Der Neofeudalismus der staatlichen Kulturpreise vs. strukturelle, langfristige Kulturförderung
Unsereiner würde sich ja gerne mit vielen anderen Themen beschäftigen, aber man kommt gerade von der Kulturpolitik nicht los.
„Windbeutel“ („FAZ“) Weimer sei Undank.
Jetzt also die Malaise rund um den Buchhandlungspreis.
Da lässt der Kulturstaatsminister Buchhandlungen, die von einer unabhängigen und renommierten Jury einen staatlichen (und durchaus leider keinen stattlichen) Preis erhalten sollen, heimlich vom Verfassungsschutz überprüfen. Und über drei Buchhandlungen (darunter zwei, die sogar zu den fünf „besonders...
Popgipfelchen im Kanzleramt
Die Fortsetzung seines „Popgipfels“ nannte der Kulturstaatsminister dann nur noch eine „Gesprächsrunde mit Vertreter:innen von Musiklabels“ im Kanzleramt.
Das Gespräch fand natürlich hinter verschlossenen Türen statt, insofern konnte Weimer auf seiner täglichen Reise durch sämtliche bereitstehende Fettnäpfchen diesmal nicht verunglücken; jedenfalls konnte kein neuerliches Ungeschick verzeichnet werden.
Dafür gelang dem Kulturstaatsminister ein Bild mit hohem Symbolcharakter:
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weiterlesenDJ Hell erzählt von einem Major-Signing
Apropos Tonträgerkonzerne:
In der „Frankfurter Rundschau“ hat Helmut Geier alias DJ Hell im Dezember von seinen Erlebnissen als Förderer der Band Fischerspooner berichtet, und wie das Major-Signing deren Karriere behindert hat:
„Es war ein massiver Impact, eine Sensation. Dann kam schnell das Major-Label Ministry of Sound, die haben das Album noch mal released, das ich schon rausgebracht hatte – und wollten daraus einen Top-Ten-Act machen, was nicht funktioniert hat. Die haben viel Geld hingelegt, Fischerspooner eingeflogen – damals noch mit der...
Und was macht Live Nation gerade so?
Und was macht Live Nation gerade so? Der weltgrößte Livemusik-Konzern?
Mit der Trump-Regierung hat man sich Anfang März auf einen „Deal“ geeinigt: Die Abspaltung des Ticketing-Bereichs, also Ticketmaster, vom Mutterkonzern ist jetzt plötzlich vom Tisch. Dafür hat Live Nation zugesichert, die eigenen Venues für alle Veranstalter zu öffnen und ihnen zu erlauben, 50 Prozent der Tickets über eine andere Plattform als Ticketmaster anzubieten.
Die Gebühren für den Ticketverkauf werden nun auf 15 Prozent begrenzt. Wohlgemerkt: das gilt nur in den USA. Im Rest...
"Woman fighting to save Berlin's nightclubs" vs. Xjazz-Festival vor Aus
Kaum hat die altehrwürdige „The Times“ Berlins angesichts der CDU-Fördergeldaffäre reichlich angeschlagener Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson eine Art Ritterschlag verpasst und sie zur „Woman fighting to save Berlin’s nightclubs“ hochgejazzt (eine Weisheit, die die konservative britische Zeitung für sich allein hat), da wird sie aus dem Londoner...
weiterlesenBallett-Sturm in Piccolo-Gläschen
Niedlich, wie eine nebenher gemachte Bemerkung Timothée Chalamets im Jahr 2026 immer noch die Feuilletonisten unterschiedlichster Couleur aufregt.
Er würde „niemals in der per oder im Ballett arbeiten“, so der Schauspieler, weil das einfach „keinen interessiert“.
Und schon kam es zum erwartbaren Sturm in allen Piccolo-Gläschen und Mate-Flaschen.
Was waren das noch Zeiten, als Pierre Boulez im „Spiegel“-Interview 1967 gefordert hatte: „Sprengt die Opernhäuser in die Luft!“
Sowohl, was die Forderung und...
Praktika in Sternerestaurants und in der Musikindustrie
Das Kopenhagener Sternerestaurant Noma gilt als eines der besten Restaurants der Welt.
Nun hat der Chef des Gastrotempels für einen Skandal gesorgt. Er habe seine Angestellten drangsaliert und bedroht, teilweise sogar physischer Gewalt ausgesetzt.
Und: Im Noma waren unbezahlte Praktika wohl die Regel. Wie übrigens auch in der Musikindustrie, und da auch bei etlichen der großen Konzerne.
In bewundernswerter Offenheit hat der Berliner Sternekoch und Betreiber des Restaurants „Noibelhart & Schmnutzig“ zu dem Skandal Stellung...
