Klassikkampf.
Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle

Erschienen bei: Matthes & Seitz Berlin

Klassikkampf.

Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle

„Eines solchen Buches hat es bedurft – es empfiehlt sich zur verpflichtenden Lektüre für jeden Kulturpolitiker."
(Stefan Michalzik, Frankfurter Rundschau)
„Super Buch. Lesen Sie es. Danach hören Sie besser.“  (Peter Laudenbach, TIP Magazin Berlin)
„Die Lektüre dieses Buches macht sehr glücklich.“  (Björn Gottstein, SWR 2)
„Seligers ‚Klassikkampf’ ist nicht nur die Aufforderung zur Rückeroberung der Musik aus den Fängen von Konsum und Distinktionszwang, sondern auch ein leidenschaftliches Buch im doppelten Sinne: über das Schöne und das Schreckliche - was Musik verkommen und was sie erblühen lässt.“  (Christa Hager, Wiener Zeitung)
Empfehlung „Musikbuch des Jahres“ von Christine Lemke-Matwey in „Die Zeit“

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Auch die glamouröse Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie konnte die tiefe Krise der klassischen Musik nicht übertünchen: Sie ist im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibt konventionell und Konzertbesuche dienen oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis. Unterdessen versuchen die Musikkonzerne mit Entspannungs-CDs für gestresste Manager und der cleanen Inszenierung geigender Schönheiten gegen sinkende Verkäufe anzukämpfen. Doch trotz dieser Anbiederung schreitet die Entfremdung der klassischen Musik von der Masse der Menschen immer weiter fort ‑ wer würde heute noch davon zu träumen wagen, daß die sogenannte Unterschicht ihr Glück in der Klassik finden könnte?

Angesichts dieses Elends der Ernsten Musik fordert Berthold Seliger, „Deutschlands eloquentester Konzertagent“ (Berliner Zeitung), „ein Insider, dem wir wichtige Erkenntnisse zur Funktionsweise des Musikbetriebs verdanken“ (Der Standard), einen neuen Klassikkampf um die verdrängten Potenziale der Musik. Er wirft einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen des heutigen Klassikbetriebs und ruft mit Verve in Erinnerung, daß die Ernste Musik entgegen der heutigen Mutlosigkeit und Verflachung eigentlich von Mozart über Beethoven bis Eisler und Abbado immer auf die Revolutionierung der Schönheit und damit auch der realen gesellschaftlichen Verhältnisse zielte; es ging um nichts weniger als um Fortschritt und Glück.

Seliger erklärt, was es mit „Musik als Sprache, die (nicht) jeder versteht“ auf sich hat, er plädiert ausdrücklich für die Trennung in Ernste und Unterhaltungsmusik (setzt sich allerdings für eine neue Kategorisierung jenseits von Klassik und Pop ein) und dafür, die Klassiker vom Podest zu holen und wieder zu nutzen, statt sie nur anzubeten. In einem ausführlichen Kapitel zur Bildung fordert er eine komplette Revidierung der neoliberalen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte zugunsten einer Neuorientierung an den „humanities“ und vor allem auch zugunsten der „outerclass“. Schließlich schildert Seliger in einem großen Kapitel zu Beethoven den Komponisten als gesellschaftliches Wesen, der auch heutigen Musiker*innen aller Sparten als Beispiel für eine Musik mit Haltung dienen kann, und erläutert das „Prinzip Dire Straits“, dem er das „Prinzip Beethoven“ entgegensetzt.

Seliger fordert nichts weniger als die Rettung des revolutionären Glutkerns der „Klassik“, die nur über ihre breite gesellschaftliche Wiederaneignung gelingen kann und die wie Bildung und Kultur in den letzten Jahrhunderten immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss. So ist seine schonungslose Kritik an der gegenwärtigen Misere am Ende nichts weniger als eine flammende Liebeserklärung an die „klassische“, an die Ernste Musik.

