11.05.2017

Jimmy Chamberlin (Smashing Pumpkins) über Streaming und Plattenfirmen

Der Musiker Jimmy Chamberlin (Smashing Pumpkins) über Streaming:

„Streaming ist eine Riesenchance für Musiker. Wenn die Radiostationen früher einen Siong gespielt haben, wurde man einmal bezahlt. Auch wenn 100.000 Leute das Lied gehört haben. Heute wird man 100.000-mal bezahlt. Natürlich sind es kleinere Beträge, aber die Marktsättigung liegt auch erst bei zehn Prozent.“

...und über Plattenfirmen:

„...es war nie fair. Die Plattenfirmen waren noch nie die Freunde der Musiker.“

(Interview in „Der Tagesspiegel“, 8.5.2017)

11.05.2017

Urheberrecht in der Praxis - so werden Autoren um ihre Honorare beduppt!

Vor kurzem erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ ein großartiger, langer Artikel meines Freundes Wiglaf Droste unter der Überschrift „Des Lebens Saftigkeit“:
„Am Anfang kochte Gott Himmel und Erde. Dann wurde aus Essen Kunst. Eine Reise zu den Sensationen des Kulinarischen und zu einer Gesellschaft, die sich auf unappetitliche Weise vom bodenständigen Genuß entfremdet.“
Ich las den Artikel in China, via „Blendle“ (warum müssen diese Internetdinger eigentlich immer schwäbisch-verniedlichende Namen tragen? Blendle? Kindle?...), und gratulierte Wiglaf zu dem schönen Text und zur Veröffentlichung.
Seine Antwort ist interessant und darf ich mit seinem Einverständnis hier zitieren:

„Lieber Berthold,
(...) klingt prima, war zwar bloß so einigermaßen honoriert (aber dem hatte ich zugestimmt, also stimmt bis dahin alles.)

Perplex war ich allerdings, als Freund Vincent mich aus Stuttgart anrief und mir gratulierte; er hatte den Text in der Sonntagsausgabe der 'Stuttgarter Zeitung' gelesen. Weder hatte die 'SZ'-Redakteurin mündlich oder schriftlich ein Wort darüber verloren, es gab auch keinen Vertrag, noch hatte die 'Stuttgarter Zeitung' gefragt. Da beide Blätter denselben Verleger haben, können Texte weitergegeben werden, ohne Nachfrage, Autorisierung und ohne einen Cent zusätzliches Honorar.
Die Zürcher 'SonntagsZeitung' fragte, ob sie den Text ebenfalls drucken dürfe, ein Honorar werde allerdings nicht gezahlt, da es eine "Verlagskooperation" gebe. Da die Redaktorin mir angenehm war, sagte ich zu und schickte ihr sogar die ganze Version; die 'SZ' hatte aus Platzgründen kürzen müssen (völlig in Ordnung, obwohl die Kürzungen nicht mit mir besprochen wurden.)
So kommt der Text also auch in der 'Sonntagszeitung'. Die hatten ja wenigstens gefragt :-)
Einen guten 1. Mai -
Herzlich
Dein Wiglaf“

So ist das heutzutage in der bundesdeutschen Verlagslandschaft, die sich so gerne öffentlich um die Interessen der „Kreativen“ zu tun macht und in Wahrheit bei Leistungsschutz- und Urheberrechtsreformen nur an die eigenen Profite denkt: Die Autoren bekommen ihre ohnedies nicht sehr üppigen Honorare nur noch einmal bezahlt, dann gehören die Texte den Verlagskonsortien und dürfen ohne weitere Bezahlung, ja sogar ohne weitere Mitteilung allüberall abgedruckt werden. Der Verleger erwirbt mit einer geringen Einmalzahlung Inhalte für all seine Publikationen – ein fürwahr profitables Modell. Nur leider nicht für diejenigen, die die Texte herstellen, also für die Autor*innen, die vielzitierten „Kreativen“ – die schauen bei dieser Mehrfachausbeutung ihrer Werke in die Röhre.

11.05.2017

Egon Bahr sagte...

