Akuelles Album: 

The Butcher's Share

Erschienen bei: Oriente/FMS (VÖ: 17.11.2017)
Besetzung: 
Daniel Kahn
Christian Dawid
Hampus Melin
Michael Tuttle
Jake Shulman-Ment
Tour: Daniel Kahn & The Painted Bird
Tourdaten: 
10.11.2017
Berlin, Maxim Gorki
1
21.01.2018
Dresden, Staatsschauspiel
1
22.01.2018
Leipzig, Nato
24.01.2018
München, Milla
25.01.2018
Reutlingen, franz.K
26.01.2018
Ravensburg, Zehntscheuer
1
27.01.2018
CH-Zürich, El Lokal
16.02.2018
A-Salzburg, jazz:it
1
17.02.2018
Geislingen, Rätsche
1
18.02.2018
A-Wien, Akkordeonfestival
1
26.02.2018
Frankfurt, Mousonturm
27.02.2018
Hamburg, Fabrik
1

Daniel Kahn & The Painted Bird

„Freiheit ist ein Verb, aber wir können es überleben.“ (Daniel Kahn, August 2017)

Mit dem neuen Album The Butcher’s Share, dem ersten seit fünf langen Jahren, machen Daniel Kahn und seine Band The Painted Bird ihrem Ruf als „radical Yiddish borderland bandistas“ mit Punkattitüde alle Ehre. Es ist das bis dato kraftvollste und komplexeste Werk der Band und stellt sich den großen politischen und persönlichen Themen unserer Zeit. Kahns revolutionäre Lieder für die Apokalypse sind wie eine Kriegserklärung an die Gegenwart.

In den vier Jahren, die seit „Bad Old Songs“ (wie das Vorgängeralbum mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet) vergangen sind, hat der in Berlin lebende, aus Detroit stammende Song-Poet die Band mit neuen und alten Freunden und Weggefährten neu formiert: Der Berliner Klezmer-Veteran Christian Dawid mit seinem Arsenal von Blasinstrumenten (von Klarinetten bis Saxophon) sorgt dafür, daß sich The Painted Bird wie eine betrunkene Seemans-Kapelle anhören, die eine jüdische Hochzeitsfeier auseinandernehmen. Jake Shulman-Ment führt seine Geige wie ein rasierklingenscharfes Messer durch die Stücke, der bewährte Schlagzeuger Hampus Melin sorgt für perkussive Sounds und den nötigen Drive, Michael Tuttle schlägt den Bass wie gewohnt furios und sensibel zugleich, und so sorgen The Painted Bird für die bekannte und faszinierende Stimmung von Intensität und jiddischer Party-Stimmung, wie sie sonst nur Balkan-Bands oder die unvergessenen französischen Bratsch beherrschen.

Daniel Kahn, Sänger, Gitarrist und Akkordeonist, ist in Top-Form und hat einige der besten Songs seiner Karriere geschrieben: „The Butcher’s Share“ kommt einem vor wie eine Art „Greatest Hits“-Zusammenstellung, nur, daß diese „größten Hits“ (ich hoffe, man merkt die Ironie, denn die Zeiten sind nicht so, daß hierzulande solche Songs in den Charts landen würden, was nicht gegen die Songs, sondern gegen die Zeiten spricht…) komplett aus neuem Material bestehen. Manchmal komisch, manchmal wie ein Albtraum, mitunter todtraurig, dann wieder wild und zum Tanz auffordernd und kämpferisch – diese Zusammenstellung aus Originalstücken, Übersetzungen und Adaptionen schmuggelt die Songs über alle Grenzen hinweg , seien es die aus Sprachen, aus Geschichte, aus Traditionen, Kulturen oder Genres. Punk, Klezmer, Jazz, Brecht, Waits, Folk-Balladen, alles ist wieder da!

