen, die mit den Werken Profit machen.
So geht Lobbyismus. Und die Qualitätspresse macht Dienerchen. Alles wie immer, nur schlimmer.

06.04.2017

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten... außer Heiko Maas!

Die Bundesregierung hat das von Justizminister Heiko Maas (SPD) entworfene Gesetz gegen „Hate Speech“ im Internet verabschiedet. Was hat es mit dem Gesetz auf sich? Ist es blanker Populismus, oder wird eine private „Meinungspolizei“ eingeführt? Ich würde sagen: beides.
Klar ist: ein derartiges Gesetz ist im Grunde völlig überflüssig. Es gibt einschlägige gesetzliche Regelungen zu Beleidigungen, Volksverhetzung und alles, was dazu gehört. Diese gesetzlichen Regelungen gelten natürlich auch für das Netz und reichen mithin völlig aus.
Wenn die Regierung unter Führung ihres sozialdemokratischen Justizministers also eigens ein Gesetz gegen Hate Speech im Netz verabschiedet, hat es rein populistische Gründe – oder es geht um mehr: Denn eigentlich will die Bundesregierung hier ein Exempel statuieren, es geht darum, die Justiz zu privatisieren. Nicht mehr die Justiz soll etwaige Gesetzesverstöße verfolgen, wie es eigentlich die Grundlage unserer Verfassung ist – nein, Maas und die Regierung wünschen sich, daß die Internetkonzerne selbst Polizei spielen. Es geht hier um die staatliche Einsetzung einer privaten Gesinnungspolizei, jenseits aller rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeiten.
Man kann sich schon vorstellen, wie das genau abläuft: Facebook, Google & Co. werden nämlich Vorsicht walten lassen und alles, was auch nur im Entferntesten „gefährlich“ klingt, im Vorfeld löschen. Die Zensur wird von Algorithmen ausgeübt, die freie Meinungsäußerung massiv eingeschränkt, und diese Zensur findet bereits bei den privaten Konzernen statt.
Wo kann man so etwas heute bereits erleben? In China beispielsweise, wo die berühmte „great Firewall“ existiert (und von praktisch allen Menschen, die das Web nutzen, per VPN umgangen wird...). Niemand beabsichtigt, eine Mauer zu bauen? Nun, Heiko Maas macht den Ulbricht und läßt eine neue Mauer errichten. Eine „Berlin Firewall“ sozusagen.

04.04.2017

"Soldaten sind Mörder" (Kurt Tucholsky)

Im syrischen Dorf Al-Mansura haben US-Kampfbomber am 20.März 2017 eine Schule bombardiert und mindestens 33 Zivilisten getötet, darunter 30 Frauen und Kinder.
Involviert in den „verheerenden Luftschlag“ („FAZ“) ist die deutsche Bundeswehr: Deutsche Tornado-Jets haben das Ziel vor dem Angriff ausgespäht und die Fotos an die von den USA geführte „Anti-IS-Koalition“ geliefert.
„Soldaten sind Mörder“, schrieb Kurt Tucholsky 1931. Und dieser Satz ist so gültig und so aktuell wie eh und je. Und er gilt nicht nur für diejenigen, die mit einer Waffe an irgendeiner Front stehen, sondern auch für all diejenigen, die Bomben auf Schulen werfen, und für all diejenigen, die irgendwelche Knöpfe betätigen, mit denen ferngelenkte Waffen abgeschossen werden, und auch für all diejenigen, die mit ihren Tornado-Jets Ziele ausspähen, damit diese dann mit Bomben zerstört werden können. Und der Satz gilt vor allem auch für all diejenigen, die die dazugehörigen Befehle erteilen: Also für die Offiziere und Generäle wie für die Politiker*innen, die die entsprechenden Einsätze ermöglichen. Im Fall des syrischen Dorfes Al-Mansura also für CDU/CSU und SPD sowie drei Abgeordnete der Grünen, die im Dezember 2015 den Einsatz der Bundeswehr-Tornados in Syrien beschlossen haben.