Künstlerin nimmt sich selbst unter Vertrag
Lustig:
Mit ihrer eigenen Booking-Agentur All Excess Agency will eine DJ und Produzentin laut „Musikwoche.de“ „patriarchale Strukturen in der Technoszene aufbrechen“.
„Als erste Künstlerinnen nimmt sie sich selbst (…) unter Vertrag.“
Hübsche Idee eigentlich. Vielleicht nehme ich mich auch irgendwann selbst unter Vertrag, allein schon, um die Strukturen in der Konzertszene aufzubrechen.
Genre? Noch offen.
„Meisterdenker": Wolfram Weimer will alles richtig machen...
Einmal wollte Wolfram Weimer alles richtig machen, und er würdigte den verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas als „Meisterdenker“.
Allein: Markus Joch, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Keio-Universität Tokio, musste dem Kulturstaatsminister auf „X“ erklären:
„Meisterdenker‘ ist bekanntlich ein Begriff, den A. Glucksmann ironisch prägte, um hegelianischen Theoretikern Größenwahn nachzusagen. ‚Würdigt‘ Weimer Habermas als ‚Meisterdenker‘, weiß er mal wieder nicht, was er redet.“
Die Lage ist hoffnungslos,...
"German House" auf der SXSW absagen!
Presseerklärung
Ich fordere die Initiative Musik (die laut Eigenaussage „zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft“) sowie die anderen Organisationen und Institutionen, die am „GERMAN HOUSE“ bei der SXSW Austin vom 12. bis 16. März 2026 beteiligt sind, auf, das „GERMAN HOUSE“ auf der diesjährigen SXSW aus politischen Gründen abzusagen.
Die politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Situation in den USA hat sich seit Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald...
Musiker:innen mit Rückgrat?
Wichtig ist mir, dass dieser Aufruf sich gegen die Ausrichtung des „GERMAN HOUSE“ richtet, nicht aber gegen die individuelle Teilnahme von Musiker:innen oder Messebesucher:innen an der SXSW. Die Entscheidung, ob sie angesichts der aktuellen Lage in den USA nach Austin fahren wollen, sollten alle individuell für sich beantworten.
Und auch, ob sie tatsächlich bereit sind, die extrem weitgehenden Einreiseformalitäten zu akzeptieren, die es so nicht einmal in Nordkorea gibt (u.a. Offenlegung aller Social-Media- und Email-Konten, aller Telefonnummern, detaillierte Informationen...
No one is illegal on stolen land!

(Maggie Thompson and other artists holding signs in MInneapolis that spell out “no one is illegal on stolen land” on January 23, 2026)
Image courtesy Maggie Thompson and Makwa Studio)
Es ist vermutlich an der Zeit, wieder einmal den Song „Big Drill“ der großartigen Bedlam Rovers zu hören…
ICE, Neil Young & Musikrechte-Monopoly
Natürlich, es ist wirklich nicht einfach, im kapitalistischen Realismus unserer Tage Haltung zu zeigen.
Unlängst war zu hören, dass der große Neil Young seinen Songkatalog von Amazons Musik-Streamingdienst abgezogen hat, aus Protest gegen dessen Besitzer Jeff Bezos und seine unaufhörliche Unterstützung der Politik Donald Trumps:
“The president’s international policies and his support of ICE make it impossible for me to ignore [Bezos’] actions.“
Gut gebrüllt, Neil Young!
Allein, wenn von seinem „Songkatalog“ die...
Boykottaufrufe und Moral
Nicht so einfach, wenn man heutzutage Boykottaufrufe starten will.
Ich denke auch an den wohlfeilen Aufruf zum Spotify-Boykott (wieder mal…), den die US-Graswurzelbewegung „Indivisible Project“ initiiert hat und der von Bands wie Massive Attack, Sylvan Esso oder auch dem Label Epitaph Records unterstützt wird.
Grund ist, dass das US-Heimatschutzministerium im Jahr 2025 rund 74.000 Dollar für ICE-Rekrutierungsanzeigen auf Spotify ausgegeben hat – Werbung, die auf den kostenlosen Spotify-Benutzerkonten in den USA ausgespielt wurde.
Ist ja auch...
Hard Times
Bei seinen gefeierten Konzerten der Tournee im Januar und Februar 2026 hat Daniel Kahn den Song „Daless (Hard Times)“ mit der Bemerkung eingeleitet, er würde das Lied „Hard Times Come Again No More“ für den vermutlich traurigsten amerikanischen Song überhaupt halten.
Dieser Parlor-Song („Salonlied“) „Hard Times Come Again No More“ wurde von Stephen Foster geschrieben und 1854 veröffentlicht; 1905 wurde er für die Edison Manufacturing Company erstmals auf Wachs aufgenommen. Bis heute wurde er unzählige Male...