Die „explosive Mischung aus Klezmer, radikalen jiddischen Songs, politischem Kabarett und Punk Folk" ("Zeit") sucht auch weiter ihresgleichen. Stücke wie „Freedom Is A Verb“ und „99“ erzählen über den konkreten Moment ebenso wie über den ewig andauernden Kampf zwischen sozialer Klasse und Befreiung. Balladen wie „Children In The Woods“ und „Sheyres Hora“ erforschen die Tiefen von Traum und Trauma und der tiefschwarze Song „No One Survives“ erinnert an David Bowies von Mut geprägter Hoffnungslosigkeit in seiner letzten Lebensphase.

Die Künstler navigieren furchtlos zwischen Revolution und Entfremdung, zwischen dem Politischen und dem Privaten und Persönlichen, dem Explosiven und dem Korrosiv-Zerstörenden. Sie haben neue Hymnen geschrieben wie „Freedom Is A Verb“ oder „99“, die sich mit der komplizierten politischen Gemengelage unserer Tage auseinandersetzen und zum Kampf auffordern. Balladen wie „Children In The Woods“ und „Sheyres Hora“ erkunden die Tiefen von Trauma und Traum. Und die dunkle Rock-Landschaft von „No One Survives“ bezieht sich auf die tapfere Hoffnungslosigkeit des späten David Bowie. Und im Titelstück „The Butcher’s Share“ ist es Daniel Kahn gelungen, in einer Art Upbeat-Erzählung das ökonomische Konzept des Warenfetischismus und die bürgerlicher Moral in einen Song zu gießen. Das ist wahrer Groucho-Marxismus – mit einem Killer-Beat!

Das Artwork für das neue Album stammt von Eric Drooker, der durch seine eindrucksvollen Titelbilder für den New Yorker, Alan Ginsbergs Illuminated Poems oder auch seine Animationen im Film Howl bekannt wurde. Unterstützung für das Album kommt vom renommierten Maxim Gorki-Theater in Berlin, an dem Kahn mittlerweile als Musikkurator und Hauslyriker und immer wieder auch als Schauspieler tätig ist und wo die neue Live-Show von Daniel Kahn & The Painted Bird im November 2017 Premiere feiern wird. Inspiriert von seiner Arbeit dort entwickelten sich die lyrischen und musikalischen Grundideen für das neue Album, oder, wie Daniel Kahn sagt: „Dieses Album entstand im Umfeld des Gorki Theaters, in dem Künstler verschiedenster Herkunft einen gemeinsamen Boden finden, auf dem es nicht um gespaltene Identitäten sondern um radikale Vision und komplizierte Narrative geht.“

 

* * *

„Daniel Kahn & The Painted Bird sind für den Klezmer, was die Pogues für den Folk waren: Sie versetzen die Tanzmusik der osteuropäischen Schtetl mit einer ordentlichen Portion Punk. Kahn schreibt großartig schräge Texte zwischen Leonard Cohen und Mordechaj Gebirtig, zwischen Nick Cave und Hirsch Glik.“    (Die Zeit)

„Wie der Musiker unbekümmert durch Genres wandert, hier eine Klezmer-Phrase streut, dort infizierende Polka-Rhythmen einsetzt, dazwischen irische Erinnerungen aufleuchten lässt, robuste Shanty-Selbstversicherung und Blues zitiert oder die Euphorie der Balkan-Gypsys beschwört, ist bemerkenswert. Nicht nur wegen der Vielfalt an sich, sondern auch wegen der Stilsicherheit, die Kahn dabei zeigt.“ (FAZ)

„Über Brechts Frage ‚Wovon lebt der Mensch?‘ eröffnet die Band ihr hintersinniges Tanzvergnügen. Alles hopst und trinkt und Kahn singt von Revolution, Whiskey und Zion, innerer Emigration und Parasitentum.“    (Rolling Stone)

„Daniel Kahn & The Painted Bird spielen im Kaffee Burger Verfremdungsklezmer: Vorwärts marschierend und rückwärts erinnernd bewegen die Songs von Brecht, Tucholsky und der jiddischen Arbeiter Herz und Beine.(…) Es ist ganz große Kunst, die Daniel Kahn & The Painted Bird machen.”     (taz)

„Der unerwartete Höhepunkt des Festivals (...) Geistvolles Entertainmant, Schunkeln für die Revolution (...) ein furioser Auftritt..."  Journal Frankfurt