„Warum fasziniert uns Nachgeborene der Gesang von Maria Callas bis heute ? Weil Maria Callas singt, wie Malcolm X und Martin Luther King ihre Reden hielten und Politik gemacht haben, mit Haltung, mit unbedingtem Einsatz und aus existenzieller Notwendigkeit heraus.“

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Pressestimmen:

„Das höchst anregende Buch zeichnet sich durch einen ungeheuer scharfen und umfassend panoramatischen Blick auf die hiesige Klassikszene aus, auf 453 stringent formulierten Seiten (...) Mit Leidenschaft und vom aufklärerischen Fortschrittsgedanken getragen, spricht er von einem Posterstar-Marketing in der „Klassik“ (...)
In seinem Plädoyer für eine tatsächliche Vielfalt jenseits der eurozentrisch geprägten Floskel von der Musik als universaler Sprache setzt sich Seliger für eine „Hörschulung“ auch an Tonsystemen außereuropäischer Kulturen ein. Ein Abschnitt gilt dem „Bildungsputsch“ durch ein staatlicherseits willfährig ermöglichtes „Engagement“ der Wirtschaft an den Hochschulen. An denen müsse es um Freiräume gehen, nicht um „Schliff für die kapitalistische Produktion“.
Als „role model“ für einen unabhängigen – auch von der Einflussnahme durch Sponsoren – und selbstbestimmten Künstler stellt Seliger Beethoven in den Mittelpunkt des beinahe schon ein zweites Buch bildenden finalen Teils. Er verweist auf den revolutionären Gehalt seiner Musik, den es unter der Kruste bürgerlicher Vereinnahmung freizulegen gelte. Seligers Projekt richtet sich auf eine neue Kultur im Zeichen einer gesellschaftlichen Emanzipation. So setzt er sich für die Wiederbelebung eines Studium generale ein, das Musikgeschichte und -gegenwart als obligatorisch etwa auch für Absolventen technischer Studiengänge umfasst – zur Herausbildung streitbarer Geister anstelle eines „Primats des Mehrwerts und der Nützlichkeit“.
Adorno, Benjamin, Greil Marcus und Hans Heinz Stuckenschmidt gehören zu Seligers zahlreichen Zeugen. In einer gut belegten Differenziertheit ruft er zu einer Opposition wider die vorgebliche „Alternativlosigkeit“ zur Markthörigkeit auf, davon ausgehend, dass Kunst und Literatur „immer im Kampf gegen etwas stehen“ (Peter Weiss). Eines solchen Buches hat es bedurft – es empfiehlt sich zur verpflichtenden Lektüre für jeden Kulturpolitiker."

(Stefan Michalzik, Frankfurter Rundschau)

„Weil Seliger die Musik etwas bedeutet, hasst er den Betrieb ihrer Verwertung. Darüber hat er jetzt ein ziemlich großartiges Buch geschrieben, das beste Chancen hat, zum Standardwerk zu werden: Das Äquivalent zu Diederichsens Buch über Pop-Musik, nur dass Seliger etwas klarer und analytisch, also marxistisch, argumentiert. Weil er als Konzertveranstalter den Betrieb von innen kennt, ist er über die ökonomischen Zusammenhänge bestens informiert. Seliger hat seinen Adorno gelesen, er analysiert das Marktgeschehen mit dem Instrumentarium der Kritischen Theorie. Und er weiß, dass, wer nur von Musik etwas versteht, und von allem anderen nichts, zum Beispiel von Kapitalismus, der Musikindustrie, Entfremdung und Klassikmarketing, auch von Musik nichts versteht. Super Buch. Lesen Sie es. Danach hören Sie besser.“
(Peter Laudenbach, TIP Magazin Berlin)

„Seligers Thesen sorgen für reichlich Diskussionsstoff.“
Empfehlung „Musikbuch des Jahres“ von Christine Lemke-Matwey in „Die Zeit“

