28.03.2017

Boni bei BMW: Zwischen 1 Milliarde und 9.000 Euro

Die Deutsche Presse-Agentur dpa meldet am 21.3.2017, daß die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten von dem Automobilkonzern BMW in Kürze mehr als eine Milliarde Euro Dividende erhalten. BMW hat im vergangenen Jahr 6,9 Milliarden Euro Gewinn verbucht. Nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat soll genau ein Drittel davon als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die beiden Erben des Großindustriellen Herbert Quandt und von dessen dritter Ehefrau Johanna besitzen 46,7 Prozent der BMW-Stammaktien. Von den 2,3 Milliarden Euro Dividende entfallen damit 1,074 Milliarden Euro auf die beiden »Ankeraktionäre« und Multimilliardäre. Das sind 93 Millionen mehr als im Vorjahr.
Auch die 88.000 BMW-Beschäftigten bekommen einen Bonus: Ein Facharbeiter erhalte demnach etwa 9.000 Euro zusätzlich, wie ein Sprecher sagte.

26.06.2016

Immer mehr Reiche, weltweit und in Deutschland

Deutschland hat laut eines Berichts der „FAZ“ immer mehr Millionäre: Laut des „World Wealth Report 2016“ von Capgemini gab es hierzulande 2015 1,2 Millionen Millionäre, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr Millionäre gibt es nur in den USA (4,5 Mio) und in Japan (2,7 Mio., 11% mehr als 2014). In China sind es 1 Mio. (+ 16%), in der Schweiz immerhin noch 400.000.

Weltweit gibt es, wen wunderts, immer mehr Reiche:
0,2 Millionen Menschen besitzen mehr als 30 Millionen US-Dollar.
1,4 Mio. Menschen besitzen 5-30 Mio. US$.
13,8 Mio. Menschen besitzen 1-5 Mio. US$.

Das Gesamtvermögen der Millionäre wurde 2015 auf 59 Billionen Dollar beziffert; nach Einschätzung der Studie wird dies bis zum Jahr 2015 auf 106 Billionen Dollar ansteigen.
Ach ja: eine Billion ist eine Eins mit zwölf Nullen dahinter: 1.000.000.000.000!
(der Bundeshaushalt beträgt im laufenden Jahr 2016 übrigens 316 Mrd. €, also 0,316 Billionen)

21.03.2016

Vermögen der Deutschen laut Bundesbank-Studie

Das Vermögen der Deutschen steigt - doch es ist zunehmend ungleich verteilt: Den oberen zehn Prozent gehören laut einer Bundesbank-Studie 60 Prozent, der unteren Hälfte nur 2,5 Prozent.

In ihrem aktuellen Bericht über Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland wird die Bundesbank deutlich: Bereits in den ersten Absätzen weist sie darauf hin, dass die Ungleichheit in Deutschland deutlich höher ist als im Schnitt der Eurozone - und zwar gleich in mehreren möglichen Messgrößen.

Zum zweiten Mal hat die Bundesbank von April bis November 2014 repräsentativ ausgewählte Haushalte nach ihren Finanzen befragt. Die erste Erhebung fand im Jahr 2010 statt und wurde drei Jahre später veröffentlicht. Schon damals hatte die Bundesbank eine relativ große Vermögenskluft in Deutschland konstatiert. Daran hat sich in den vier Jahren zwischen den Erhebungen kaum etwas geändert. Die Ungleichheit ist sogar noch etwas größer geworden. So besaß 2014 die untere Hälfte der Haushalte lediglich 2,5 Prozent des gesamten Nettovermögens. Den obersten zehn Prozent der Haushalte gehörten hingegen 59,8 Prozent des Vermögens. Im Jahr 2010 waren es noch 59,2 Prozent.

("Spiegel Online", 21.3.2016)

21.03.2016

Lidl - Mindestlohn und megareicher Mann

Am 14.2.2016 eine
ganzseitige Anzeige in der Schweizer „Sonntagszeitung“: „Lidl Schweiz erhöht
erneut den Mindestlohn!“ Und zwar auf 4.100 Schweizer Franken. „Für 20-jährige
Ungelernte.“ Und für 20-Jährige „mit 2-jähriger funktionsnaher Berufsbildung“
beträgt der Mindestlohn bei Lidl Schweiz 4.200 SFr, für 20-Jährige mit
3-jähriger Berufsbildung 4.350 SFr.
Nun wollen wir nicht
vergessen, daß die Schweiz ein megateures Land ist und dort 4.200 Franken
weniger sind, als es sich anhört. Aber natürlich doch um einiges mehr als das,
was hierzulande als Mindestlohn so gezahlt wird.

