26.03.2018

Das Andechser Gefühl (Herbert Achternbusch)

Ad Verwertungslogik im Kulturkapitalismus:
„Das Andechser Gefühl, Achternbuschs Erstling, gehört zu den radikalsten, schönsten, verzweifelt-lustigsten kinematographischen Bier-Fieber-Anfällen, die unsere westdeutsch-bayerische Filmgeschichte vorzuweisen hat. Hemmungslos wurschtig in der vermeintlich amateurhaften Form – und aber andererseits exakt dadurch in jedem Augenblick zart-punktgenau.“
Mit diesen Worten bejubelt Dominik Graf den Film „Das Andechser Gefühl“ von Herbert Achternbusch innerhalb seiner Rezension des Films „Zwei Herren im Anzug“ von Josef Bierbichler. Und das völlig zu Recht. Was dem deutschen Kino fehlt, und was mal möglich war, das lehren uns die Filme des genialen Herbert Achternbusch. Und es spricht Bände, daß zwar jeder bescheuerte Filmdreck, den die einschlägigen staatlichen Filmdreckförderanstalten Hand in Hand mit dem Staatsfernsehen hervorbringen, auf und ab gespielt und auf allen Kanälen verfügbar gemacht wird, daß man aber die Filme des Herbert Achternbusch kaum jemals irgendwo sehen kann. Im Kino sowieso nicht, im Staatsfernsehen sowieso auch nicht, und auf DVD ist kaum eines dieser Meisterwerke erhältlich.

Wenn man auf Amazon „Das Andechser Gefühl“ eingibt, wird einem eine Video(!)kassette angezeigt mit dem Hinweis „derzeit nicht verfügbar“. Und als nächstes bietet Amazon „Andechser Natur bio Ziegen-Butterkäse“, 125g für € 4,29, und „Andechser Klosterspeck im Stück“ an. Die Realität in der angeblichen Kulturnation Deutschland. Alles Ziegenkäse.
Achternbusch ist ein bairisches Weltkulturerbe, durch die Kulturindustrie und die einschlägigen staatlichen Stellen bewußt dem Vergessen anheimgegeben. Aber das könnte ihnen so passen – wir werden den Achternbusch ums Verrecken nicht vergessen! Niemals.

 

18.03.2018

Gehört der Islam zu Deutschland? Und die katholische Kirche?

Gehört der Islam zu Deutschland? Und die katholische Kirche?
Was für Fragen. Sicher ist: Menschen islamischen Glaubens gehören zu Deutschland, ebenso wie Menschen katholischen oder jüdischen Glaubens oder wie Atheisten.
Was soll es, über derartige Selbstverständlichkeiten zu reden?

Gehört der Haussperling zu Deutschland? Der blaue Himmel? Der Schneefall? Das Vergißmeinnicht?

Man wünschte sich, die Medien würden, wenn in Seehofers neuem Heimatministerium mal ein kleiner Sack Hopfen umgefallen ist, die einschlägigen bescheuerten Äußerungen von Konsorten wie Seehofer et al. einfach nur irgendwo unter „Vermischte Meldungen“ mit ein, zwei Sätzen bringen. So wäre ihrer Berichterstattungspflicht genüge geleistet, und man müßte nicht wieder tagelang aufgeblasene Debatten über Nichtigkeiten führen und könnte sich stattdessen den wesentlicheren Dingen zuwenden.

18.03.2018

China: Deutsche Medien lügen wie gedruckt!

Wenn es um China geht, wird hierzulande alles Propaganda, und die deutsche Qualitätspresse lügt gerne wie gedruckt. Die China-Korrespondentin der „FAZ“, Friederike Böge, beispielsweise schreibt in einem Leitkommentar auf der Titelseite am 12.3.2018: „Xi Jinping hat (...) sich nun zum Herrscher auf Lebenszeit küren lassen.“ Hat er? Natürlich nicht. Es ist eine Erfindung von Frau Böge, vulgo: eine glatte Lüge.