„Berthold Seliger sagt nicht der Klassik den Kampf an, wohl aber dem Musikbetrieb, der die klassische Musik verwertet. Aber die Waffe, zu der er greift, ist die Musik selbst: Er kämpft mit der Klassik gegen den Klassikmarkt. (...) Das ist interessant an diesem Buch, daß es beides miteinander vereint, auf manchmal sehr querstehende und manchmal sich sehr toll gegenseitig beleuchtende Art und Weise. Das Buch ist aus der Liebe zur Musik heraus geschrieben, aber es ist gleichzeitig ein sehr informiertes Buch. Da wird zum Beispiel anhand von vielen Studien ein feines, ausdifferenziertes Bild vom Klassikhörer heute gezeichnet. (...)
Die Lösung liegt für Seliger immer in der Musik selbst, denn dann, wenn sich die Leidenschaft für Musik entfaltet, kann der Mensch auch zu sich kommen, neues Bewußtsein und ein anderes Gesellschaftsverständnis bekommen. Im letzten Kapitel des Buches geht es um den revolutionären Beethoven, und da wird einem noch einmal sehr schön klar gemacht, wie viel Potential, auch an Utopien, in dieser Musik steckt, und daß man dies auch in sich selber entfachen kann. (...)
Die Musik, die Kunst gehört allen – das ist eine Utopie, ein Ideal, dem Berthold Seliger bis heute anhängt. (...)
Seligers Buch unterscheidet sich von anderen, weil er nicht in erster Linie Staub aufwirbeln will, sondern mit der Musik analytisch argumentiert. Er geht wirklich ins Detail, er hat einen unglaublichen Fundus an Literatur, den er zitiert, er hat wirklich tief gelesen in die ‚Was ist Musik eigentlich?’-Theorie und in die Ästhetik hinein, und versucht, daraus seine Argumente zu bilden, und das ist das Schöne an dem Buch, daß man das Gefühl hat, man ist mit dem Autor bei einem Gang zur Grundsubstanz der Musik. (...)
Die Lektüre dieses Buches macht sehr glücklich, sie regt zum Nachdenken an, sie gibt einem aber auch das Gefühl: es gibt einen Ausweg aus der Verwertungsindustrie, in der die Musik steckt, und es ist möglich, zur Musik selbst zu kommen und mit der Musik etwas zu verändern.“

(Björn Gottstein, Intendant „Donaueschinger Musiktage“, auf SWR 2)

„Seliger setzt sich in seinem Buch nicht nur mit den Ursachen der Systemkrise der Ernsten Musik, mit den Vermarktungsstrategien, der Kommerzialisierung, dem Quotendenken oder Starwesen auseinander, sondern auch mit der Ritualisierung im Klassikbetrieb, dem Bildungsbürgertum sowie mit einer anderen Sichtweise auf E- und U-Musik.
Das Buch bleibt jedoch nicht bei der Kritik am Zustand der Musik der Gegenwart stehen, sondern weist auf Wege aus dieser Einbahnstraße hin: Am Beispiel derer etwa, die sich dieser Oberflächlichkeit entziehen und die verdrängten Potentiale der Ernsten Musik am Leben erhalten oder in einem eigenen Kapitel über Musikunterricht und Schulbildung. Und am "Prinzip Beethoven" zeigt er, dass ein anderes Musikverständnis zur Selbstermächtigung beitragen kann.
Seligers ‚Klassikkampf’ ist nicht nur die Aufforderung zur Rückeroberung der Musik aus den Fängen von Konsum und Distinktionszwang, sondern auch ein leidenschaftliches Buch im doppelten Sinne: über das Schöne und das Schreckliche - was Musik verkommen und was sie erblühen lässt.“

(Christa Hager, Wiener Zeitung)

„Eine leidenschaftliche, sehr eloquente, fachlich bis in die Tiefe ausgelotete Analyse und Streitschrift für die Ernste Musik.“   
(Leipziger Volkszeitung)