Interessant wäre allerdings
zu erfahren, welche Gehälter Lidl Deutschland seinen Mitarbeiter*innen bezahlt.
Und in Frankreich müssen die Lidl-Mitarbeiter*innen für gerechte Löhne
streiken, dort bot die Geschäftsführung des Konzerns an, die Gehälter um gerade
einmal 0,2% anzuheben. Lidl ist in Frankreich auf Expansionskurs, derzeit hält
Lidl einen Marktanteil von mehr als 5% (Aldi Frankreich 2,2%) und will dies auf
8% steigern. Letztlich vor allem ein Indiz für sinkende Einkommen im westlichen
Nachbarland.

Ach ja: Lidl-Besitzer
Dieter Schwarz vergrößerte laut der jüngst veröffentlichten jährlichen
Milliardärsliste des US-Magazins „Forbes“ sein Vermögen im vergangenen Jahr um
800 Millionen US-Dollar auf 16,4 Milliarden. Er ist der fünftreichste Deutsche
und steht in der Rangliste der weltweit reichsten Menschen auf Platz 47. So ist
das alles.

02.12.2015

Soziale Mindestsicherung in D

Fast jeder zehnte in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt (12/2015) auf sogenannte soziale Mindestsicherung angewiesen. Zum Jahresende 2014 erhielten 7,55 Millionen Menschen Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder der Kriegsopferfürsorge. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 9,3 Prozent.
Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: Während die Quote in Baden-Württemberg (5,3 Prozent) und Bayern (4,7) am niedrigsten ist, finden sich in den Stadtstaaten Berlin (19,3) und Bremen (17,5) besonders viele Menschen, die vom Existenzminimum leben müssen.
Den größten Anteil machen Bezieher von Hartz IV aus. Ende 2014 gab es 6,03 Millionen Empfänger dieser „Grundsicherung für Arbeitssuchende“. Dabei haben viele von ihnen durchaus einen Job, denn 1,1 Millionen abhängig Beschäftigte sind auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen, und sogar 2,56 Millionen üben einen Zweitjob aus, 66.000 mehr als im Vorjahr.

02.12.2015

Jeder Achte ist überschuldet

Und am gleichen Tag ist in der „Berliner Zeitung“ zu lesen:
„Jeder Achte ist überschuldet – Trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung steigt die Zahl der Erwachsenen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.“
Doch was ist eine „gute wirtschaftliche Entwicklung“? Gemeint ist hier wohl eher eine gute Entwicklung für die Wirtschaft denn eine gute wirtschaftliche Entwicklung für die Menschen. Und eine gute Entwicklung für „die Wirtschaft“ bedeutet eben nicht, daß es den Menschen gut geht.
Ein Vertreter „der Wirtschaft“, den die „Berliner Zeitung“ zitiert, zeigt sich überrascht von der Entwicklung, daß in Berlin die Zahl der überschuldeten Erwachsenen ab 18 Jahren zum zweiten Mal in Folge gestiegen ist, auf mittlerweile mehr als 376.000 Menschen – der höchste Stand seit 2008. Jochen Wolfram, geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsauskunft Creditreform Berlin Wolfram KG, sagt laut „Berliner Zeitung“, ein „unangemessenes Konsumverhalten habe bei manchen zu kreditfinanzierten Mehrausgaben geführt. Zudem sei zuweilen offenbar die Einkommenswirklichkeit überschätzt worden.“
„Einkommenswirklichkeit“, „unangemessenes Konsumverhalten“, so reden sie daher heutzutage, wenn sie über Armut sprechen und davon, daß Hunderttausende überschuldet sind, so viele wie seit 2008 nicht mehr. Sollen sie sich und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gefälligst nicht überschätzen, sondern sich ihrer Einkommenswirklichkeit stellen. Und sollen die 12,99 Prozent der Berliner Bevölkerung, die überschuldet sind, eben gefälligst nicht mehr am Konsum im Konsumkapitalismus teilnehmen, sondern sich ihrer Armut ergeben. Selber schuld, wenn Sie überschuldet sind! Und natürlich selber schuld, wer arm ist!