01.04.2017

Aktuelle weibliche Beiträge zur deutschen Popkultur

Es fällt auf, daß einige der interessanteren Beispiele zur aktuellen deutschen Popkultur, die gleichzeitig zu den wenigen dieser Beiträge zählen, die sich mit der Gesellschaft und ihrer möglichen Veränderung beschäftigen, von Frauen stammen: Christiane Rösingers tolles neues Album etwa (mit dem doppelbödigen Song „Eigentumswohnung“, bitte das Video beachten!), oder die ästhetisch ganz anders daherkommenden Doctorella, oder auch die ästhetisch wiederum völlig andere, famose Gruppe „Gewalt“ (deren andere Bandmitglieder neben Patrick Wagner ja Frauen sind, und das hat gute Gründe, wie Wagner gerade in einem taz-Interview berichtet hat), oder, um nicht nur Berliner Bands zu nennen, die Münchner Gruppe Candelilla. All das macht Hoffnung.

Von Christiane Rösinger ist dieser Tage auch ein neues Buch erschienen, in dem sie von ihrer Arbeit als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Geflüchtete berichtet. Ganz ehrlich: ich mag diesen alternativ-plauderigen Sound des Buches nicht so richtig, inhaltlich ist es aber Klasse, und dann entstehen just aus diesem Sound immer wieder auch Formulierungen, die man sich anstreicht und unbedingt weitergeben will. Zum Beispiel diese feine, kleine Beobachtung angesichts der von den Medien besorgt herbeigeschriebenen „Flüchtlingskrise“ und des befürchteten Untergang des Abendlands:
Seit die Neuköllner Sonnenallee noch ein bißchen „morgenländischer“ geworden ist, „will alle Welt hier wohnen. Im Gegensatz zu den Gegenden, in denen die AfD ihre besten Ergebnisse erzielt.“

 

28.03.2017

Vom Untergang des Abendlands

Top-Bestseller in einem der führenden unabhängigen Buchläden Chinas: Englische Version von Oswald Spenglers "Der Untergang des Abendlandes" von 1918/1922.

28.03.2017

Deutschlands Fernsehen Weltklasse!

„Wir haben in Deutschland das beste Fernsehen der Welt.“
Sagt der deutsche Fernsehschauspieler Heiner Lauterbach.
Wo? Im Deutschen Bundestag. Im Ernst jetzt.

28.03.2017

Röhrenjeans statt Frack

Auch die Rezensionen klassischer Konzerte geben mitunter Rätsel auf oder können erheitern:
Christiane Tewinkel schreibt im Berliner „Tagesspiegel“ über ein Konzert des Dirigenten Teodor Currentzis und des MusicAeterna-Orchesters, und sie beginnt mit dem Wichtigsten, denn den wichtigsten Satz soll man ja bekanntlich immer zuerst aufschreiben:
„Teodor Currentzis trägt keinen Frack wie andere Dirigenten, sondern Röhrenjeans.“
Wie jetzt – stülpt er sich die Röhrenjeans irgendwie über den Kopf, oder wie darf man das verstehen, daß er sie „statt“ des Fracks trägt? Und untenrum? Was trägt er untenrum, wenn seine Röhrenjeans ja schon oben als Frackersatz dient?
Rätsel über Rätsel.

28.03.2017

Erdogan, Nazis und Tamagotchis

Mein Freund Wiglaf Droste versteht es wie kaum ein anderer, die Dinge kunstvoll geschliffen und ebenso vergnüglich auf den Punkt zu bringen. Zum Thema „Erdogan und die Nazis“ beginnt seine aktuelle Kolumne so:
„Wenn führende Repräsentanten einer Kultur, zu deren Lieblingsbeleidigungen ein ödes »Mutterficker!« genauso gehört wie das immerhin etwas originellere »Sohn eines ungewaschenen Eselspimmels!« die Vertreter einer Gesellschaftsform, die in der Kunst der Beleidigung selten über »Arschloch!«, »Wichser!«, »Hurensohn!« oder »Schweinehund!« hinauskommt, als »Nazis!« beschimpft oder ihnen »Nazimethoden!« vorwirft, hat das die Relevanz eines Tamagotchi-Kläffens.“
Aber natürlich kann kein erbärmliches Tamagotchi-Kläffen weit genug entfernt sein, als daß nicht die hiesige Politik endlos darüber schwadronieren und die hiesigen Medien ausführlichst darüber berichten würden. Man könnte sagen: sie haben nichts anderes zu tun, oder: ihnen fällt sonst nichts ein. Wahrscheinlicher aber ist, daß sie so von all den wahren Problemen und Skandalen dieser Gesellschaft abzulenken suchen, mit denen sich auseinanderzusetzen ihnen wenig wünschenswert erscheint.
(den kompletten Erdogan/Nazi-Text von Wiglaf Droste vom 18.3.2017 finden Sie hier)
 

17.03.2017

Filmförderung: Stupid German money...