Ein sehr kluges Wort eines großen und glaubwürdigen Politikers, das nicht nur für Politiker Gültigkeit hat:
„Wenn ein Politiker anfängt, über ‚Werte‘ zu schwadronieren, anstatt seine Interessen zu benennen, wird es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.“
(Egon Bahr)

11.05.2017

EsPeDe: Der Mann, der über Wasser gehen kann, kann weder Wahlen gewinnen noch rechnen

Und die EsPeDe?
Ach…
Der Mann, der, wenn man den Parteifunktionären und einigen Medien Glauben schenken darf, über Wasser gehen kann, kann allerdings, wie man jetzt schon zum zweiten Mal feststellen konnte, keine Wahlen gewinnen.
Und Rechnen kann er auch nicht, wie sein Diktum beweist, daß er niemals nicht eine Regierung mit den „Linken“ (also den eigentlichen Sozialdemokraten) bilden werde. Wie denn sonst? Die SPD liegt bundesweit aktuell bei den Umfragen zwischen 27 und 29 Prozent. Die Grünen (die längst eher der Merkel-CDU zuneigen) liegen bei 7 bis 8 Prozent. Macht zusammen zwischen 34 und 37 Prozent. Nur zur Info an den Mann, der über Wasser gehen kann: Mit ca.  35 Prozent der Wählerstimmen kann man nicht Kanzler werden…

11.05.2017

Migranten gründen Firmen!

Interessanter Artikel im „Economist“ (vom 4.2.2017) über „Startup-Kultur“:
„Almost half the new businesses in Germany are launched by immigrants.“

11.05.2017

Bundesregierung betreibt Verbot von Adblockern

Die Bundesregierung betreibt – nicht zuletzt auf Druck der Medienindustrie - ein Verbot von Adblockern.
Wenn es um „Freiheit“ geht, ist eben immer nur die Freiheit der Konzerne gemeint, möglichst ungehindert Profite zu machen, und nie die Freiheit der sogenannten Konsumenten, selbst zu entscheiden, von welcher Werbung sie behelligt werden wollen oder eben nicht.
Dabei ist die Sachlage doch ganz einfach: Die Medienangebote können ja gegen Adblocker geschützt werden. So macht es beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“: „Vielen Dank, daß Sie SZ.de besuchen! ...aber bitte deaktivieren Sie Ihren Adblocker für unsere Seite, damit Sie weiterlesen können“, heißt es, wenn man deren Internetauftritt besucht. Und man entscheidet sich dann dagegen, den Adblocker zu deaktivieren, und verzichtet künftig eben aus freien Stücken auf SZ.de...
Warum diese Entscheidung den User*innen durch ein staatliches Gesetz abgenommen werden soll, ist einer Demokratie, in der Bürger*innen frei entscheiden können, jedenfalls einiger,aßen unwürdig. Denn diese Bürger*innen sind mündig und können sehr gut selbst entscheiden, welche Inhalte sie zu welchen Bedingungen nutzen wollen.
Ich überweise zum Beispiel lieber eine Spende an den Guardian oder an den Perlentaucher (und verzichte u.a. auf SZ.de oder Sport1.de), statt mich von nutzloser Werbung belästigen zu lassen. Andere mögen sich anders entscheiden. Aber ich möchte selbstbestimmt im Netz agieren können. Ein „freies Spiel“ der Kräfte sozusagen – die Regierung ist doch sonst so marktgläubig, warum eigentlich nie, wenn es um die sogenannten Medien geht?
(das war jetzt eine rhetorische Frage...)

11.05.2017

Geschichte wird geschrieben...

Was zunehmend nervt in den Medien, ist das ständige Gerede davon, daß wieder einmal Geschichte geschrieben wurde. Aber meistens wurde die Geschichte auf äußerst banale Art und Weise geschrieben:
etwa dadurch, daß das erste Mal seit ein paar Jahren kein deutscher Handballverein am Final Four des Europacups teilnimmt,
oder wenn der erste Liechtensteiner in der Fußball-Bundesliga spielt,
oder wenn ein Enriko Kehl sich als erster Deutscher den K-1 World-Titel sichert im Rückkampf gegen einen Buakaw Banchamek,
oder wenn die langsamste Rundenzeit seit Anbeginn des Auto-Rennspoprts gefahren wurde.
Oder im Dörfchen Oberschwillach im Landkreis Erding am 28.4.2017 um 16:26 Uhr: Da wurde nämlich laut „Merkur.de“ Geschichte geschrieben, weil die Oberschwillacher Maiburschen das erste Mal einen Maibaum aufgestellt haben. Die Geschichtsbücher werden aktualisiert werden müssen, das steht fest!

