We Are Together Again
Bonnie 'Prince' Billy
Ganz sicher: Die Welt, in der wir leben, wandelt sich wie selten zuvor. Kriege, Klimakatastrophe, Hass allerorten. Die Welt, in die wir hineingeboren wurden, verschwindet. Sie wird durch menschliches Handeln umgestaltet und entblößt. Was bleibt, ist die Frage, wie wir in diesem Desaster, das da Gegenwart heißt, sinnvoll weiterleben können. Wie wir unser Menschsein definieren wollen. Wie können wir widerstehen, ohne aufzugeben?
Bonnie ‚Prince‘ Billy, einer der größten Singer/Songwriter unserer Zeit, gibt mit seinem neuem Album „We Are Together Again“ - laut Maik Brüggemeyer „sein bestes Album der (mindestens) letzten zwanzig Jahre“ - eine kämpferische Antwort:
Es ist der Gemeinsinn, es sind Freundschaft, Gemeinschaft und die Freude, gemeinsam mit anderen Kunst zu schaffen, die zu einem Mittel der Beharrlichkeit werden. Community rules!
Das soll nicht heißen, dass Will Oldham den Zusammenbruch leugnen würde.
„The human times have come and gone / We must accept our rule is done“, singt Bonnie ‚Prince‘ Billy in düsterer Klarheit in seinem Song „Life Is Scary Horses“.
Aber darauf folgt ein Hoffnungsanker: Es wurde Liebe gesät, und diese Liebe wird weiterleben: „Komm zu mir, lass mich noch einmal deine Augen sehen, bevor der Winter wiederkommt.“
Und der Song wechselt an dieser Stelle von Moll zu Dur, so kunstvoll wie in Schuberts „Gute Nacht“ aus der „Winterreise“.
Anmut und Schönheit.
Denn wann immer alles düster ist und nicht mehr weiterzugehen scheint, haben wir alle doch einen „Friend Named Joe“, der uns Trost anbieten kann:
“And when it feels like life is just a series of delusions, Joe can show that, even though it all feels like illusion, it’s real; and yesterday bears no resemblance to tomorrow. You fly towards death so full of life and love and joy and sorrow.”
Wir fliegen zwar dem Tod entgegen, aber eben voller Leben und Liebe und Freude und Trauer - alles gleichzeitig. Das Mysterium des Lebens.

Den Rahmen des neuen Albums setzen zwei Löwen-Lieder: „Why Is The Lion“ zu Beginn und „Bride of the Lion“ am Ende. Anrufung der Hoffnung und eine Melodie, die die Welt reinigen und retten kann, die den Schmutz aus dem Licht schrubbt, “scouring the filth from the light.” Es geht nicht um Menschen, die vergebens versuchen, etwas zu reparieren, sondern um jene, die das Licht lange genug klar halten, um sich darin gegenseitig zu erkennen.
Das Gefühl, nein, das (Selbst-)Bewusstsein von „Community“ zieht sich nicht nur durch das gesamte Album „We Are Together Again“, sondern bestimmt auch die im August 2026 zu erwartenden Konzerte von Bonnie ‚Prince‘ Billy - diesmal nämlich mit Band, wohl zu sechst auf der Bühne.
Es geht dem Künstler um Togetherness. Um eine gelebte Gemeinschaft: „The communication of music in emotion, release and catharsis, to edify, to entertain.“
„Ein Strahlen in der Dunkelheit.“ (Christian Riethmüller, „FAZ“)

„Es ist die Angst, die uns in dieser Zeit alle im Griff hat, über die Will Oldham zu Beginn des neuen Bonnie-‚Prince‘-Billy-Albums singt (…) Ein Album, das musikalisch an Großwerke wie ‚Master And Everyone‘ (2003) und ‚The Letting Go‘ (2006) erinnert und ebenso wie diese dem Unausweichlichen ins Auge sieht.
