Klassikkampf.
Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle

Erschienen bei: Matthes & Seitz Berlin
Tourdaten: 
16.10.2017
CH-Zürich, El Lokal
17.10.2017
CH-St. Gallen, Palace
Eintritt frei
1
18.10.2017
CH-Düdingen, Bad Bonn
19.10.2017
Geislingen, Rätsche
24.10.2017
Leipzig, Werk 2
Eintritt frei
1
09.11.2017
Kiel, Pumpe
1
10.11.2017
Berlin, Maison de France (mit Bürgermeister & Kultursenator Klaus Lederer)
1
10.01.2018
A-Wien, Sargfabrik
1
11.01.2018
A-Linz, Stadtwerkstatt
1
12.01.2018
A-Ebensee, Kino
1

Klassikkampf.

Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle

„Eines solchen Buches hat es bedurft – es empfiehlt sich zur verpflichtenden Lektüre für jeden Kulturpolitiker." (Frankfurter Rundschau)

„Warum fasziniert uns Nachgeborene der Gesang von Maria Callas bis heute ? Weil Maria Callas singt, wie Malcolm X und Martin Luther King ihre Reden hielten und Politik gemacht haben, mit Haltung, mit unbedingtem Einsatz und aus existenzieller Notwendigkeit heraus.“

Auch die glamouröse Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie konnte die tiefe Krise der klassischen Musik nicht übertünchen: Sie ist im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibt konventionell und Konzertbesuche dienen oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis. Unterdessen versuchen die Musikkonzerne mit Entspannungs-CDs für gestresste Manager und der cleanen Inszenierung geigender Schönheiten gegen sinkende Verkäufe anzukämpfen. Doch trotz dieser Anbiederung schreitet die Entfremdung der klassischen Musik von der Masse der Menschen immer weiter fort ‑ wer würde heute noch davon zu träumen wagen, daß die sogenannte Unterschicht ihr Glück in der Klassik finden könnte?

Angesichts dieses Elends der Ernsten Musik fordert Berthold Seliger, „Deutschlands eloquentester Konzertagent“ (Berliner Zeitung), einen neuen Klassikkampf um die verdrängten Potenziale der Musik. Er wirft einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen des heutigen Klassikbetriebs und ruft mit Verve in Erinnerung, daß die Ernste Musik entgegen der heutigen Mutlosigkeit und Verflachung eigentlich von Mozart über Beethoven bis Eisler und Abbado immer auf die Revolutionierung der Schönheit und damit auch der realen gesellschaftlichen Verhältnisse zielte; es ging um nichts weniger als um Fortschritt und Glück.

Seliger erklärt, was es mit „Musik als Sprache, die (nicht) jeder versteht“ auf sich hat, er plädiert ausdrücklich für die Trennung in Ernste und Unterhaltungsmusik (setzt sich allerdings für eine neue Kategorisierung jenseits von Klassik und Pop ein) und dafür, die Klassiker vom Podest zu holen und wieder zu nutzen, statt sie nur anzubeten. In einem ausführlichen Kapitel zur Bildung fordert er eine komplette Revidierung der neoliberalen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte zugunsten einer Neuorientierung an den „humanities“ und vor allem auch zugunsten der „outerclass“. Schließlich schildert Seliger in einem großen Kapitel zu Beethoven den Komponisten als gesellschaftliches Wesen, der auch heutigen Musiker*innen aller Sparten als Beispiel für eine Musik mit Haltung dienen kann, und erläutert das „Prinzip Dire Straits“, dem er das „Prinzip Beethoven“ entgegensetzt.

Seliger fordert nichts weniger als die Rettung des revolutionären Glutkerns der „Klassik“, die nur über ihre breite gesellschaftliche Wiederaneignung gelingen kann und die wie Bildung und Kultur in den letzten Jahrhunderten immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss. So ist seine schonungslose Kritik an der gegenwärtigen Misere am Ende nichts weniger als eine flammende Liebeserklärung an die „klassische“, an die Ernste Musik.