02.12.2015

Hunger ist nirgendwo unvermeidlich

Aus einem Gespräch mit Martín Caparrós, dessen neues Buch „Der Hunger“ dieser Tage bei Suhrkamp erschienen ist, in „Die Welt“ vom 28.11.2015:

„Natürlich tragen wir ein Stück Verantwortung für die Zustände weltweit, aber die Hauptverantwortung trägt das System des globalen Finanz- und Wirtschaftskapitalismus. Die Produktion ist so organisiert, dass die Bedürfnisse in den wohlhabenden Ländern gedeckt werden. Es geht nicht darum, dass möglichst viele Menschen ernährt werden.“
Fehlt es uns an Einsicht und an Empathie?
„Jeder Achte hat nicht genug zu essen. Aber das ist keiner von den Menschen, denen wir täglich begegnen. Es sind vielmehr Menschen, die weit entfernt leben. Das macht es einfach, sie zu vergessen: Es ist nicht unser Problem. Wenn wir ihren Hunger nicht bewusst zu unserem Anliegen machen, dann sehen wir es nicht. Wir schauen einfach in eine andere Richtung. Wir sind einfach so strukturiert, uns um die Dinge zu kümmern, die uns nah sind.“
(...)
Sie schreiben, strukturellen Hunger gäbe es eigentlich gar nicht. Wie meinen Sie das?
„In Niger wird der Hunger als strukturell vorgeführt, das heißt, er ist angeblich unvermeidlich. Der Boden ist unfruchtbar, es ist ungeheuer trocken, heiß. Die Erde gibt unter diesen Bedingungen einfach nicht genug her. Man kommt also rasch auf den Gedenken, tja, da lässt sich einfach nichts machen. Und dann entdeckt man, dass Niger eines der Länder mit den reichsten Uranvorkommen ist. Man könnte von den Gewinnen aus dem Export eine Infrastruktur aufbauen, die jedem Einwohner ein Leben ohne Hunger ermöglichen würde. Aber das Uran wird von einem französischen und einem chinesischen Unternehmen gefördert, die stecken alle Gewinne ein.“
(...)
„Mir wurde klar, dass dies eine der schlimmsten Folgen von Armut ist, diese Perspektivlosigkeit, diese Verkümmerung der Träume, die fehlende Fantasie, sich ein anderes Leben auch nur vorzustellen. Sich eine Zukunft auszumalen – das ist auch ein Luxus der Reichen.“
(...)
„Es gibt 1,2 Milliarden Menschen, die für das kapitalistische System völlig nutzlos sind. Man weiß einfach nicht, wie man sie ausbeuten soll. Sie leben in Slums, an den Rändern der großen Städte oder irgendwo auf dem Land. Man kann sie nicht einfach massenweise sterben lassen, also schickt man ihnen von Zeit zu Zeit ein bisschen Essen, Medizin, ein paar Ärzte. Da ist ein gewaltiger Fehler innerhalb des globalen Systems, es kann die vorhandenen Ressourcen nicht nutzen.“

(„Hunger ist nirgendwo unvermeidlich“, in: „Die Welt“, 28.11.2015)

07.01.2015

Armut in BRD 2013

Jeder fünfte Einwohner Deutschlands war 2013 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Das entspricht rund 16,2 Millionen Menschen beziehungsweise 20,3 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag aus der Untersuchung "Leben in Europa 2013“ berichtete.
(SPON, 16.12.2014)

07.01.2015

Piketty & Ungleichheit

„Der Erfolg (von Pikettys Buch, BS) erklärt sich aus unserer Sicht aus der ökonomische Situation der jüngsten Vergangenheit. Also aus der Finanz- und Wirtschaftskrise. Vor der Krise gab es die neoliberale Wende. Da galt: Investieren muss wieder Spaß machen, dazu müssen wir mehr Ungleichheit herstellen. Es sollten Anreize geschaffen werden, höhere Renditen ermöglicht werden, die Gewerkschaften wurden mancher Orts entmachtet. Das sollte allgemeines Wachstum schaffen, von dem dann alle irgendwie profitieren. So das Versprechen.
Mit der Krise hat diese Strategie ein Legitimationsproblem bekommen. Es kam die Frage auf, ob wachsende Ungleichheit auch eine Ursache der Krise sein könnte? Außerdem haben die staatlichen Rettungsmaßnahmen in der Krise die Staatsschulden erhöht. Nun wird diskutiert, inwiefern man das Kapital, "in Haftung nehmen" kann, um die hohen Staatsschulden tragbar zu machen, etwa durch höhere Steuern.

