16.05.2014

Streiks in China, Streik bei der "Berliner Zeitung"

Über diesen Streik (siehe unten) in Dongguan wurde in den deutschen Medien übrigens kaum berichtet – klar, er paßte nicht in die politische Narration. Löbliche Ausnahme: die „FAZ“, in ihrem Wirtschaftsteil. Und dann gab es da noch einen Artikel in der „Berliner Zeitung“ über Adidas, in dem ein Thomas Magenheim u.a. schreibt: „Adidas ist derzeit wie andere Firmen in der Sportartikelbranche hin- und hergerissen zwischen Margendruck und Imageproblemen, ausgelöst durch die Zustände in Zulieferfabriken.“ Zulieferfabriken? Der Autor meint wohl die Fabriken, in denen der komplette Adidas-Kram hergestellt wird. Das sind ja nicht etwa Zulieferfabriken, die mal eben paar Schnürsenkel aus Südostasien in die Schuhfabrik nach Herzogenaurach liefern würden, sondern eben Fabriken, die gleich den ganzen Schuh herstellen.
Doch weiter im Text von Herrn Magenheim: „‚Seit Jahren weigert sich Adidas, geeignete Schritte zu unternehmen, um die Arbeitsbedingungen effektiv zu verbessern’, klagt Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero. Die auf Arbeitsrecht spezialisierte Organisation prangert an, daß die globale Nummer zwei der Branche auf Zulieferer großen Kostendruck ausübe und damit Arbeitsrechtsverletzungen provoziere. (...) Adidas läßt wie auch viele Konkurrenten beim chinesischen Sportschuhhersteller Yue Yuen produzieren, wo ein Streik wegen vorenthaltener Lohnbestandteile zuletzt die Produktion teilweise lahmgelegt hatte.“
Beim chinesischen Sportschuhhersteller Yue Yuen läßt Adidas laut „Berliner Zeitung“ seine Schuhe produzieren? Dumm nur, daß Yue Yuen eben keine chinesische Forma ist, sondern ein Konzern aus Taiwan. Und das ist ein gänzlich anderes Land. Muß man als Autor im Wirtschaftsteil der „Berliner Zeitung“ wohl nicht so genau wissen.
Jedenfalls: „Adidas reagierte mit einem Teilabzug von Aufträgen und schadete damit Menschenrechtsorganisationen zufolge der Sache der Streikenden. (...) Adidas und andere Sportartikler sind in China in einer heiklen Situation. Wer in China Geschäft (sic, BS) machen will, legt sich besser nicht mit den Machthabern an.“
Und da haben wir die Propaganda-Narration, die den bundesdeutschen Journalisten in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheint, die halt nur leider mit der Wahrheit nichts zu tun hat, sondern komplett, sagen wir es freundlich: erfunden ist. Müßte sich Adidas, wie die „Berliner Zeitung“ behauptet, mit den chinesischen „Machthabern anlegen“, um die Arbeiter fair zu bezahlen? I wo. Die chinesische Regierung hat ja die Gesetze erlassen, an die sich der taiwanesische Konzern nicht hält. Was also soll diese Behauptung, außer mit einer offensichtlichen Unwahrheit Stimmung zu machen? Die chinesischen „Machthaber“ haben damit, daß bei der Produktion von Adidas-Sportschuhen die Arbeiter nicht korrekt bezahlt, sondern um große Teile ihrer Sozialleistungen betrogen werden, rein gar nichts zu tun. Verantwortlich ist der Konzern aus Taiwan. Der von dem Konzern aus Herzogenaurach damit beauftragt wurde, die für teures Geld verkauften Sportschuhe so billig wie möglich herzustellen.
Die Ausbeuter haben Name, Anschrift und Gesicht. Die Adresse lautet: Adidas AG, Adi-Dassler-Str. 1, D-91074 Herzogenaurach.