„Stupid German money“ – so lautete einige Jahr lang der Begriff für die deutschen Filmfördermittel, an denen sich Hollywood bedienen konnte, wenn Großproduktionen mit Brad Pitt, Tom Cruise usw. in Babelsberg oder München hierzulande abgedreht wurden. Es war schon klar: für besonders smart oder gar intelligent hielt die US-Filmindustrie die Deutschen nicht, die ihnen das Geld wahlweise in den Rachen warfen oder in den Hintern schoben.
Dann war es damit vorbei, die Bundesregierung plante, die Filmförderung bis 2017 ganz einzustellen, und die Großproduktionen wanderten nach Prag oder nach Großbritannien ab, je nachdem, wer gerade mit den höchsten Zuschüssen warb. Die Serie über die Berliner Charité wurde beispielsweise in Prag gedreht.
Das wollten die deutschen Kulturpolitker*innen nicht hinnehmen, und vor allem hat wohl jemand Finanzminister Schäuble erklärt, daß mit jeder Million, die er an Zuschüssen zahlt, ein paar Millionen Einnahmen in Deutschland bleiben, denn das ist mittlerweiel part of the deal: es muß vom Förderempfänger nachgewiesen werden, daß die Produktion ihr Geld in Deutschland ausgegeben hat.
Nun wurde der Filmfördertopf nicht auf null gesetzt, wie ursprünglich geplant, sondern glatt verdoppelt: Statt 75 Millionen Euro sollen 2017 150 Millionen Euro fördern. Doch hierbei geht es natürlich nicht um Kultur, sondern einzig um Wirtschaftsförderung. 25 Millionen, also gerade einmal ein Sechstel der Fördersumme, wird für die kulturelle Förderung von Filmen eingesetzt. 50 Millionen gehen an den Kinomainstream, also den Deutschen Filmförderfonds (DFFD). Die Hälfte der verdoppelten Fördersumme geht dagegen erstmals an einen neuen Fördertopf namens DFFF2, und zwar ausdrücklich für Großproduktionen, und zwar mit besonderem Augenmerk auf spezialeffektlastige Projekte. Dieser Topf, Hanns-Georg Rodek hat in der „Welt“ darauf hingewiesen, „ist eine Art Lebensversicherung für die deutschen Filmstudios von Babelsberg über München bis Köln. Damit sollen die teuren deutschen Großproduktionen repatriiert werden.“
Wird es dem deutschen Film nutzen? Natürlich nicht. Das deutsche Kino bleibt, wie Jens Friebe eindrucksvoll gesungen hat, das schlechteste der Welt. Auch weiterhin wird jeder noch so ambitionierte deutsche Film, der das staatliche Subventionskino verläßt, nach Tatort, Keinohrhasen und Bergdoktor aussehen, sie können einfach nicht anders. Aber kulturelle Ambitionen hat die Bundesregierung natürlich sowieso keine. It’s the economy, stupid!

17.03.2017

Wer zahlt für die radioaktiven Altlasten in den nächsten 100.000 Jahren?

Wer zahlt eigentlich für die radioaktiven Altlasten, also für die Lagerung der hochradioaktiven Abfälle? Raten Sie mal. Natürlich nicht die Atomkonzerne, die Riesenprofite gemacht haben. Denn die Bundesregierung hat sich dieser Tage mit den Atomkonzernen RWE, Vattenfall, E.on und EnBW darauf geeinigt, daß die AKW-Betreiber von der Haftung für ihre Atomwirtschaft weitgehend befreit wurden. Sie zahlen 23,55 Milliarden Euro in einen Fonds ein und sind damit aus dem Schneider. Das Geld wird laut Bundesregierung für die Lagerung des Atommülls bis zum Jahr 2099 reichen. Und dann? Wird die öffentliche Hand für den Betrieb der Endlager zuständig sein. Für weitere 100.000 Jahre. Theoretisch, denn wer wollte schon darauf wetten, daß die Menschheit noch so lange existieren wird...
Ach ja: Die Atomkonzerne klagen weiter auf Schadensersatz wegen des Atomausstiegs. Und gegen die Brennelementesteuer. Das dürfte ihnen 11 Milliarden einbringen. Profit wird hierzulande eben immer privatisiert, Kosten dagegen werden vergesellschaftet...
(unter Verwendung eines Artikels von Wolfgang Pomrehn in der jw)

14.03.2017

Wie bei der Oscar-Verleihung ein Wirtschaftsprüfungskonzern mal einen Briefumschlag verwechselt hat...