Der Trost liegt allein in den wohligen Klängen, die diese dunklen Poeme begleiten, der Stimme von Freakwaters Catherine Irwin, den Arrangements von Filmkomponist Ryder McNair, der Klarinette und dem Akkordeon von Thomas Deakin. (…)
Der Mensch ist am Ende, doch die Liebe geht weiter. Die leise Hoffnung liegt in den Augen der Tochter und in der einenden Kraft der Musik. Es sind dunkle Zeiten, aber Will Oldham hat ihnen sein bestes Album der (mindestens) letzten zwanzig Jahre abgerungen.“ Maik Brüggemeyer, „Rolling Stone“ (4 ½ Sterne)
„Die Americana des großen Singer/Songwriters ist mal wieder zum Weinen schön. Oldham fasst immer wieder neu ins Herz. Niemand feiert so bewegend Familienleben und Freundschaft, und niemand singt so lakonisch und zugleich herzergreifend von Depressionen, davon, wie es ist, ‚die Tage in Dunkelheit und die Nächte als Freund der Angst zu verbringen‘, aber wenn man Glück hat, gibt es einen Joe, der einem sagt, dass man okay ist. (…) Die große, großartige Kunst von Will Oldham ist es, die Hoffnung nicht bloß schal klingen zu lassen.“
Thomas Winkler, „Musikexpress“ (6 Sterne)
„Trotz existenzieller Themen vermittelt Bonnie ‚Prince‘ Billy jenes Gefühl der Zuversicht und Geborgenheit, das bereits im Titel des Albums anklingt. Mit diesem beinahe trotzigen musikalischen Echo auf das besungene Elend der Welt ist Oldham ein Highlight seiner späten Diskografie gelungen.“ (Visions)
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Die zehn magischen Konzerte mit Bonnie 'Prince' Billy im Oktober 2024 werden noch lange nachhallen...
Mit Thomas Deakin, Elizabeth "Fuchsia" Parker, als Gast Ned Collette und am Merch Oscar Parsons.
(die schönen Fotos vom ersten Abend im wunderbaren Boulezsaal sind von Peter Adamik)


(c) Peter Adamik
Einen der bedeutendsten und faszinierendsten Singer/Songwriter unserer Tage an dieser Stelle vorzustellen, hieße, Eulen nach Nashville zu tragen.
Seine Lieder handeln von Liebe und Horror und manch anderem.
Seine Konzerte sind ein Mythos.
Und Bonnie ‚Prince‘ Billy genießt die Freude am Singen und Spielen – besonders live, vor Publikum, mit dem er das Erlebnis eines Konzerts teilt:
"The communication of music in emotion, release and catharsis, to edify, to entertain.“
2024 kommt er nach über zehn Jahren endlich wieder auf Deutschland-Tour, im Trio und mit
Ned Collette als Support Act, mit Ausnahme des zweiten Berlin-Konzerts, dort werden dann die Sacred Harp Singers zu hören sein.

Das im Sommer 2023 erschienene jüngste Album „Keeping Secrets Will Destroy You“ (wie immer auf Domino Records) wurde von der Kritik bejubelt (Platz 6 der „50 besten Alben 2023“ im Rolling Stone!) und von den Fans gefeiert:
„Ein klassisches Singer/Songwriter-Album von einem, der selbst ein Klassiker ist, und das auch weiß. Und dass er weiß, dass wir das auch wissen, weiß man spätestens, wenn er singt: ‚Ding dong / Ding dong ding dong“. Ja, ernsthaft: So, wie Bonnie ‚Prince‘ Billy dichtend singt, wird selbst das Glockenklingen der ‚Crazy Blue Bells‘ zur Poesie.“
(Thomas Winkler, Musikexpress, 5 Sterne)
„Ein Strahlen in der Dunkelheit.“ (Christian Riethmüller, „FAZ“)
„Eindringlicher Folk, der von einer bedrohten Welt erzählt. (…) Folk ohne die Lieblichkeit, die dem Genre mitunter auch innewohnt – vor allem an den Rändern zum Pop. Oldham dagegen singt von Zweifeln, die schmerzhaft sind, erzählt Geschichten, die tief wurzeln: ‚Everyone cries when we feel like nobody trusts us / Everyone dies in the end so there’s nothing to hide / Like it or not, I’m singing destruction.‘
Der wie immer eindringliche Gesang reflektiert eine Welt, die uns zu ersticken und zu erdrosseln droht, wie es in ‚Blood Of The Wine“ heißt. Ein Gegenmittel – davon ist der Songwriter überzeugt – sind Zusammenhalt und Gemeinschaft. (…)
Das apokalyptische ‚Trees Of Hell’ klagt über die andauernde Zerstörung der Natur, zu der alle beitragen. Es ist der dunkelste und schönste Song dieses wieder sehr berührenden Albums.“ (Jürgen Ziemer, Rolling Stone, 4 Sterne)
Die Songs des Bonnie ‚Prince‘ Billy erzählen von der düsteren und traurigen Welt, in der zu leben wir gezwungen sind, aber auch von Hoffnung und Erlösung, wie wir es vom späten Johnny Cash kennen (der Will Oldhams „I See A Darkness“ so wundervoll interpretiert hat). Zusammenhalt und Gemeinschaft: Community!