„Land unter! Der inzwischen sprichwörtliche "Silbersee" der ergrauten Rentner regiere die Klassik-Hallen, so tönt es seit Langem missvergnügt von vielen Feuilletonseiten. Junge Menschen meiden die "Ernste Musik", vornehmlich ein älteres, konservatives Publikum frequentiere die stereotyp programmierten Events, ein abgespielter Stücke-Kanon von Mozart, Beethoven und Brahms bis zu Mahler und Strauss tönt immergleich durch die Konzertsäle, während die Opernhäuser strikt nach der Erfolgsformel "A / B / C" ("Aida" / "La Bohème" / "Carmen") inszenieren lassen. Das Repertoire eines satten, arrivierten Bürgertums, das Kultur nur als affirmativen Gerüstbau seiner gesellschaftlichen Herrschaft begreift, weniger als Herausforderung, Innovation oder gar Verunsicherung. Die Kultur in Gefahr: So jedenfalls sieht der Autor Berthold Seliger die aktuelle Situation der arrivierten Musikszene in Deutschland. (...)
Die Theoriegeschütze und geistesgeschichtlichen Zeugen, die Seliger anführt, sind von bestem Kaliber. Selten marschierten auf begrenztem Raum Platon, Friedrich Schiller, Hegel, Schelling, Hölderlin, Wolfgang Abendroth und etliche weitere Größen auf, gerundet durch die sympathisch sanft-anarchischen kulturdidaktischen Thesen von Piano-Genie und Provokateur Friedrich Gulda. Ein echtes Verdienst, diese unangepasste Persönlichkeit der Musikszene und Stachel im Fleisch des Kulturbetriebes zu würdigen, gerade weil seine Einspielung der 32 Beethoven-Klaviersonaten von 1968 immer noch zu den aufregendsten und stilprägendsten gehört.
Dem Eindruck, dass er nur etwas von Musik verstehe, wirkt der Autor auf diese Weise erfolgreich entgegen. Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass sich Seliger auch als Konzertveranstalter betätigt, ein Job, der in der vordersten Reihe des Musikbusiness stattfindet, sehr anstrengend und risikoreich ist und nur selten von Anerkennung begleitet wird, die über die Szene hinausreicht. Seliger kennt Künstler wie Lou Reed und Laurie Anderson, er wird nicht müde, seine breite musikalische Basis zu unterstreichen, um ja nicht in den Ruf eines "Fachidioten" (Alt-68er-Jargon) zu geraten. (...)
Seligers Forderung, dass sich die Ernste Musik nicht für ein Massenpublikum verbiegen solle, stattdessen die musikalische Ausbildung von Kinder und Jugendlichen verbessert werden müsse, ist nicht neu, aber richtig und sympathisch. Sie deckt sich mit den spitzen Conférencen von TV-Entertainer und Bildungsbotschafter Harald Schmidt dahingehend, dass Kultur eben Arbeit und Mühe mache, aber auch mit den Darlegungen im Buch des Musikschriftstellers Holger Noltze, "Die Leichtigkeitslüge (Über Musik, Medien Komplexität)" (edition Körber-Stiftung, 2010). Noltze kommt mit weniger Worten aus, brennt aber die Wunden des Kulturbetriebes mit gleicher Schärfe aus.
Was an Berthold Seligers Kampfschrift Spaß macht und reichlich Diskussionsstoff für Kaminabende liefert, sind die vielen Zitate, Beispiele und der mäandernde Stil, durch welchen die Erregung des Autors auf über 400 Seiten immer wieder Statements für Hochkultur und Anspruch in hellsten Flammen - tja, selbstgewisser Rhetorik liefert. Eventuell hat sich da ein Bildungsbürger selbst überführt: Ist aber nicht schlimm. Wer ohne Sünde ist, der spiele den ersten Akkord."

(Werner Theurich, SPIEGEL ONLINE)

„Es geht Seliger stets um die Räume: Räume für Fantasie und Kreativität, für künstlerische Erfahrung und Entwicklung, Raum für das, was die Menschen mit ihren Sinnen alles so anstellen können, wenn sie denn mal in Bewegung geraten abseits des stets Vorgebahnten, Vorgesetzten und -gekauten. Vor allem um Gestaltungsräume des Individuums, die von Staats wegen mit gutem Grund hervorgehoben sind und unterhalten werden: Ernste Musik, Bildung und Kultur eben. (...) Hier erhebt Seliger sein drittes ‚J’accuse’, wobei er zum dritten Mal recht hat. Denn wogegen er klagt und auf beinahe 500 Seiten wort- und musikreich ankämpft, das ist die Preisgabe sämtlicher übers Zählbare hinausgehender Ansprüche an die Ernste Musik zugunsten allein quantifizierbarer Kalküle bei Kasse, Klasse und Kompetenzen, sprich: gegen eine neue kulturelle Ökonomie, die Wohlstand, soziale Distinktion und Bildungserfolg derart smart kurzschließt, auf dass Erfahrung und Erkenntnis immer mehr auf Reiz und Reaktion massenkompatibel heruntergepegelt werden. (...)
Seliger hält der allumfassenden musikalischen ‚virtual reality’ die gute alte ‚communio’ entgegen, die bekanntermaßen seit Menschengedenken erst durchs (Mit-)Musizieren so richtig in Schwung kam. Und weil das buchstäblich alle meint, sind seine Folgerungen und Forderungen beileibe nicht nur kulturpolitisch. (...)