Sie schreiben auch, dass Sie in dieser Debatte eine Spaltung im Mainstream des ökonomischen Denkens beobachten.

Stephan Kaufmann: Ja, im Prinzip streitet sich der Mainstream darüber: Ist Ungleichheit gut, schafft sie Wachstum, von dem dann alle profitieren? Oder schadet sie dem Wachstum und schafft Instabilität und Krisen? Bemerkenswert finde ich dabei: Die Kritik an der Ungleichheit ist keine Beschwerde über Armut, keine Kritik an sozialen Gegensätzen. Die Debatte um Ungleichheit und auch um Löhne ist derzeit derart vorgeformt, dass alle Akteure nur noch damit argumentieren, was dem Gesamtsystem, also "uns allen", vermeintlich nutzt und was nicht. Es scheint in den Auseinandersetzungen gar keine Parteien mehr zu geben, keine Profiteure und Verlierer, keine Gegensätze. Solche Diskussionen sind mittlerweile normal. Auch die Gewerkschaften fordern hohe Löhne mit dem Argument, das sei gut für die Kaufkraft und damit für die Gesamtwirtschaft und damit für die Unternehmen. Die Unternehmen kontern, Lohnsenkungen wären für alle gut, weil sie die Arbeitslosigkeit senken. Alle argumentieren mit dem Wohl des Gesamtsystems. Damit werden Gegensätze weggelogen, die es real aber gibt.

Kommen wir zu Ihrer Kritik an Pikettys Ansatz. Sie kritisieren vor allem die Gründe, die Ungleichheit aus seiner Sicht zu einem Problem machen.

Stephan Kaufmann: Das stimmt. Ungleichheit wurde schon immer kritisiert, aber meist unter dem Titel der sozialen Gerechtigkeit: Es darf doch nicht sein, dass es hier Arme gibt und dort Reiche. Dieser Punkt interessiert Piketty nicht und auch nicht die Ungleichheits-Kritiker aus dem ökonomischen Mainstream. Sie fragen nicht: Was tut der Kapitalismus den Armen an? Sondern: Was tun die Armen dem Kapitalismus an?

Sie schreiben an einer Stelle, Piketty habe "über die Art und Weise, wie Ungleichheit im Kapitalismus entsteht und fortbesteht, bemerkenswert wenig zu sagen". Tatsächlich?

Stephan Kaufmann: Das würde ich schon sagen. Ein Beispiel: Es gibt bei Piketty zwei Arten von Einkommen, Arbeit und Kapital. Für ihn stehen sie ganz friedlich nebeneinander. Was er nicht betrachtet und was für die ursprüngliche, aber auch dauerhafte und notwendige Entstehung von Ungleichheit zentral ist: Die Einkommen aus Arbeitsleistung und die aus Kapital haben zwei ganz unterschiedliche ökonomische Zwecksetzungen. Arbeitseinkommen sichert Lebensunterhalt, der Zweck des Gehalts ist der Konsum, was dazu führt, dass es im Wesentlichen verbraucht wird. Am Ende des Monats ist es weg. Zweck des Kapitaleinkommens dagegen ist, dass es stetig das Kapital vermehrt, es ist darin Selbstzweck. Die Ungleichheit hat also ganz zentral mit der Quelle des Einkommens zu tun, mit einem qualitativen Unterschied. Pikettys Fokus aber liegt bloß auf dem quantitativen Verhältnis. Es ist außerdem nicht nebensächlich, dass die Arbeit die Kapitalrendite generiert. Geld arbeitet ja nicht und eine Maschine auch nicht.“

Martin Steinhagen im Gespräch mit Stephan Kaufmann, Telepolis 3.12.2014

01.12.2014

Armut trotz Arbeit

„Es gibt vermehrt Armut trotz Arbeit. Gleichzeitig hat die Lohnspreizung zugenommen. Sowohl beim Einkommen wie auch beim Vermögen spaltet sich die Gesellschaft deutlicher in Arm und Reich. Während die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung über 53 Prozent des Nettogesamtvermögens verfügen, muss sich die ärmere Hälfte mit gerade mal 1 Prozent des Nettogesamtvermögens begnügen. Nach einer neueren Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben 20,2 Prozent der Menschen keinerlei finanzielle Rücklagen und 7,4 Prozent sogar mehr Schulden als Vermögen.