Bei der Oscar-Verleihung haben sie also einen Umschlag mit den Preisträgern verwechselt.
Da konnte das hiesige Feuilleton aber mächtig dankbar sein und wochenlang ausführlich darüber berichten, man hat ja sonst keine Probleme.
Was nur selten zu lesen war: Zuständig für die Verwechslung waren Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfungskonzerns PricewaterhouseCoopers, jenes Konzerns, der russischen Oligarchen Persilscheine ausgestellt hat (siehe Yukos), der beispielsweise dem Management der in Bundesbesitz befindlichen und von der Hypo Real Estate ausgegliederten „Bad Bank FMS Wertmanagement“ (über diesen Namen könnte man einen eigenen Essay schreiben...) eine einwandfreie Bilanz attestiert hat, obwohl es dort im fraglichen Geschäftsjahr zu einem Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro gekommen ist, und des Konzerns, der Hand in Hand mit den luxemburgischen Steuerbehörden zwischen 2002 und 2010 verbindliche Steuer-Vorbescheide abgeschlossen hat, die 343 Konzernen drastische Steuerersparnisse ermöglicht haben, u.a. Apple, Amazon, Pepsi, Ikea oder Deutscher Bank. Sie werden sich vielleicht an den „Luxemburg-Leaks-Skandal“ erinnern.
PricewaterhouseCoopers war und ist immer mittenmang bei der sogenannten „Steuerberatung“; bei „Corporate Finance“ und bei finanzieller „Krisenbewältigung“. Daß die irgendwelche Oscar-Umschläge verwechseln, ist wirklich das geringste Problem mit diesem Konzern.
Ach ja: Der Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen PricewaterhouseCoopers AG ist eines der 16 Mitglieder der KEF, also des Gremiums, das alle zwei Jahre den gesamten Finanzierungsbedarf von ARD und ZDF überprüft und festlegt, ein Gremium von lauter „unabhängigen Sachverständigen“...

14.03.2017

Mandoki, Audi, FC Bayern, CDU und Dschingis Khan

„Leslie Mandoki ist einer der bekanntesten Musik-Produzenten Europas“, jubelt der staatliche Radiosender „Antenne Brandenburg“, und er „komponiert Musik für Audi, den FC Bayern München und die CDU“, ein richtiger Staatskünstler also. Audi, FC Bayern und die CDU, ein echt deutsches ABC der Top-Adressen.
Einmal Dschingis Khan, immer Dschingis Khan.

14.03.2017

Udo Fröhliche!

Ob Udo Lindenberg auch schon für Audi, den FC Bayern und die CDU komponiert hat, kann ich nicht sagen. In einer Anzeige wird jedenfalls das neue Buch von und mit und über Udo Lindenberg angepriesen: „Alle Seiten des Panik-Rockers“ soll es zeigen, und es heißt, wie drollig, „Udo Fröhliche!“ Untertitel: „Das neue Lindenberg-Lexikon von Benjamin von Stuckrad-Barre.“ Ein, im Ernst jetzt, „Bild“-Buch. Also „Bild“ im Sinne von „Blöd“ nach der gleichnamigen Zeitung, Sie wissen schon.
Glauben Sie nicht? Bitte schauen Sie unter udo.bild.de, es gibt Sachen, die kann unsereiner nicht erfinden.

14.03.2017

Bär Läsker, Frank Zander, Gänsebraten und eingefleischte Veganer

Auch so eine Figur ist der sogenannte Bär Läsker, bekannt geworden als Manager der Musikgruppe „Die Fantastischen Vier“ (deren Logo er sich im Oberarm eintätowieren hat lassen, als stete Erinnerung, wer seine Schecks bezahlt, sozusagen – Sie glauben nicht, welche Bandnamen ich mir in den Oberarm und andernorts habe tätowieren lassen!...) und als Castingshow-Heini. Neuerdings ist der Herr auf dem Vegan-Trip, hat ein Buch zu dem Thema veröffentlicht und ist dabei, die fleischfressende Welt zu missionieren. Unter anderem mit großartigen Weisheiten a la „Latte macchiato ist die Ursuppe der Volkskrankheiten“ oder „Nein zum Tier bedeutet: Ja zu gut.“