“People and the world, so beautiful and terrible. So much to love and to not like. In the living, ‘Keeping Secrets Will Destroy You’ enables me to let it all out, to let go again, and suggest to us all that we get while the getting is good.”
Lieder zum Reflektieren, aber auch Lieder, die Mut machen und Perspektiven aufzeigen. „Lieder für die Ewigkeit" eben (so Maik Brüggemeyer im „Rolling Stone“).
„In ruhigem, reflexivem Tonfall durchmaß der verwunschene Prinz Themen von kosmischer Größe wie Liebe, Sex, Verlangen und Verlust. Ein Sonderling aus Passion. Gothic Americana.“ (Peter Kemper, „Frankfurter Allgemeine Zeitung")
„Oldham nimmt die Herausforderung als Entertainer an (...) Er reckt sich auf Zehenspitzen den Leidenschaften entgegen."
(Markus Schneider, „Berliner Zeitung")
(Photo: Elsa Hansen Oldham)
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In Zeiten, da jeder dahergelaufene Texter, der drei Gitarrenakkorde unfallfrei klampfen kann, sich als "Singer/Songwriter" bezeichnet, lohnt es, sich der großen Tradition der Liedkunst bewußt zu werden. Schließlich geht eine Linie von, sagen wir, Franz Schubert und Robert Schumann über Gustav Mahler, über Brecht/Eisler und Hank Williams bis hin zu Bob Dylan und Townes Van Zandt - eine Linie, die beweist, das das Komponieren von Liedern viel mehr ist als das, was "Singer/Songwriter" heute gemeinhin so treiben. Zu den drei oder vier lebenden Songwritern, deren Werk selbstbewußt in der Reihe der allergrößten Liedkomponisten aller Zeiten genannt werden kann, gehört Bonnie 'Prince' Billy, wie sich Will Oldham seit den späten 90er Jahren als Künstler nennt - und gleichzeitig ist Bonnie 'Prince' Billy einer der faszinierendsten Song-Performer, die man sich überhaupt vorstellen kann. Jetzt kommt dieser große Künstler endlich, nach sechs Jahren, wieder einmal nach Deutschland, und wir dürfen uns zudem auf überaus rare Solo-Auftritte freuen.