Mit umfangreichen Exkursen etwa zu den Saint-Simonisten, den Wiener Arbeitersymphoniekonzerten, französischer wie sowjetischer Revolutionsmusik verweist Seliger dagegen auf die große Tradition der Wiederaneignung von Künsten wie der Kunstmusik, nachdem sie ihren emanzipatorischen Geist in bourgeoisen Logen und Boudoirs aushauchten.
Wem das zu viel vom 68er-Geist ist, dem sei entgegnet, dass es erfreulich ist, im essayistischen Genre mal wieder intellektuell anspruchsvoller und nachdenklicher über Musik reden zu hören, als es sonst so klingt im Jargon der Kulturmanager oder dem feixenden Tonfall der Kulturinfarkt-Feldschere. Um von der Hingabe an die Sache gar nicht zu reden.

Auf jeden Fall aber: Sein Buch ist es wert, gelesen zu werden, wie der Klassikkampf es wert ist, geführt zu werden.“
(Bojan Budisavljevic, Neue Musikzeitung nmz)

„Ein ausgezeichnetes, wirklich spannendes und kenntnisreiches Buch über die Misere ernster Musik und die Notwendigkeit guter (kultureller) Bildung, das sich unbedingt zu lesen lohnt!“
(Klaus Lederer, Kultursenator und Bürgermeister Berlins)

„Ein kluges Buch über die Gegenwart im Klassikbetrieb.“
(Maurice Summen, Jungle World)

„Der Autor benennt kenntnis- und faktenreich die vielen Untiefen und Oberflächlichkeiten des Musikbetriebs der klassischen Musik und kritisiert diese deutlich. Etwa die immer stärkere Verengung des Konzertrepertoires oder die so sehr aufs Äußerliche und Oberflächliche ausgerichteten Vermarktungsstrategien. (...) Die Schwächen von Seligers Buch liegen in der argumentativen Fokussierung auf linke bzw. altlinke Gesellschaftstheorien und Denkmodelle, die er für die Analyse des Bestehenden nahezu ausschließlich verwendet. Das wirkt mitunter schon etwas antiquiert. (...)
Berthold Seligers ‚Klassikkampf’ ist trotz seiner altlinken Stoßrichtung ein interessantes und lesenswertes Buch über den Klassikbetrieb, seine Probleme und Chancen. Denn darum geht es dem begeisterten Musikfan Seliger vor allem: Für die Bedeutung des enormen geistig-kulturellen Schatzes der klassischen Musik und ihrer persönlichkeitsbildenden und bewußtseinserweiternden Kraft zu werben und sie zu fördern, jenseits aller oberflächlichen Vermarktung und Verharmlosung.“

(Robert Jungwirth, Bayerischer Rundfunk)

„Nach der Lektüre stellt sich eine wunderbare Euphorie ein – ist der Klassikbetrieb erst einmal umgekrempelt, sind die Musiktheater dieser Welt einmal erobert, wird die Revolution nicht mehr lange auf sich warten lassen! Die bedingungslose Liebe zur durch das Gewerbe gegängelten Musik stachelt Seliger zu einem revolutionären Elan an, der ansteckend ist.“
(Paul Schuberth, Versorgerin)