Was ist geschehen? Der chinesische Volkskongress hat mit einer Verfassungsänderung die bisher geltende Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten aufgehoben. Künftig kann jeder chinesische Präsident also länger als zehn Jahre im Amt bleiben – zum Beispiel so lange wie Helmut Kohl oder Andrea Merkel hierzulande...
Was dadurch keineswegs geschehen ist, ist das, was viele deutsche Zeitungen ihren Leser*innen weiszumachen suchen: daß Xi auf Lebenszeit zum Präsidenten gekürt worden sei. Nein, auch künftig muß sich Xi alle fünf Jahre zur Wahl stellen. Das wissen die deutschen Berichterstatter*innen natürlich auch, aber es paßt ihnen nicht ins Konzept, sie wollen unbedingt Chinas Staatschef als Diktator a la Mao verunglimpfen.

Der „Spiegel“ behauptet, Xi könne nun, „wenn er will, bis ans Ende seiner Tage, den Staat, die Armee, die Justiz, die Medien, die gelenkte Wirtschaft, den ganzen Apparat seines Riesenreichs kontrollieren“. Allein: „wenn er will, bis ans Ende seiner Tage“ ist halt ein Märchen aus der Spiegel-Redaktion, denn es gilt nicht, was Xi will, sondern was der Volkskongress will...
Und weiter behauptet der China-Korrespondent des „Spiegel“, bewußt die Unwahrheit sagend: „Xi ist zu weit gegangen, indem er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit hat ernennen lassen.“
Ins gleiche Horn stößt die „Spiegel“-Tochter „Manager Magazin“: „Xi Jinping nun Staatschef auf Lebenszeit“.
Und noch deutlichere Lügenpropaganda macht die „Huffington Post“: Chinas Präsident wurde am Sonntag von 3000 Abgeordneten auf dem Volkskongress seiner Partei zum Herrscher auf Lebenszeit gewählt.“ Wie gesagt: davon kann keine Rede sein. Das ist so, wie wenn man behaupten würde, Angela Merkel habe sich diese Woche zur Kanzlerin auf Lebenszeit wählen lassen, bloß, weil die bundesdeutsche Verfassung keine Begrenzung ihrer Amtszeit vorsieht. Ausgemachter Quatsch also.

Aber was eigentlich hinter all der Propaganda mit erfundenen Behauptungen steht, verrät Frau Böge in ihrem „FAZ“-Kommentar, wenn sie bedauernd fragt: „Und Europa? Steht mit offenem Mund daneben und staunt.“ Ja, was soll Europa denn sonst tun? Xi zum Rücktritt auffordern? Den chinesischen Volkskongress dazu anhalten, einen deutschen Wirtschaftslenker zum Präsidenten zu wählen? Truppen sammeln und versuchen, in Beijing einzumarschieren?

Vielleicht sollten die hiesigen Journalist*innen, wenn sie mal für einen Moment klar im Kopf sind, den Gedanken Michel de Montaignes beherzigen, wonach China, „ungeacht es keine Gemeinschaft mit uns gehabt und nichts von uns gewußt hat, uns in Ansehung der Polizey und der Künste in vielen Stücken übertrifft, und dessen Geschichte mich lehrt, daß die Welt ungleich größer und verschieden ist, als die Alten eingesehen haben und wir selbst einsehen“.

18.03.2018

Seligers Gesetz # 3: Schlagzeugsoli sind verboten!

Seligers Gesetz #3:
Schlagzeugsoli sind verboten! Es sei denn, du bist Ginger Baker oder spielst dein Schlagzeug wenigstens annähernd so gut wie der.

(zu den ausführenden Bestimmungen dieses Gesetzes gehört, daß alle Djembés in der BRD weggeschlossen werden und ausschließlich an durch eine von einem westafrikanischen Musiker unterzeichnete Djembé-Spielberechtigung ausgewiesene Berechtigte ausgehändigt werden; an diesen Personenkreis kann im Einzelfall auch eine allerdings jederzeit widerrufbare Dauerspielberechtigung bzw. eine dauerhafte Erlaubnis zum Mitführen einer Djembé erteilt werden)

18.03.2018

Ezra Furman und die Kultur der gegenseitigen Fürsorge

Ezra Furman im Interview mit Maximilian Schäffer und Benjamin Fischer, in „Junge Welt“:

„Es gibt da ein Aufbegehren in der amerikanischen Gesellschaft, und viele sehen sicher, dass viele Leute verwundbar sind und leiden. Doch es scheint mir so, als gäbe es keine Kultur der gegenseitigen Fürsorge mehr. Ich setze Trump-Wähler mit den Immigranten gleich, deren Aufenthaltsstatus in den Vereinigten Staaten gefährdet ist. Das sind eben Menschen, die von der Politik verletzt werden. Es ist so verrückt, dass genau diese Leute gegeneinander sind. Nicht nur die Politik, die ganze Kultur wiegelt die Menschen gegeneinander auf. Alles ist nur ein großes, wechselseitiges ›Fuck You!‹. Verwundbare Menschen sollten zusammenhalten, sich vereinigen, sich organisieren. (...) Da sollte ein revolutionärer Gedanke sein, aber diese Energie, diese Wut der Leute hat sich dahin verlagert, dass man einen milliardenschweren TV-Star zum Präsidenten gemacht hat.“

Das Porträt des großen Ezra Furman von Maximilian Schäffer, in das die Interviewteile eingewebt sind, ist eine Perle im an solchen wahrlich nicht reichen deutschen Popjournalismus.
 

09.03.2018

90 Sekunden...

Tagesschau am 23.Febraur 2018:
Von der Meldung „Der deutsche Staat hat 2017 einen Rekordüberschuß von 36,6 Milliarden Euro erzielt“ zur Meldung „Die Schlangen vor den Tafeln werden immer länger“ braucht die Tagesschau knapp 90 Sekunden. Miseria e nobilta, Armut und Reichtum hierzulande auf den Punkt gebracht.

09.03.2018

Die sexuellen Vorzüge des Sozialismus

„Die sexuellen Vorzüge des Sozialismus“ lautet die Überschrift im Schweizer „Tages-Anzeiger“ und macht naturgemäß neugierig: „Frauen im Ostblock hatten ein befriedigenderes Intimleben als Westlerinnen, sagt eine Forscherin. Den Grund sieht sie in größerer ökonomischer Sicherheit.“

Laut der US-amerikanischen Professorin für Ethnografie und Geschlechterforschung, Kristen Ghodsee, war das Liebesleben der Frauen im Sozialismus weit erfüllter. „Einen Hinweis darauf liefert eine vergleichende soziologische Studie zwischen Frauen aus Ost- und Westdeutschland (man könnte auch korrekt sagen: DDR und BRD... BS), die nach der Wiedervereinigung und dem Ende der DDR (geht doch... BS) durchgeführt worden war“, schreibt die Forscherin in einem Essay für die „New York Times“. „Demnach hatten die ostdeutschen Frauen doppelt so viele Orgasmen wie jene im kapitalistischen Westen.“

Und eine Erklärung liefert Ghodsee laut „Tages-Anzeiger“ auch gleich mit: „Die Frauen hatten deutlich weniger Stress, obwohl oder gerade weil sie meist einer Beschäftigung nachgingen. Die Abwesenheit bei Mutterschaft war großzügiger und umfassender geregelt, und wer schwanger wurde, mußte nicht gleich befürchten, die Stelle zu verlieren. (...) Eine stärkere Gleichberechtigung gehörte zum sozialistischen Programm.“

In ihrem Artikel zitiert Ghodsee eine bulgarische Zeitzeugin und Mutter, „die zwar einerseits eingesteht, daß vieles zu dieser Zeit schlecht gewesen sei. Ihr Leben sei andrerseits voller Romantik gewesen, befriedigender und mit weniger Stress verbunden als der aktuelle Alltag ihrer Tochter, die in den späten 1970er Jahren geboren wurde.“ Zum aktuellen Sexualleben ihrer Tochter meint die bulgarische Mutter: „Wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommt, ist sie zu müde, um noch viel mit ihrem Mann zu machen. Die beiden sitzen wie Zombies vor dem Fernseher. Als ich in ihrem Alter war, hatte ich viel mehr Spaß.“

09.03.2018

Glücklichsein im Kapitalismus: Jeder vierte Jüngere hat psychische Probleme!