Über 22 Millionen Menschen, die in der Bundesrepublik leben, haben nichts auf der hohen Kante, sind also bestenfalls eine Kündigung oder eine schwere Krankheit von der Armut entfernt. Nicht viel besser steht es um die Gerechtigkeit hinsichtlich der Einkommensverteilung in unserer Gesellschaft.“

Christoph Butterwegge im Interview mit Reinhard Jellen, „Telepolis“, 21.11.2014

01.11.2014

Arm trotz Jobwunder

„Arm trotz Jobwunder.
In Deutschland sind 13 Millionen Menschen in einer finanziell prekären Situation.
In Deutschland hat die Beschäftigung einen Rekordwert erreicht, die Zahl der Erwerbstätigen steigt seit Jahren. Trotz des viel gepriesenen ‚Jobwunders’ ist die Zahl der armen Menschen nicht gesunken. Unter den Erwerbstätigen ist das Armutsrisiko sogar gestiegen. Das zeigen Daten, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlicht hat.
Insgesamt war in Deutschland zuletzt fast jede sechste Person armutsgefährdet, das sind 13 Millionen Menschen. (...) Besonders schlecht gestellt sind seit Jahren Arbeitslose: Fast 70 Prozent waren zuletzt armutsgefährdet. Auch viele Alleinerziehende verfügen über wenig Geld. (...) ist Berufstätigkeit nicht mehr eine Garantie für ein gutes Einkommen. So waren zuletzt 8,6 Prozent aller Erwerbstätigen armutsgefährdet, bei Frauen war es jede Zehnte. Vier Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 6,8 Prozent.“
(Berliner Zeitung, 29.10.2014)

01.11.2014

Leiharbeit in der BRD

"Bekanntlich sieht die Wirtschaftslage in Deutschland trotz drohender Eintrübung noch gut aus. Die Arbeitslosenquote lag nach Angaben der Arbeitsagentur im September bei 6,5 Prozent oder 2.808.000 Personen (...) Unterbeschäftigt waren 3.691.000, Arbeitslosengeld II beziehen 4.339.000 Menschen.
Positiv klingt, wenn die Arbeitsagentur berichtet, dass Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung saisonbereinigt weiter gewachsen sind. (...)
Allerdings wird das Bild weniger positiv, wenn man die Trends ansieht. Das Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (ibus) an der Hochschule Koblenz hat die Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen  der Bundesagentur für den September 2014 ausgewertet. Die gemeldeten Arbeitsstellen sind um 0,7 Prozent auf 518.317 angewachsen. 94,4 Prozent sind sozialversicherungspflichtige Jobangebote. 80,4 Prozent oder 416.842 sind unbefristete Stellen, 10 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, 81.676 Angebote sind Teilzeit.
Allerdings sind 34 Prozent der offenen Stellen Leiharbeitsjobs. Und es gibt erhebliche regionale Unterschiede: "In manchen Gegenden ist jedes zweite Stellenangebot ein Leiharbeitsverhältnis." So werden in Bielefeld oder Rheine mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der offenen Stellen als Leiharbeit angeboten. In Altenburg-Gera oder Bernburg sind es 47 bzw. 48 Prozent, während in Eberswalde nur 10 Prozent Leiharbeitsstellen angeboten werden, in Flensburg 15 Prozent oder in Pirna 16 Prozent. Seit den 1980er Jahren hat die Leiharbeit enorm zugenommen. Waren 1985 noch 41.700 Jobs Leiharbeitsstellen, so waren es 2013 bereits 814.600."
(Florian Rötzer, Telepolis 21.10.2014, Hervorhebungen BS)

15.10.2014

Kinderarmut in D nimmt weiter zu

Die Kinderarmut in Deutschland nimmt wieder zu.
„In einem der reichsten Länder der Welt steigt die Zahl von Kindern in Armut: Mehr als 1,6 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren leben laut einem Bericht der ‚Süddeutschen Zeitung’ von Hartz IV.“
Demzufolge sind derzeit 1,64 Millionen Jungen und Mädchen in Deutschland auf Hartz IV angewiesen. „Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, wie die ‚Süddeutsche Zeitung’ berichtet. Im Mai 2014 lag der Anteil der von Armut betroffenen Kinder in der Altersgruppe unter 15 Jahren demnach bei 15,7 Prozent. 2012 waren es noch genau 15 Prozent gewesen, zuvor soll der Trend sogar rückläufig gewesen sein.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert deshalb ein Aktionsprogramm für Eltern, die mit ihren Kindern schon länger von Hartz IV leben müssen. ‚Es passt nicht zusammen, über Fachkräftemangel zu diskutieren und zugleich zuzulassen, dass etwa 1,9 Millionen Kinder unter 18 Jahren im Hinterhof unserer Wohlstandsgesellschaft in Hartz-IV-Armut leben müssen’, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der ‚SZ’.“
(„Spiegel Online“, 11.10.2014)