„Staatliches Tschingderassabum. Kann man mit ernster Musik alle Übel der Welt beheben? Berthold Seliger plädiert dafür, das revolutionäre Potential der Klassik auszuschöpfen. Es riecht nach Klassenkampf.
Berthold Seliger ruft mit diesem Buch in bester Agitpropmanier dazu auf, die ‚ernste Musik’ aus dem Kerker der Elitenbildung, der marktgängigen Zurichtung und des subventionierten Einerleis zu befreien. (...) Seliger handelt sein Vorhaben in vier heterogenen Kapiteln ab. Da gibt es eine zahlengesättigte Bestandsaufnahme des heutigen Klassikbetriebs (...). Da gibt es historische Referate zur franzöischen Revolutionsmusik (...), zur musikalischen Arbeiterbewegung oder zur
identitätsstiftenden Rolle der Klassik für das Bürgertum. Da gibt es Konzeptarbeit an E und U, eine rabenschwarze Gesellschaftsdiagnose im Spät-68er-Geist und schließlich gar Beethoven-Exegese.
Auf knapp drei Vierteln der Strecke bringt Seliger auch noch ‚elf Forderungen’ für bildungspolitische Sofortmaßnahmen unter: mehr Musikunterricht, obligatorische Konzert- und Opernbesuche für alle Schüler, andere Preisgestaltung, eine Quote für zeitgenössische Musik. Pflicht, Zwang, Reglementierung von oben. Dieser Mann meint es ernst, und er glaubt an den starken Staat. Schade, daß er auf den naheliegenden Vergleich mit der DDR-Bildungspolitik nicht zu sprechen kommt. Da waren nämlich fast alle seiner Forderungen im Geiste des Klassenkampfes schon einmal umgesetzt. Ob die Folgen in Seligers Sinne waren, hätte man gern gelesen.
Obwohl die Diagnosen und Zahlen seit Jahrzehnten kursieren, ist der Grundimpuls des Buches bedenkenswert. Es lohnt, sich darüber Gedanken zu machen, warum wir Musik hören, was welche Musik mit uns macht, wozu sie uns verhelfen kann. Um dann zu überlegen, inwiefern die Förderung von (welcher) Musik eine gesellschaftliche und öffentliche Aufgabe sein müßte – oder auch nicht. (...)
Natürlich ist es toll, wenn möglichst viele Menschen möglichst früh die Gelegenheit zur Begegnung mit möglichst viel und unterschiedlicher Musik erhalten. Aber das sollte doch lieber nicht von einem unfehlbaren Amt für E-Musik gesteuert sein.“

(Melanie Wald-Fuhrmann, FAZ)

„Der Konzertagent und Publizist B. Seliger bohrt mit dieser langen Streitschrift so tief in die Wunden des gegenwärtigen Musikbetriebs, daß es wehtut. (...)
Ein sehr lesenswertes und engagiertes Buch.“

(Markus Suplicki, ekz.Bibliotheksservice)

„Berthold Seliger ruft emphatisch zum Kampf für die klassische Musik auf, die sich vor solchen Marktstrategien und der Anbiederung an den Massengeschmack verteidigen müsse.“
(Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung)

„Mit Bezug auf die Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer plädiert Seliger für den Marsch durch die Institutionen. Man kann nicht anders, als Seliger in seinen Kampf folgen zu wollen.“
(Tina Manske, CulturMag)

„In seinem Buch und im Gespräch kritisiert der Konzertagent Berthold Seliger die gegenwärtige Misere hinter den Kulissen des Klassikbetriebs und gibt eine flammende Liebeserklärung an die Musik und die Bewahrung des ›rebellischen Glutkerns‹ ab.“
(WDR 3, TonArt)

„Kulturpolitisch bemerkenswert sind die aus der Diagnose abgeleiteten ›Sofortmaßnahmen‹ in Form von elf konkreten Forderungen für eine ›Revolution der musikalischen Bildung‹, denen Seliger die Kraft zutraut, das emanzipatorische Potential der klassischen Musik und das Interesse an ihr neu zu erwecken.“
(Ole Löding, Kulturpolitische Mitteilungen)

„Das ist das beste und lesenswerteste Buch, das ich zum Thema KLASSIK HEUTE in den letzten Jahren gelesen habe.“
(Peter Bilsing, Der Opernfreund)