Und wie sieht das Leben heute für junge Menschen im Kapitalismus aus? „Jeder vierte Jüngere hat psychische Probleme“, titelt die „FAZ“ am 23.2.2018. „Angststörungen, Panikattacken und Depressionen breiten sich aus, zeigt eine Studie der Barmer Ersatzkasse.“

Im Jahr 2016 seien 25,8 Prozent aller jungen Erwachsenen (also der 18- bis 25-Jährigen) in Deutschland von solchen Krankheiten betroffen gewesen. Wohlgemerkt: in dieser Statistik der BEK sind nur tatsächliche Behandlungsfälle enthalten, nicht behandelte Depressionen kommen hier also nicht vor; die Dunkelziffer der tatsächlichen psychischen Probleme dürfte damit noch höher liegen.

Beängstigend ist die drastische Steigerung: Allein von 2005 bis 2016 ist die Zahl der betroffenen jungen Erwachsenen um 38 Prozent gestiegen. Bei Depressionen hat die Zahl der darunter leidenden jungen Erwachsenen seit 2005 sogar um 76 Prozent zugenommen. Der Barmer-Vorstandsvorsitzende Straub erklärt die hohe Zahl von psychischen Erkrankungen laut „FAZ“ dadurch, daß „Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich steigen, hinzu kommen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste.“

So sieht also für junge Erwachsene das Leben in der besten aller Welten aus...

09.03.2018

Staats-HipHop: Initiative Musik fördert Zugezogen Maskulin

Die staatliche Initiative Musik hat in ihrer 40. Förderrunde Ende 2017 etliche „Projekte von Pop bis Jazz“ gefördert. „Die Initiative Musik ist und bleibt eine wichtige Einstiegshilfe für Künstlerkarrieren in der Musikindustrie“, lobt sich die Initiative in einer Presseerklärung selbst.
Und weiter heißt es, daß sich die Künstlerförderung „insbesondere an Newcomer“ wendet, die sie „beim Karriereaufbau am deutschen Markt“ fördert. Schon auch ein wenig entlarvend, nicht? Es geht also weniger um Musik, sondern um Karriere, und die soll „am“ Markt stattfinden. Musik also nicht für Fans, sondern für den heiligen Popanz, den niemand kennt, der aber allgemein angebetet wird, nämlich: für den „Markt“.
Und dann findet man in der Liste der Künstler und Bands, die die staatliche Künstlerförderung genossen haben: Zugezogen Maskulin! Das wirklich tolle HipHop-Duo also. Das allerdings alles andere als ein „Newcomer“ ist, und das auch wahrlich keinen „Karriereaufbau“ „am“ Markt mehr benötigt. Das Album „Alles brennt“ erreichte 2015 Platz 20 der deutschen Album-Charts, das aktuelle Album „Alle gegen alle“ im Oktober 2017 sogar Platz 14. Ein auch kommerziell sehr erfolgreicher Act also. Wozu da die staatliche Förderung?
Aber fragen wir auch andersherum: Das Erfolgsduo veröffentlicht seine Platten bei einem ebenso kommerziell erfolgreichen Hamburger Label, das sich aus Verkaufsgründen immer noch „Indie“ nennt, aber längst alles andere als das ist, sondern irgendwas zwischen Indie und Musikkonzern, also eine Art Groß-Indie. Und dessen Konzertabteilung neben vielen anderen renommierten und kommerziell sehr erfolgreichen Acts auch gleich die Tourneen von Zugezogen Maskulin veranstaltet. Liebe Hamburger Kolleg*innen – habt ihr das wirklich nötig, in jede bereitstehende Schatulle zu greifen? Braucht ihre, brauchen eure Acts wirklich noch die paar tausend Euro Staatskohle? Oder wäre es nicht besser, wenn ihr diese Fördermittel denen überlassen würdet, die darauf wirklich angewiesen sind?