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Pressestimmen:

„Das höchst anregende Buch zeichnet sich durch einen ungeheuer scharfen und umfassend panoramatischen Blick auf die hiesige Klassikszene aus, auf 453 stringent formulierten Seiten (...) Mit Leidenschaft und vom aufklärerischen Fortschrittsgedanken getragen, spricht er von einem Posterstar-Marketing in der „Klassik“ (...)
In seinem Plädoyer für eine tatsächliche Vielfalt jenseits der eurozentrisch geprägten Floskel von der Musik als universaler Sprache setzt sich Seliger für eine „Hörschulung“ auch an Tonsystemen außereuropäischer Kulturen ein. Ein Abschnitt gilt dem „Bildungsputsch“ durch ein staatlicherseits willfährig ermöglichtes „Engagement“ der Wirtschaft an den Hochschulen. An denen müsse es um Freiräume gehen, nicht um „Schliff für die kapitalistische Produktion“.
Als „role model“ für einen unabhängigen – auch von der Einflussnahme durch Sponsoren – und selbstbestimmten Künstler stellt Seliger Beethoven in den Mittelpunkt des beinahe schon ein zweites Buch bildenden finalen Teils. Er verweist auf den revolutionären Gehalt seiner Musik, den es unter der Kruste bürgerlicher Vereinnahmung freizulegen gelte. Seligers Projekt richtet sich auf eine neue Kultur im Zeichen einer gesellschaftlichen Emanzipation. So setzt er sich für die Wiederbelebung eines Studium generale ein, das Musikgeschichte und -gegenwart als obligatorisch etwa auch für Absolventen technischer Studiengänge umfasst – zur Herausbildung streitbarer Geister anstelle eines „Primats des Mehrwerts und der Nützlichkeit“.
Adorno, Benjamin, Greil Marcus und Hans Heinz Stuckenschmidt gehören zu Seligers zahlreichen Zeugen. In einer gut belegten Differenziertheit ruft er zu einer Opposition wider die vorgebliche „Alternativlosigkeit“ zur Markthörigkeit auf, davon ausgehend, dass Kunst und Literatur „immer im Kampf gegen etwas stehen“ (Peter Weiss). Eines solchen Buches hat es bedurft – es empfiehlt sich zur verpflichtenden Lektüre für jeden Kulturpolitiker."

(Frankfurter Rundschau)

„Der Titel ist natürlich ein Hammer: Klassikkampf. „Citoyens, aux armes" ruft Berthold Seliger seinen Leserinnen und Lesern zu. Zu den Waffen - aber zu welchen? Und für welche Schlacht? Die wichtigste Waffe ist für den Autor die Bildung. Er widmet ihr ein ganzes Kapitel, aus Protest gegen das seiner Meinung nach desolate Bildungssystem in Deutschland, das ein "Trümmerhaufen des Neoliberalismus" sei und den "Humanities", also der kulturellen Bildung viel zu wenig Platz einräume. (...)
Seligers Idealbild musischer Bildung in sich. Er fordert: Musik- und Kunstunterricht auf allen Stufen, Musikstunden quer durch alle Genres, Instrumentalunterricht für jedes Kind, obligatorische Konzertbesuche, Schulkonzerte mit Profis, Gratismuseen und günstige Tickets für Konzert und Theater («öffentliche Kulturförderung dient nicht der Wirtschaftsförderung, sondern muss sich daran orientieren, Geringverdienern und all jenen, die bisher nicht an der kulturellen Vielfalt partizipieren, Teilhabe zu ermöglichen»), Familien-, Mittags- und Nachtkonzerte zu tiefen Tarifen, eine 25-Prozent-Quote für zeitgenössische Musik in Konzerten und Radioprogrammen, Austausch mit nicht-europäischer Musik, kostenlose Live-Mitschnitte von Konzerten im Netz und schliesslich: mehr Mittel für Musikschulen. (...)
Sein Ansatz geht aber weiter; insgesamt sei ein neuer, widerständiger Begriff von «Klassik» nötig. In einer bemerkenswerten Retrobewegung plädiert Seliger für eine wiederbelebte und geschärfte Unterscheidung zwischen E- und U-Kultur. Deren Aufweichung sei nicht im Interesse der Kunst und der Gesellschaft, sondern des Markts. (...)
An zahlreichen Musikbeispielen (nachzuhören auf spotify), mit Blicken über den europäischen Tellerrand hinaus und mit einem ausführlichen Kapitel zu Beethoven macht Seliger Lust darauf, den «rebellischen Kern» der Klassik neu zu entdecken und zu beleben. Und dies gerade auch in den immer wieder gespielten Werken des Kanons. Zum Beispiel in Beethovens Fünfter – deren nicht enden wollende Schlussakkorde hört Seliger mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt als «die Eröffnung einer Zukunft». Und traut den sieben C-Dur- Akkorden kulturoptimistisch zu, dass sie «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» propagieren, gegen Ausbeutung und Rassismus antönen und mit jenem Pathos, das Seligers Klassikkampf eigen ist, verkünden: «Ein anderes Leben ist möglich.»"

(Saiten, Monatsmagazin Ostschweiz)

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Berthold Seliger:
Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle
Broschur, 496 Seiten, € 24.- / E-Book: € 20,99
In allen guten Buchhandlungen erhältlich.