„Ein Plädoyer für die subversiven Seiten der Klassik: Der Insider analysiert die kommerziellen Aspekte des Musikbetriebs (...) In Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle (Matthes & Seitz) analysiert er den zeitgenössischen Klassikbetrieb in all seinen Facetten. Etwa das, was Seliger Klassikkampf nennt: Die Kluft zwischen traditionellen Hörern, die nur das Alte bevorzugen, und modernen Hörern, die Grenzüberschreitungen, Verletzungen des Regelwerks und kompositorischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen sind. Für Seliger ist das auch eine politische Auseinandersetzung, die er etwa an Beethoven festmacht. (...)
Seliger kritisiert den heutigen Klassikmusikbetrieb als ein Distinktionsrefugium für gesellschaftliche Eliten, deren Elbphilharmonie und Opernhäuser mit Steuergeldern finanziert werden, dann aber für die "outer- und underclass" – wegen hoher Ticketpreise und kultureller Hürden – kaum noch zugänglich seien. Dazu kommt, dass die Musikkonzerne die Ware Klassik mit sanfter New-Age-Elektronik versüßen, mit Sponsoring und zu Werbezwecken verramschen sowie den bedingungslosen Starkult forcieren. Die kulturelle Teilhabe am "rebellischen Glutkern" der Musik, das Schätzen von Bach und Beethoven wie auch moderner Komponisten oder außereuropäischer Musikkulturen, erfordert aber, so Seliger, eine grundlegende Veränderung des Bildungswesens: etwa mit Musik- und Kunstunterricht, der nicht auf Selbstvermarktung und andere neoliberale Ideen Wert legt, sondern auf intellektuelle Auseinandersetzung. Klassik nicht als Spielball der Hochkulturmarktlogik und nicht als Statussymbol.“

(Gerhard Dorfi, Der Standard)

„Der Titel ist natürlich ein Hammer: Klassikkampf. „Citoyens, aux armes" ruft Berthold Seliger seinen Leserinnen und Lesern zu. Zu den Waffen - aber zu welchen? Und für welche Schlacht? Die wichtigste Waffe ist für den Autor die Bildung. Er widmet ihr ein ganzes Kapitel, aus Protest gegen das seiner Meinung nach desolate Bildungssystem in Deutschland, das ein "Trümmerhaufen des Neoliberalismus" sei und den "Humanities", also der kulturellen Bildung viel zu wenig Platz einräume. (...)
Seligers Idealbild musischer Bildung in sich. Er fordert: Musik- und Kunstunterricht auf allen Stufen, Musikstunden quer durch alle Genres, Instrumentalunterricht für jedes Kind, obligatorische Konzertbesuche, Schulkonzerte mit Profis, Gratismuseen und günstige Tickets für Konzert und Theater («öffentliche Kulturförderung dient nicht der Wirtschaftsförderung, sondern muss sich daran orientieren, Geringverdienern und all jenen, die bisher nicht an der kulturellen Vielfalt partizipieren, Teilhabe zu ermöglichen»), Familien-, Mittags- und Nachtkonzerte zu tiefen Tarifen, eine 25-Prozent-Quote für zeitgenössische Musik in Konzerten und Radioprogrammen, Austausch mit nicht-europäischer Musik, kostenlose Live-Mitschnitte von Konzerten im Netz und schliesslich: mehr Mittel für Musikschulen. (...)
Sein Ansatz geht aber weiter; insgesamt sei ein neuer, widerständiger Begriff von «Klassik» nötig. In einer bemerkenswerten Retrobewegung plädiert Seliger für eine wiederbelebte und geschärfte Unterscheidung zwischen E- und U-Kultur. Deren Aufweichung sei nicht im Interesse der Kunst und der Gesellschaft, sondern des Markts. (...)
An zahlreichen Musikbeispielen (nachzuhören auf spotify), mit Blicken über den europäischen Tellerrand hinaus und mit einem ausführlichen Kapitel zu Beethoven macht Seliger Lust darauf, den «rebellischen Kern» der Klassik neu zu entdecken und zu beleben. Und dies gerade auch in den immer wieder gespielten Werken des Kanons. Zum Beispiel in Beethovens Fünfter – deren nicht enden wollende Schlussakkorde hört Seliger mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt als «die Eröffnung einer Zukunft». Und traut den sieben C-Dur- Akkorden kulturoptimistisch zu, dass sie «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» propagieren, gegen Ausbeutung und Rassismus antönen und mit jenem Pathos, das Seligers Klassikkampf eigen ist, verkünden: «Ein anderes Leben ist möglich.»"

(Saiten, Monatsmagazin Ostschweiz)

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Berthold Seliger:
Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle
Broschur, 496 Seiten, € 24.- / E-Book: € 20,99
In allen guten Buchhandlungen erhältlich.