09.03.2018

Südkorea, das ARD-Musterland der Demokratie

Es wird ja gerne behauptet, daß die Öffis vor allem auch deswegen ihre vielen Milliarden bekommen müssen, damit seriöse Informationen verbreitet werden können und nicht ständig all die Fake News wie im bösen Neuland.
Was mit seriöser Information gemeint ist, konnte man zu Beginn der Winterolympiade im selbsternannten öffentlich-rechtlichen Informations-Flaggschiff „Tagesthemen“ sehen. In der Rubrik „kurzerklärt“ wird die koreanische Teilung erklärt. Und zwar so, wie ein CDUCSUNATO-treues Lieschen Müller in der niederbairischen Provinz sich die Welt vorstellt: Da gibt es die Guten und die Bösen, und „beide Konfliktparteien verüben Massaker“. Daß die US-Armee im Koreakrieg zum ersten Mal systematisch Agent Orange eingesetzt und mindestens zwei, nach anderen Schätzungen drei Millionen koreanische Zivilisten umgebracht hat – darüber kein einziges Wort. Darüber, daß das vom Westen protegierte Südkorea über Jahrzehnte hinweg eine brutale Militärdiktatur war – kein Wort. In der Lieschen Müller-kurzerklärt-Welt ist Südkorea „eine funktionierende Demokratie mit einer stabilen Wirtschaft“, während Nordkorea „nach wie vor eine Diktatur ist“. Darüber, daß 2016 die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye wegen Korruption verhaftet und wenig später ihres Amts enthoben wurde und mittlerweile wohl einer 30jährigen Haftstrafe entgegensieht, was ja weltweit schon ein reichlich einzigartiger Vorgang ist – kein Wort. Das ist kein Versehen, das ist kein Zufall, das ist ein Bericht der ARD-Propagandaabteilung.

Übrigens – haben Sie auch die nordkoreanischen Cheerleaderinnen bei Olympia gesehen? Ich rätsle ja seit einiger Zeit, worin die sogenannte Fan-„Choreographie“ besteht, die von Sportreportern hierzulande immer behauptet wird. Laut Wikipedia bezeichnet Choreographie „das Erfinden und Einstudieren von Bewegungen, meist in Zusammenhang mit Tanz.“ Als ich das erste Mal davon hörte in einer Sportschau, sah ich extra auf, weil ich dachte, wow, da haben sich die Fans ja mal richtig was einfallen lassen. Aber iwo – die sogenannte Choreographie bestand im Ausrollen einer banalen Riesenfahne in den Farben der jeweiligen Vereine...
Ganz anders die nordkoeranischen Cheerleaderinnen bei Olympia:
„Bizarre Begeisterung: Kims mysteriöse Cheerleader kapern Olympia“ (ntv)
„Nordkoreas Cheerleader im Dienste Kims“ (Deutsche Welle)
„Nordkorea-Diktator Kim Jong-un (34) lässt seine Cheerleader-Armee los!“ (Bild)
„Nordkorea drückt den Winterspielen im Nachbarland seinen Stempel auf: 200 Cheerleader sind in Pyeongchang gelandet. Sie tragen Pelzmäntel und Fellmützen.“ (Welt)
„Nordkorea schickt seine schönsten Frauen an die Olympischen Spiele. Kim Jong-un soll jede einzelne von ihnen persönlich ausgesucht haben.“ (Blick)
„So begeistert Nordkoreas ‚Armee der Schönen’“ (Handelsblatt)
Ich finde: Von Nordkorea lernen heißt Fan-Choreographie lernen: Sehen Sie selbst.

 

09.03.2018

Pjöngjang & taz. "Kontrollierte Einblicke"

Propaganda ist allerdings nicht nur Sache des Staatsfernsehens.
Ein hübsches Beispiel fand sich Mitte Februar auch in der „taz“, in einer vierteiligen „Bildergeschichte“ mit dem Titel „Kontrollierter Einblick. Pjöngjang“.

Darin etwa am 14.2. das Foto eines Fahrradfahrers und einer Verkehrspolizistin.