21.09.2014

Mensch und Profit

Herr Schneider, Ihr Buch richtet sich gegen die Verkehrung von Mensch und Profit: Der von Menschen erzeugte Profit wird über den Menschen gestellt. Woher kommt diese Verkehrung? Ulrich Schneider: Dahinter stecken vor allem Profitinteressen, die seit Jahrzehnten den gesellschaftlichen Bereich durchdringen. Das hat zur Folge, dass immer weniger Menschen über immer mehr Einkommen verfügen, während für den Rest die wirtschaftliche Lage immer prekärer wird. Letztere werden immer mehr rein als Kostenfaktor gesehen.

Welche Rolle spielt Hartz IV bei der Ökonomisierung des Lebens?
Ulrich Schneider: Wenn man sich ansieht, wie sich die Gesellschaft in Richtung dieser Verwertungslogik verändert hat, ist Hartz IV ein wichtiger Faktor. Mit Hartz IV ist zum ersten mal ganz offiziell der Rechtsgrundsatz abgeschafft worden, dass die Hilfe für den Menschen so gestaltet wird, dass sie der Würde des Menschen auch gerecht wird. Hartz IV wird dazu genutzt, den Menschen deutlich zu machen, dass jede Arbeit, ganz egal welche, unabhängig davon, wie bisher die Biographie dieses Menschen gelaufen ist und was er an Hilfe wirklich braucht, zumutbar ist. Damit wurden die Etablierung eines Niedriglohnsektors und den Unternehmen letztendlich noch mehr Gewinne ermöglicht. Hartz IV ist also ein weiteres Paradebeispiel für die Ökonomisierung des Menschen. (...)
Von Hartz IV kann man definitiv nicht leben, das Geld reicht einfach nicht aus, um über den Monat zu kommen. Wir brauchen deshalb vernünftige Regelleistungen. Das würde rund 7 Milliarden Euro im Jahr kosten. Ansonsten brauchen die Menschen einfach Arbeit, denn sie wollen ja arbeiten. Einige Hunderttausend sind nicht mehr ohne weiteres auf den festen Arbeitsmarkt unterzubringen, also brauchen wir einen sozialen Arbeitsmarkt, der diesen Menschen die Möglichkeit gibt, für sich selber zu sorgen.

(Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, im Gespräch mit Reinhard Jellen, Telepolis 3.9.2014)

21.09.2014

Arbeiten in der Freizeit

„Immer mehr Bundesbürger verdienen sich laut einer Studie in ihrer freien Zeit etwas dazu. Bei einer repräsentativen Befragung für den ‚Deutschen Freizeit-Monitor 2014’ gab jeder Zehnte an, mindestens einmal pro Woche in seiner Freizeit zusätzlich Geld zu verdienen. Und 20 Prozent verdienen sich demnach mindestens einmal im Monat etwas dazu.
Damit sei Arbeit in der Freizeit häufiger als Kinobesuche, Sporttreiben im Fitnessstudio oder Essengehen, sagte Studienleiter Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahren krempeln laut Studie in ihrer Freizeit die Ärmel hoch. Die Anstellungsform reicht dabei von Schwarzarbeit bis zum Minijob.
Neben Konsumwünschen seien dabei Geldsorgen im Alltag immer häufiger der Grund für die Suche nach einem Nebenjob, betonte Reinhardt. Viele Dazuverdiener treibe nicht nur der Wunsch nach dem neuesten Fernseher oder teuren Sneakers. ‚Es ist die Notwendigkeit, die Kosten des Alltags besser bewältigen zu können.’ Es steige die Zahl der Menschen, die in ihrer Freizeit zusätzlich arbeiten müssten.
2007 hätten sieben Prozent der Geringverdiener wenigstens einmal pro Woche zusätzlich Geld verdient, 2014 waren es schon zwölf Prozent. Und 2007 gaben 13 von 100 der Befragten an, mindestens einmal pro Monat in ihrer Freizeit für zusätzliches Geld in der Tasche zu arbeiten. 2014 war es schon fast jeder vierte Befragte. ‚Ich bin sicher, dass der Wert weiter steigen wird’, sagte Reinhardt.“

(SPON 23.8.2014)

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