In der Woche vor Weihnachten organisiert der Unterhaltungskünstler Frank Zander in Berlin seit etlichen Jahren ein Benefiz-Festmahl für Obdachlose und kredenzt ihnen Gänsebraten. Und was hatte der eingefleischte Berlin-Hasser Bär Läsker („...in Berlin funktioniert nichts, außer Party machen. Vier Tage feiern, das Geld raushauen – das geht in Berlin, Geld verdienen nicht. ... Noch nie habe ich so gespürt, daß ich Schwabe bin“, alle Zitate bis hier „FAS“) beizutragen? Hat er sich angeboten, bei dem Benefiz-Essen für Obdachlose mitzuhelfen und ihnen beispielsweise selbst kreierte vegane Speisen kostenlos zu servieren? I wo. Empathie ist dem Schwaben natürlich ein Fremdwort. Ihm ging es nur darum, Zander anzupinkeln: Ganz toll, Herr Zander. Das bedeutet, viele hundert Gänse mussten ihr Leben lassen. Aber jetzt ist er wieder ein Held. Die Obdachlosen hätten sich auch über vegane Buletten mit dunkler Soße, Rotkohl und Kartoffelknödel gefreut. Und über einen Mandelmilch-Zimtpudding hinterher. Und kein Tier hätte sterben müssen“, schrieb Läsker auf der Fressenkladde (und ließ den Beitrag paar Tage später löschen).

Läsker hat natürlich völlig Recht, in allen Berichten über das Benefiz-Essen konnte man verzweifelte Obdachlose sehen, die sich heulend und jammernd gegen den von Zander servierten Gänsebraten wehrten und verdammt traurig aussahen, daß sie schon wieder Fleisch essen mußten.
Wie wäre es denn, wenn der Schwabe selbst mit angefaßt und seine tolle Menüidee den Obdachlosen angeboten hätte? Ach ja, ich vergaß, mit so etwas läßt sich natürlich kein „Geld verdienen“...
Manche Gestalten demontieren sich selbst. Und wir dürfen zuschauen und alles dann im mehrbändigen Ordner „erledigte Fälle“ abheften.

14.03.2017

David Bowie stirbt in Madagaskar

Im Jahresrückblicks-Heft des Berliner Stadtmagazins „Zitty“ las ich einen der traurigsten Beiträge des Jahres, nämlich von einer Stephanie Grimm, über ihren „Großen Moment 2016“, und der war für sie der Tod von David Bowie am 11.Januar:
„Das kann nicht sein! Wo doch der Welterklärer meiner Jugend gerade so präsent war: neues Album! Geburtstagssause! Wenig später sitze ich im Flugzeug nach Madagaskar und kann nicht einmal eine Blume in der Hauptstraße ablegen. (...) Nie habe ich Berlin so vermißt, nie war ich so dankbar für das Netzwerk. Auf der Insel weiß niemand, wer Bowie überhaupt ist. Die ersten Abende verbringe ich mit wackeligen W-LAN in einem Garten zwischen Schildkröten und Chamäleons und kann nicht genug davon kriegen, was die Blase postet. Am Ende der Reise finden wir zufällig doch noch einen Ort für Trauerarbeit. Mit dem Boot landen wir in einer Bucht, dort wartet ein sehr schwuler Italiener, Lidschatten und Hotpants, am Strand. In seinem Hostel ist jeden Tag Bowie-Gedenktag, von morgens bis Mitternacht.“
Also, was für traurige Leben manche Menschen doch haben müssen. Da fliegen sie extra nach Madagaskar, eine der auf vielen Ebenen tollsten Inseln der Erde, und das gilt nicht zuletzt für die feine, großartige Musik, die seit jeher aus Madagaskar kommt (Tarika! Mahaleo! Matrimbala! Vaovy! Rakotozafy! um nur mal einige zu nennen...). Und dann sitzen sie dort vor ihren Computern und Smartphones, um tagein tagaus zu verfolgen, „was die Blase postet“, weil Bowie gestorben ist, anstatt am blühenden und wilden Leben teilzuhaben, das vor ihrer Gartentür pulsiert.
Und da soll man nicht zum Kulturpessimisten werden...

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