Der Untertitel: „In einem der pastellfarbenen Neubauviertel in der nordkoreanischen Hauptstadt. Eine Verkehrspolizistin spricht mit einem Fahrradfahrer. Schon kleine Übertretungen wie Spazieren auf dem Gras können bestraft werden.“
Selbst wenn es so wäre – nichts davon zeigt das Foto...

Oder das Foto am 16.2., auf dem ein Mann sein Fahrrad in einer Schneelandschaft schiebt.

Die „taz“ untertitelt dieses Foto so:
„Auf dem Weg zu einer nordkoreanischen Modellfarm sind neben Propagandaplakaten viele zerlumpte und ärmlich gekleidete Menschen zu sehen, die außerhalb der Städte des Landes leben. Sie sehen ganz anders aus als die für Journalisten sorgfältig ausgewählten Bauern.“
Mal jenseits der Tatsache, daß im deutschen Staatsfernsehen auch ständig Menschen zu sehen sind, die ganz anders aussehen als diejenigen, denen ich so auf der Straße begegne – aber „zerlumpt“ und „ärmlich gekleidet“ ist dieser Mann mit seinem Fahrrad nun wirklich nicht. Da könnte ich dem investigativen Fotoreporter der taz zum Beispiel in bäuerlichen Gegenden Niederbayerns, Thüringens oder des Münsterlands wesentlich schlechter gekleidete Menschen zeigen...

09.03.2018

Kommerzielle Hundefleischindustrie in...

Und in welchem Land werden systematisch Hunde gegessen?
Nö, nicht, was Sie denken. Südkorea ist das einzige Land der Welt, das eine kommerzielle Hundefleischindustrie hervorgebracht hat.

09.03.2018

ARD nicht solidarisch mit Deniz Yüksel. ZDF macht Werbung für Garnisonskirche

Pressefreiheit, wie die ARD sie versteht:
Wie Kai-Hinrich Renner in „Medienmacher“ schreibt, „konnten die ARD-Intendanten sich im April 2017 auf einer Sitzung in Frankfurt nicht zu einer Solidaritätsaktion für Yücel durchringen. Der Vorschlag von NDR-Intendant Lutz Marmor, mit Mediengrößen wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner ein Video für den Journalisten zu drehen, fiel bei der Mehrheit der Senderchefs durch. Sie verwiesen allen Ernstes auf den Satz des einstigen ‚Tagesthemen’-Moderators Hanns-Joachim Friedrichs, ein Journalist dürfe sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Zudem hielten sie es für erforderlich, zu prüfen, ob sich Yücel nicht doch einer Straftat schuldig gemacht habe.“
Was den letzten Satz angeht, da argumentieren die ARD-Intendanten ungefähr so wie die Rechtsradikalen dieser Tage im Bundestag...

Mit welcher Sache sich das deutsche Staatsfernsehen dagegen gerne gemein macht, kann man beim ZDF erfahren: Dort nämlich hat man zu bester Sendezeit, direkt vor der 19-Uhr-Ausgabe der „heute“-Sendung, einen selbst produzierten Werbespot für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonskirche gesendet, der so schloß: „Der Turm der Garnisonskirche wird wiedererrichtet, und jeder kann helfen.“ Eine nationale Aufgabe gewissermaßen. Nur, wenn man nicht völlig geschichtsblind ist, weiß man eigentlich, daß der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonskirche ein umstrittenes und fragwürdiges Projekt ist. Die Kirche war ein Symbol des preußischen Militarismus und des NS-Regimes, und so nimmt es nicht wunder, daß die evangelische Martin-Niemöller-Stiftung in dem ZDF-Spot eine „einseitige Parteinahme für ein auch international umstrittenes erinnerungspolitisches Projekt“ sieht und eine sofortige Einstellung der kostenlosen Werbung fordert. Das ZDF dagegen, dessen Gründungsintendant in einer NS-Propagandaeinheit gearbeitet hatte, findet nichts dabei – und gibt natürlich keine Antwort auf die Nachfrage, wie teuer der Spot war und wer die Kosten getragen hat.

09.03.2018

Freiheit nicht nur für Deniz Yücel, sondern auch für türkische Journalisten, spanische Rapper und...