Bonnie 'Prince' Billy beschäftigt sich seit jeher mit den großen Themen des Daseins: mit der Liebe, mit dem Tod, und mit allem, was zwischendrin passiert. Natürlich singt Bonnie 'Prince' Billy vom Allein-, Verlassen- und Mißverstandensein. Aber er beschäftigt sich auch mit allen Tönen des Zwischenmenschlichen, und seine Lieder kennen schrägen, teils sarkastischen Humor, ja sogar Sex. Seine künstlerischen Mittel der Auseinandersetzung sind so vielseitig, wie man es von kaum einem anderen Künstler unserer Zeit kennt - da ist der todtraurige Folk-Troubadour, der mit dem genialen Debüt-Album "There Is No-One What Will Take Care of You" die Bühne betrat (laut "Mojo" eines der "Greatest Albums of All Time"). Aber da ist auch der humorvolle Performer, der auf der Bühne nicht einmal Kalauern aus dem Weg geht. Ein Künstler, der nicht nur Verehrer alter Bluesheroen ist, sondern auch Bewunderer von Tüftlern neuer Sounds wie Björk oder R. Kelly. Da ist der gefragte Schauspieler ebenso wie der Musiker, und als Songwriter spielt Bonnie 'Prince' Billy sowieso in einer ganz eigenen Liga - einige seiner Songs gehören längst zum "All American Songbook" und wurden u.a. von Johnny Cash ("I See A Darkness", auf "American III", mit Backing Vocals von Will Oldham), Marianne Faithfull ("A King At Night") oder Mark Lanegan ("You Will Miss Me When I Burn") gecovert. Doch nichts ist so einzigartig und faszinierend, wie Bonnie 'Prince' Billy live auf der Bühne zu erleben, ihn seine eigenen Werke interpretieren zu sehen.
"Lieder für die Ewigkeit (...) Nach zwei Stunden Tanz und Transzendenz in der ausverkauften Royal Festival Hall klingt selbst ein tieftrauriges Lied wie 'Nobody's Darling On Earth' wie ein ausgelassenes Fest." (Maik Brüggemeyer, "Rolling Stone")
In Umfragen landen seine Werke regelmäßig auf den Spitzenplätzen der besten Alben aller Zeiten - z.B. "I See A Darkness" auf Platz 6 der "100 besten Singer/Songwriter-Alben" beim "Rolling Stone". Dabei weiß man manchmal nicht, was man mehr bewundern soll - Bonnie 'Prince' Billys Kreativ- oder seine Produktivitätskraft. Ständig veröffentlicht der Künstler neue Alben oder Singles, unter diesem oder jenem Namen, mit diesen oder jenen Musikern. Und der gesamte künstlerische Ausstoß ist auf allerhöchstem Niveau. Dabei legt der Künstler größten Wert auf Integrität - er verweigert sich nicht nur jedem Sponsoring, sondern sogar jeder "Medienpartnerschaft". Selbst für bedeutende Filmregisseure ist es quasi unmöglich, auf die Gästeliste von Konzerten des Prinzen zu gelangen. Denn auf der Bühne geht es Will Oldham nur um Kunst, nur um das eine, das aber radikal - um diesen Moment der Transzendenz, in dem etwas Außerordentliches, nie Gehörtes passiert.
Zuletzt hat Bonnie 'Prince' Billy ein Soloalbum veröffentlicht, das nicht auf den offiziellen Wegen erschienen ist - er hat es selbst aufgelegt im LP-, CD- und, ja, Cassetten-Format, und er hat dieses Album, auf dem nur sein Name in Kleinbuchstaben prangt, in keinen Vertrieb gegeben, sondern in den Plattenladen seines Vertrauens in Louisville/Kentucky geschleppt. Bonnie 'Prince' Billy widersetzt sich jeder Vereinnahmung, jeder Vermarktungslogik und allen Usancen der Musikindustrie. Er spielt nur dort, wo er will, und nur, wann er will. Er ist als Künstler ganz sein eigener Herr. Von dieser radikalen Qualität gibt es nur wenige Künstler, einer derer, Lou Reed, ist unlängst gestorben.
Das neue Album, das auch Journalisten nur nach langer Suche für teuer Geld im Internet kaufen können, wurde von "Pitchfork" bis "Musikexpress" dennoch prompt in die Listen der "besten Alben des Jahres 2013" aufgenommen:
"Will Oldham aka Bonnie 'Prince' Billy allein mit seiner Gitarre und den besten Songs seit seinem unbestrittenen Meisterwerk 'Master And Everyone'. Während andere ihre Albumveröffentlichungen als Ereignis zu inszenieren versuchen, wird Bonnie 'Prince' Billy zu einem Ereignis. Allein durch die Musik." (Albert Koch, "Musikexpress")