04.05.2017

Sigmar Gabriel und die ersten Opfer des Holocausts

History according to Siggi Pop:
„Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocaustes“, schrieb Sigmar Gabriel, deutscher Außenminister und gescheiterter SPD-Vorsitzender, in der „Berliner Zeitung“ (der gescheiterte Versuch, die deutsche Sprache zu verwenden, steht so im Original).
Damit hat sich Gabriel endgültig disqualifiziert. Ich will jedenfalls nicht, daß jemand, der so denkt und so daherquasselt wie Gabriel, noch irgendwo in der Welt im Namen des komischen Landes auftritt, dessen Bürger ich bin.
Das Außenministerium schob laut „Perlentaucher“ übrigens nach: es hätte statt „des Holocaustes“ in Wirklichkeit „der Nationalsozialisten“ heißen müssen. Sowas kann ein sozialdemokratischer deutscher Außenminister ja wohl mal verwechseln...

07.04.2017

Plisch und Plum, diese beiden, kämpfen für die Profite der Kulturindustrie...

Plum hat einen neuen Plisch gefunden.
Nachdem ihm der ehemalige VUT-Chef Chung weggelaufen ist, stand Gorny mit seiner Inkontinenz-Allianz eine Weile allein da, nun aber, Gottseidank, hat er einen neuen Verbündeten gefunden, und das ist naheliegenderweise der Chef des Axel Springer-Konzerns, Mathias Döpfner.
Und so plischen und plummen die beiden Granden der Bewußtseinsindustrie durch einen riesigen Raum, der den Herren kostenlos von der „FAZ“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Und wenn Plisch und Plum von den „Kreativen“ reden, meinen sie wie gewohnt natürlich nicht die Künstler*innen, sondern die Kulturindustrie, also diejenigen, die mit den Werken Profit machen.
So geht Lobbyismus. Und die Qualitätspresse macht Dienerchen. Alles wie immer, nur schlimmer.

06.04.2017

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten... außer Heiko Maas!

Die Bundesregierung hat das von Justizminister Heiko Maas (SPD) entworfene Gesetz gegen „Hate Speech“ im Internet verabschiedet. Was hat es mit dem Gesetz auf sich? Ist es blanker Populismus, oder wird eine private „Meinungspolizei“ eingeführt? Ich würde sagen: beides.
Klar ist: ein derartiges Gesetz ist im Grunde völlig überflüssig. Es gibt einschlägige gesetzliche Regelungen zu Beleidigungen, Volksverhetzung und alles, was dazu gehört. Diese gesetzlichen Regelungen gelten natürlich auch für das Netz und reichen mithin völlig aus.
Wenn die Regierung unter Führung ihres sozialdemokratischen Justizministers also eigens ein Gesetz gegen Hate Speech im Netz verabschiedet, hat es rein populistische Gründe – oder es geht um mehr: Denn eigentlich will die Bundesregierung hier ein Exempel statuieren, es geht darum, die Justiz zu privatisieren. Nicht mehr die Justiz soll etwaige Gesetzesverstöße verfolgen, wie es eigentlich die Grundlage unserer Verfassung ist – nein, Maas und die Regierung wünschen sich, daß die Internetkonzerne selbst Polizei spielen. Es geht hier um die staatliche Einsetzung einer privaten Gesinnungspolizei, jenseits aller rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeiten.
Man kann sich schon vorstellen, wie das genau abläuft: Facebook, Google & Co. werden nämlich Vorsicht walten lassen und alles, was auch nur im Entferntesten „gefährlich“ klingt, im Vorfeld löschen. Die Zensur wird von Algorithmen ausgeübt, die freie Meinungsäußerung massiv eingeschränkt, und diese Zensur findet bereits bei den privaten Konzernen statt.
Wo kann man so etwas heute bereits erleben? In China beispielsweise, wo die berühmte „great Firewall“ existiert (und von praktisch allen Menschen, die das Web nutzen, per VPN umgangen wird...). Niemand beabsichtigt, eine Mauer zu bauen? Nun, Heiko Maas macht den Ulbricht und läßt eine neue Mauer errichten. Eine „Berlin Firewall“ sozusagen.

