Bonnie 'Prince' Billy

In Zeiten, da jeder dahergelaufene Texter, der drei Gitarrenakkorde unfallfrei klampfen kann, sich als "Singer/Songwriter" bezeichnet, lohnt es, sich der großen Tradition der Liedkunst bewußt zu werden. Schließlich geht eine Linie von, sagen wir, Franz Schubert und Robert Schumann über Gustav Mahler, über Brecht/Eisler und Hank Williams bis hin zu Bob Dylan und Townes Van Zandt - eine Linie, die beweist, das das Komponieren von Liedern viel mehr ist als das, was "Singer/Songwriter" heute gemeinhin so treiben. Zu den drei oder vier lebenden Songwritern, deren Werk selbstbewußt in der Reihe der allergrößten Liedkomponisten aller Zeiten genannt werden kann, gehört Bonnie 'Prince' Billy, wie sich Will Oldham seit den späten 90er Jahren als Künstler nennt - und gleichzeitig ist Bonnie 'Prince' Billy einer der faszinierendsten Song-Performer, die man sich überhaupt vorstellen kann. Jetzt kommt dieser große Künstler endlich, nach sechs Jahren, wieder einmal nach Deutschland, und wir dürfen uns zudem auf überaus rare Solo-Auftritte freuen.

Bonnie 'Prince' Billy beschäftigt sich seit jeher mit den großen Themen des Daseins: mit der Liebe, mit dem Tod, und mit allem, was zwischendrin passiert. Natürlich singt Bonnie 'Prince' Billy vom Allein-, Verlassen- und Mißverstandensein. Aber er beschäftigt sich auch mit allen Tönen des Zwischenmenschlichen, und seine Lieder kennen schrägen, teils sarkastischen Humor, ja sogar Sex.  Seine künstlerischen Mittel der Auseinandersetzung sind so vielseitig, wie man es von kaum einem anderen Künstler unserer Zeit kennt - da ist der todtraurige Folk-Troubadour, der mit dem genialen Debüt-Album "There Is No-One What Will Take Care of You" die Bühne betrat (laut "Mojo" eines der "Greatest Albums of All Time"). Aber da ist auch der humorvolle Performer, der auf der Bühne nicht einmal Kalauern aus dem Weg geht. Ein Künstler, der nicht nur Verehrer alter Bluesheroen ist, sondern auch Bewunderer von Tüftlern neuer Sounds wie Björk oder R. Kelly. Da ist der gefragte Schauspieler ebenso wie der Musiker, und als Songwriter spielt Bonnie 'Prince' Billy sowieso in einer ganz eigenen Liga - einige seiner Songs gehören längst zum "All American Songbook" und wurden u.a. von Johnny Cash ("I See A Darkness", auf "American III", mit Backing Vocals von Will Oldham), Marianne Faithfull ("A King At Night") oder Mark Lanegan ("You Will Miss Me When I Burn") gecovert. Doch nichts ist so einzigartig und faszinierend, wie Bonnie 'Prince' Billy live auf der Bühne zu erleben, ihn seine eigenen Werke interpretieren zu sehen.

 "Oldham nimmt die Herausforderung als Entertainer an (...) Er reckt sich auf Zehenspitzen den Leidenschaften entgegen." (Markus Schneider, "Berliner Zeitung")  

"In ruhigem, reflexivem Tonfall durchmaß der verwunschene Prinz Themen von kosmischer Größe wie Liebe, Sex, Verlangen und Verlust. Ein Sonderling aus Passion. Gothic Americana - entstammte das zeremonielle Gefühl, das die Lieder dieses Abends erweckten, einer herrlichen Hochzeit auf dem Lande oder einer düsteren Mitternachtsmesse?" (Peter Kemper, "FAZ")  

"Lieder für die Ewigkeit (...) Nach zwei Stunden Tanz und Transzendenz in der ausverkauften Royal Festival Hall klingt selbst ein tieftrauriges Lied wie 'Nobody's Darling On Earth' wie ein ausgelassenes Fest." (Maik Brüggemeyer, "Rolling Stone")

 In Umfragen landen seine Werke regelmäßig auf den Spitzenplätzen der besten Alben aller Zeiten - z.B. "I See A Darkness" auf Platz 6 der "100 besten Singer/Songwriter-Alben" beim "Rolling Stone". Dabei weiß man manchmal nicht, was man mehr bewundern soll - Bonnie 'Prince' Billys Kreativ- oder seine Produktivitätskraft. Ständig veröffentlicht der Künstler neue Alben oder Singles, unter diesem oder jenem Namen, mit diesen oder jenen Musikern. Und der gesamte künstlerische Ausstoß ist auf allerhöchstem Niveau. Dabei legt der Künstler größten Wert auf Integrität - er verweigert sich nicht nur jedem Sponsoring, sondern sogar jeder "Medienpartnerschaft". Selbst für bedeutende Filmregisseure ist es quasi unmöglich, auf die Gästeliste von Konzerten des Prinzen zu gelangen. Denn auf der Bühne geht es Will Oldham nur um Kunst, nur um das eine, das aber radikal - um diesen Moment der Transzendenz, in dem etwas Außerordentliches, nie Gehörtes passiert. 

Zuletzt hat Bonnie 'Prince' Billy ein Soloalbum veröffentlicht, das nicht auf den offiziellen Wegen erschienen ist - er hat es selbst aufgelegt im LP-, CD- und, ja, Cassetten-Format, und er hat dieses Album, auf dem nur sein Name in Kleinbuchstaben prangt, in keinen Vertrieb gegeben, sondern in den Plattenladen seines Vertrauens in Louisville/Kentucky geschleppt. Bonnie 'Prince' Billy widersetzt sich jeder Vereinnahmung, jeder Vermarktungslogik und allen Usancen der Musikindustrie. Er spielt nur dort, wo er will, und nur, wann er will. Er ist als Künstler ganz sein eigener Herr. Von dieser radikalen Qualität gibt es nur wenige Künstler, einer derer, Lou Reed, ist unlängst gestorben.

Das neue Album, das auch Journalisten nur nach langer Suche für teuer Geld im Internet kaufen können, wurde von "Pitchfork" bis "Musikexpress" dennoch prompt in die Listen der "besten Alben des Jahres 2013" aufgenommen:

"Will Oldham aka Bonnie 'Prince' Billy allein mit seiner Gitarre und den besten Songs seit seinem unbestrittenen Meisterwerk 'Master And Everyone'. Während andere ihre Albumveröffentlichungen als Ereignis zu inszenieren versuchen, wird Bonnie 'Prince' Billy zu einem Ereignis. Allein durch die Musik." (Albert Koch, "Musikexpress")