Darüber hinaus wäre es schön, wenn nun, nachdem wir uns ausführlich über Freiheit für Deniz Yücel freuen durften, die Kampagne für die Freiheit aller inhaftierten Journalist*innen weiterginge! Denn von einem „türkischen Frühling“ kann mit der Freilassung Yücels noch längst keine Rede sein. Die türkische Plattform für unabhängigen Journalismus, „P24“, zählt derzeit in der Türkei 155 verhaftete Medienvertreter! „Reporter ohne Grenzen“ spricht von aktuell 36 Betroffenen, bei denen ein direkter Zusammenhang zwischen Haft und journalistischer Tätigkeit nachweisbar ist. Die Türkei führt die Statistik inhaftierter Journalist*innen weltweit mit großem Abstand an.

Doch schauen wir auch – zum Beispiel auf Spanien! In Spanien, EU- und NATO-Staat, ist die Meinungsfreiheit längst nicht mehr gewährleistet, ohne daß sich hiesige Politiker*innen und Medien groß darüber aufregen würden. Es sind nicht nur Politiker*innen, die für ihre Überzeugung, nämlich die katalanische Unabhängigkeit, ins Gefängnis müssen. Die „NZZ“ berichtet, daß „der mallorquinische Rapper Josep Miquel Arenas wegen (...)  Majestätsbeleidigung und Aufrufs zur Gewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt“ wurde. „Der 23-Jährige, der unter dem Künstlernamen ‚Valtonyc’ bekannt ist, hatte den früheren König Juan Carlos wegen seiner Elefantenjagd und seiner lukrativen Geschäfte mit arabischen Scheichs in seinen Raps kritisiert und zur Besetzung des Marivent-Palasts aufgerufen, wo die spanische Königsfamilie ihre Sommerferien verbringt. Auch über Iñaki Urdangarin, den der Korruption überführten Schwiegersohn von Juan Carlos, der noch immer auf freiem Fuss in Genf weilt, reimte Arenas munter. Das Strafmass liegt über dem, was der Staatsanwalt gefordert hatte.“
Oder denken wir an den Eklat bei der Madrider Kunstmesse „Arco“, deren Organisatoren sich in Kunstzensur übten: das Exponat „Politische Gefangene im gegenwärtigen Spanien“, ein großformatiges Werk des 51-jährigen Künstlers Santiago Sierra, das 24 Menschen auf Schwarz-Weiss-Fotografien mit verpixelten Gesichtern zeigt, unter ihnen die katalanischen Separatistenführer Oriol Junqueras, Jordi Sánchez und Jordi Cuixart, wurde kurzerhand abgehängt, die Wand, an der das Werk hing, wurde überpinselt.

Die Pressefreiheit und die Kunstfreiheit sind vielerorts in Gefahr – und nicht selten an Orten, die näher liegen, als wir annehmen würden.

09.03.2018

Street Fighting Man goes Blödzeitung

Hurra! Die Rolling Stones spielen wieder zwei Konzerte in Deutschland!
Laut Presseerklärung des Konzertveranstalters wird die Band „etliche Klassiker“ aufführen wie „Satisfaction“, „Paint It Black“ (dessen unschlagbar beste Version ever allerdings die Live-Version von Eric Burdon bleibt), „Tumbling Dice“ oder „Brown Sugar“.
Und wer ist „Medienpartner“ der Rolling Stones? Die BLÖDzeitung. Im Ernst jetzt. Und die Abonnenten des „Onlinedienstes“ Blödplus hatten sogar laut „Musikwoche“ die Gelegenheit, am Tag vor offiziellem Vorverkaufsbeginn „über einen Bildplus-Artikel unter stones-bild.de zum Online-Verkauf zu gelangen und bis zu zwei Karten für die Stones-Auftritte zu erwerben.“
Also Vorsicht, liebe Stones-Fans: Diesmal seid ihr beim Konzert umgeben von einem Herr von Blödzeitungs-Leser*innen...
Ob die Stones auch „Street Fighting Man“ spielen werden?
„Where I live the game to play is compromise solution / Well, then what can a poor boy do / Except to sing for a rock’n’roll band“

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