04.04.2017

"Soldaten sind Mörder" (Kurt Tucholsky)

Im syrischen Dorf Al-Mansura haben US-Kampfbomber am 20.März 2017 eine Schule bombardiert und mindestens 33 Zivilisten getötet, darunter 30 Frauen und Kinder.
Involviert in den „verheerenden Luftschlag“ („FAZ“) ist die deutsche Bundeswehr: Deutsche Tornado-Jets haben das Ziel vor dem Angriff ausgespäht und die Fotos an die von den USA geführte „Anti-IS-Koalition“ geliefert.
„Soldaten sind Mörder“, schrieb Kurt Tucholsky 1931. Und dieser Satz ist so gültig und so aktuell wie eh und je. Und er gilt nicht nur für diejenigen, die mit einer Waffe an irgendeiner Front stehen, sondern auch für all diejenigen, die Bomben auf Schulen werfen, und für all diejenigen, die irgendwelche Knöpfe betätigen, mit denen ferngelenkte Waffen abgeschossen werden, und auch für all diejenigen, die mit ihren Tornado-Jets Ziele ausspähen, damit diese dann mit Bomben zerstört werden können. Und der Satz gilt vor allem auch für all diejenigen, die die dazugehörigen Befehle erteilen: Also für die Offiziere und Generäle wie für die Politiker*innen, die die entsprechenden Einsätze ermöglichen. Im Fall des syrischen Dorfes Al-Mansura also für CDU/CSU und SPD sowie drei Abgeordnete der Grünen, die im Dezember 2015 den Einsatz der Bundeswehr-Tornados in Syrien beschlossen haben.

01.04.2017

Aktuelle weibliche Beiträge zur deutschen Popkultur

Es fällt auf, daß einige der interessanteren Beispiele zur aktuellen deutschen Popkultur, die gleichzeitig zu den wenigen dieser Beiträge zählen, die sich mit der Gesellschaft und ihrer möglichen Veränderung beschäftigen, von Frauen stammen: Christiane Rösingers tolles neues Album etwa (mit dem doppelbödigen Song „Eigentumswohnung“, bitte das Video beachten!), oder die ästhetisch ganz anders daherkommenden Doctorella, oder auch die ästhetisch wiederum völlig andere, famose Gruppe „Gewalt“ (deren andere Bandmitglieder neben Patrick Wagner ja Frauen sind, und das hat gute Gründe, wie Wagner gerade in einem taz-Interview berichtet hat), oder, um nicht nur Berliner Bands zu nennen, die Münchner Gruppe Candelilla. All das macht Hoffnung.

Von Christiane Rösinger ist dieser Tage auch ein neues Buch erschienen, in dem sie von ihrer Arbeit als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Geflüchtete berichtet. Ganz ehrlich: ich mag diesen alternativ-plauderigen Sound des Buches nicht so richtig, inhaltlich ist es aber Klasse, und dann entstehen just aus diesem Sound immer wieder auch Formulierungen, die man sich anstreicht und unbedingt weitergeben will. Zum Beispiel diese feine, kleine Beobachtung angesichts der von den Medien besorgt herbeigeschriebenen „Flüchtlingskrise“ und des befürchteten Untergang des Abendlands:
Seit die Neuköllner Sonnenallee noch ein bißchen „morgenländischer“ geworden ist, „will alle Welt hier wohnen. Im Gegensatz zu den Gegenden, in denen die AfD ihre besten Ergebnisse erzielt.“

 

28.03.2017

Vom Untergang des Abendlands

Top-Bestseller in einem der führenden unabhängigen Buchläden Chinas: Englische Version von Oswald Spenglers "Der Untergang des Abendlandes" von 1918/1922.

28.03.2017

Deutschlands Fernsehen Weltklasse!

„Wir haben in Deutschland das beste Fernsehen der Welt.“
Sagt der deutsche Fernsehschauspieler Heiner Lauterbach.
Wo? Im Deutschen Bundestag. Im Ernst jetzt.

28.03.2017

Röhrenjeans statt Frack

Auch die Rezensionen klassischer Konzerte geben mitunter Rätsel auf oder können erheitern:
Christiane Tewinkel schreibt im Berliner „Tagesspiegel“ über ein Konzert des Dirigenten Teodor Currentzis und des MusicAeterna-Orchesters, und sie beginnt mit dem Wichtigsten, denn den wichtigsten Satz soll man ja bekanntlich immer zuerst aufschreiben:
„Teodor Currentzis trägt keinen Frack wie andere Dirigenten, sondern Röhrenjeans.“
Wie jetzt – stülpt er sich die Röhrenjeans irgendwie über den Kopf, oder wie darf man das verstehen, daß er sie „statt“ des Fracks trägt? Und untenrum? Was trägt er untenrum, wenn seine Röhrenjeans ja schon oben als Frackersatz dient?
Rätsel über Rätsel.

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